Gleich schlecht in allen Größenklassen

03.08.2016

Schweinestall © Anja Nährig

Man habe zusammen 60 konventionell wirtschaftende Schweinemastbetriebe mit Hilfe des Welfare Quality Protokolls (WQP) im Hinblick auf das Tierwohl untersucht und so gut wie keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Bestandsgrößen gefunden, heißt es in der jetzt abgeschlossenen Arbeit, die im Rahmen des Promotionsprogramms „Tierhaltung im Spannungsfeld von Tierwohl, Ökonomie und Gesellschaft“ durchgeführt wurde.


Aufgefallen ist laut Angabe der Hochschule lediglich, dass der Verschmutzungsgrad der Tiere mit steigender Bestandsgröße signifikant zugenommen hat. So habe der Anteil moderat verschmutzter Tiere in kleinen Beständen 11 %, in mittleren 15 % und in großen Beständen 21 % betragen.

 

Zu erklären sei dieses Ergebnis damit, dass in größeren Betrieben häufiger eine Flüssigfütterung eingesetzt werde. Von dieser sei bekannt, dass sie im Vergleich zur Trockenfütterung das Risiko für eine leichte Verschmutzung der Tiere erhöhe.


Die Tierwohlsituation insgesamt wird in der Arbeit allerdings als „eher niedrig“ eingestuft. So seien teilweise erhebliche Mängel bei der Wasserversorgung dokumentiert worden. Ferner seien auf den Höfen im Durchschnitt 35 % der gehaltenen Tiere von moderater Bursitis – also Schleimbeutelentzündung – betroffen gewesen, was auf suboptimale Haltungsbedingungen schließen lasse. Über dies habe man auf mehr als neun von zehn Höfen überbelegte Buchten gefunden. Das wirke sich nicht nur nachteilig auf die Tiere aus, sondern sei auch ein Verstoß gegen das Gesetz. Als hoch wertete die Forscherin Sophie Meyer-Hamme auch einen Anteil von 11 % verletzter Tiere im Mittel aller untersuchter Betriebe. Außerdem sei der „emotionale“ Zustand der Schweine schlecht gewesen, und beim Erkundungsverhalten habe es Defizite gegeben.
Die für die Studie untersuchten Betriebe hielten durchschnittlich 2 641 Schweine, wobei die Zahl der Mastplätze zwischen 260 und 11 000 variierte. Bei der Bildung von Bestandsgrößenkategorien seien Höfe mit weniger als 1 500 Mastplätzen als klein, Betriebe mit 1 500 bis 3 000 Plätzen als mittelgroß und Höfe mit mehr als 3 000 Plätzen als groß eingestuft worden. Für die Beurteilung des Tierwohls habe man die Fütterung, die Haltung, die Gesundheit und das Verhalten bewertet.


Im Gesamtergebnis unterstreicht die Studie nach Einschätzung von Forscherin Meyer-Hamme die Notwendigkeit, gesellschaftlich geforderte Ziele in der Nutztierhaltung hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Tiere wissenschaftlich zu prüfen. Die Diskussion um Tierschutz und Tierwohl müsse weiter geführt werden, wobei Zucht, Management, Haltungssystem sowie Ausbildung und Einstellung der Tierwirte in den Fokus gehörten.

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