Glyphosat-Diskussion in Europa

28.01.2016

© Sabine Rübensaat

Endlich: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wehrt sich.

Sie will raus aus der Defensive: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist dazu übergegangen, ihr Vorgehen bei der Neubewertung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat aktiv zu verteidigen. Ihr geschäftsführender Direktor, Dr. Bernhard Url, wandte sich deshalb schriftlich an Prof. Christopher Portier, der an dem glyphosatkritischen Gutachten der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) beteiligt war und das Urteil der EFSA Ende November heftig kritisiert hatte. „Ich stimme zu, dass das IARC eine wichtige Rolle bei der Sichtung des karzinogenen Potenzials von Stoffen spielt. Allerdings sollten wir diese erste Einschätzung nicht mit der umfangreicheren Gefahrenbewertung durch Behörden wie die EFSA vergleichen“, betonte Url in seinem Brief.

 

Viel Erfahrung


Glyphosat sei nicht die erste chemische Substanz, bei der die Bewertungen des IARC und der zuständigen Regelungsbehörden voneinander abwichen. Dabei sei die IARC-Sichtung berücksichtigt, aber nicht immer bestätigt worden. Url stellte fest, dass der EU-Zulassungsprozess als einer der strengsten der Welt betrachtet werde. Über dieses System habe die EFSA seit 2003 Hunderte von Wirkstoffen bewertet und mögliche Risiken für Mensch und Umwelt identifiziert. Auf diese Weise sei es der Europäischen Kommission und den EU-Mitgliedstaaten ermöglicht worden, die Anforderungen für die sichere Anwendung von Pestiziden in Europa zu etablieren. „Dasselbe System wurde benutzt, um das Risiko von Neonikotinoiden für Bienen zu bewerten, was anschließend zu einem EU-Moratorium dieser Stoffe geführt hat“, hob Url hervor.

 

Vollständige Transparenz


Url wies auf unterschiedliche Klassifizierungssysteme von IARC und EFSA hin. Er erinnerte daran, dass die bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesiedelte Agentur nicht nur den Wirkstoff Glyphosat an sich, sondern auch darauf basierende Pflanzenschutzmittel mit weiteren Inhaltsstoffen untersucht habe. Dafür jedoch seien innerhalb der EU die Mitgliedstaaten zuständig. Die EFSA hingegen beschränke sich auf das Risiko der einzelnen Substanz. Portiers Vorwurf, die EU-Behörde habe das Ergebnis, Glyphosat sei nicht krebserregend, auf undurchsichtige Weise erreicht, wies Url nachdrücklich zurück. „Die EFSA-Schlussfolgerungen und alle damit verbundenen Hintergrunddokumente, die sich über etwa 6 000 Seiten erstrecken, sind auf der EFSA-Internetseite veröffentlicht“, so der Direktor. Darin eingeschlossen sei der Bericht über eine öffentliche Befragung, aus dem hervorgehe, wie den Kommentaren unterschiedlicher Interessenträger, einschließlich mehrerer Nichtregierungsorganisationen, begegnet worden sei. Die Hintergrunddokumente enthielten Informationen darüber, wie EFSA und die Mitgliedstaaten jede einzelne Studie bewertet hätten und darüber, wie alle Teilnehmer mit der Ausnahme Schwedens zu dem Schluss gekommen seien, dass Glyphosat höchstwahrscheinlich keine karzinogene Gefahr für den Menschen darstelle. Portier und annähernd 100 weitere Akademiker aus 25 Ländern hatten in einem offenen Brief Zweifel an der Wissenschaftlichkeit des Zulassungsverfahrens aufgeworfen.

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