Glyphosat vor der Neuzulassung

02.03.2016

© Sabine Rübensaat

Glyphosat dürfte den Landwirten auch zukünftig zur Verfügung stehen. Die Europäische Kommission schlägt vor, den Herbizidwirkstoff für 15 Jahre bis zum 30. Juni 2031 erneut zuzulassen. Nach Ansicht der Brüsseler Behörde sind die Zulassungskriterien gemäß den EU-Vorschriften über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln erfüllt. Gleichzeitig soll eine Reihe von Substanzen verboten werden, die als Beistoffe eingesetzt werden. Eine entsprechende Liste muss die Kommission jedoch erst noch erstellen. Die Mitgliedstaaten werden voraussichtlich am 7. März 2016 über den Kommissionsvorschlag entscheiden. Die Zustimmung gilt als nahezu sicher. Im Rahmen der Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte allein Schweden eine Minderheitsmeinung vertreten und grundsätzliche Bedenken gegen Glyphosat geltend gemacht.

 

Wissenschaft gefragt


Landwirtschaftsminister Christian Schmidt kündigte eine Positionierung der Bundesregierung auf wissenschaftlicher Grundlage an und wandte sich entschieden gegen Versuche der politischen Einflussnahme von außen. „Bei der Entscheidung über die Zulassungsverlängerung von Glyphosat dürfen weder Skandalisierungen noch die Politik im Vordergrund stehen, sondern ausschließlich die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse“, forderte Schmidt am Freitag vergangener Woche. Hierfür lieferten das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wichtige Entscheidungshilfen. Zur Zulassungsverlängerung von Glyphosat hätten Wissenschaftler national und international über zwei Jahre hinweg mehr als tausend wissenschaftliche Studien und Beiträge ausgewertet. Auf Basis aller vorliegenden Informationen kämen sie überein, dass bei fachgerechter und professioneller Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat keine Zweifel an der Unbedenklichkeit bestehen. Sein Ministerium prüfe derzeit die Möglichkeiten für eine Beschränkung oder ein Verbot des Einsatzes von Glyphosat im privaten Bereich, berichtete der Minister.

 

Hauruck im Bundestag


Unterdessen hat sich der Bundestag mit deutlicher Mehrheit gegen einen Stopp des Zulassungsverfahrens ausgesprochen. Ein Grünen-Antrag mit dieser Forderung wurde abgelehnt. In namentlicher Abstimmung votierten am Donnerstag vergangener Woche insgesamt 446 Abgeordnete gegen den Antrag; 117 stimmten dafür. Die anwesenden Abgeordneten der Grünen und der Linken stimmten allesamt für den Antrag, die Koalitionsfraktionen bis auf zwei Parlamentarier der Union und einer der SPD dagegen. Eine Reihe von SPD-Abgeordneten gab eine persönliche Erklärung ab, in der sie die Bundesregierung auffordern, einen Ausstiegsplan für die Anwendung von Glyphosat in der heimischen Landwirtschaft zu erarbeiten.

 

Grünen-Klub als Labor?


Für Diskussionen sorgten Meldungen über Glyphosatrückstände im Bier, die auf Untersuchungen eines „Umweltinstituts München“ zurückgehen. Dies ist jedoch kein Analyseinstitut, sondern nach eigenen Angaben ein unabhängiger Verein, „der sich gegen Atomkraft, für gentechnikfreies Essen, für eine nachhaltige Energiewende und für den ökologischen Landbau einsetzt“. Bei Untersuchungen von Bieren der 14 beliebtesten Marken auf Glyphosatspuren sei man bei jedem getesteten Produkt fündig geworden, teilte der Verein mit. Die gemessenen Werte hätten zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter gelegen „und damit im Extremfall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm pro Liter“, heißt es in einer Presseverlautbarung.


Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mahnte in seiner Reaktion eine sachliche Debatte an. Angesichts einer Rückstandsmenge von maximal 30 Mikrogramm Glyphosat pro Liter sei ein gesundheitliches Risiko auszuschließen. Nach BfR-Angaben müsste ein Erwachsener bei dieser Konzentration an einem Tag rund 1 000 Liter Bier trinken, um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen. Grundsätzlich seien Glyphosatrückstände in Bier aus wissenschaftlicher Sicht aber plausibel und erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff beim Getreideanbau sei.

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