Gewerkschaft fordert Einheitstarif

03.06.2014

© Thomas Tanneberger

Die Gewerkschaft fordert einen Einheitstarif für alle die im landwirtschaftlichen Bereich arbeiten

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat ihre Bereitschaft zu Tarifgesprächen mit der Arbeitgeberseite bekräftigt. „Wir wollen einen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag“, sagte der stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum dem Pressedienst Agra-Europe und verwies auf einen ersten Vertragsentwurf, den man den Arbeitgebern übermittelt habe. Ziel sei es, die Bereiche Landwirtschaft und Gartenbau gemeinsam in einem Tarifvertrag zu regeln. Schaum geht davon aus, dass die Verhandlungen mit dem Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) und den Vertretern der Gartenbau-Arbeitgeber im Zeitraum Ende Juni bis Anfang Juli geführt werden.

Eile ist geboten

Eine zügige Einigung sei notwendig, um die Voraussetzungen für die Aufnahme der Branche in das Entsendegesetz zum 1. Januar 2015 zu erfüllen. Grundlage des angestrebten Tarifvertrages bildet dem Gewerkschafter zufolge die Bundesempfehlung, auf die sich beide Seiten im Januar 2013 verständigt haben. Klar sei, dass es in der untersten Lohngruppe bei den vereinbarten Stufen bis zum Stundenlohn von 8,50 Euro Anpassungen geben müsse, um den gesetzlichen Mindestlohn zum 1. Januar 2017 zu erreichen. Ein bundesweiter Tarif ist die Vor-aussetzung für die Aufnahme einer Branche ins Arbeitnehmerentsendegesetz. Dies wiederum ist erforderlich, um von einer Ausnahmeregelung im Tarifautonomiestärkungsgesetz Gebrauch zu machen, nach der der gesetzliche Mindestlohn erst zum 1. Januar 2017 in einer Branche gilt und nicht bereits mit Beginn des Jahres 2015.

Mit Nachdruck trat Schaum der anhaltenden Kritik am Mindestlohn entgegen. Er könne die Vertreter der berufsständischen Organisationen nur davor warnen, im Zusammenhang mit dem Mindestlohn weiter Horrorszenarien zu entwickeln. Schaum: „Wer den Leuten weiß machen will, dass bei einem Stundenlohn von 8,50 Euro der Spargel um zwei Euro pro Kilo teurer wird, bewegt sich jenseits von Gut und Böse.“ Sollte der Mindestlohn Auswirkungen auf Produktpreise haben, so werde es dabei um Cent-Beträge gehen. Auch der Strukturwandel werde nicht befeuert, er laufe seit Jahrzehnten.

In diesem Zusammenhang machte der IG BAU-Spitzenmann erneut darauf aufmerksam, dass Lohnarbeitskräfte in der Landwirtschaft an Bedeutung gewännen und der klassische Familienbetrieb mit ausschließlich familieneigenen Arbeitskräften auf dem Rückzug sei. Dem müsse in der Tarifpolitik ebenso wie in der Agrarpolitik künftig stärker Rechnung getragen werden.

Debatte um Zukunft

Viele Arbeitgeber hätten mittlerweile erkannt, „dass gute Arbeitskräfte eine gute Entlohnung brauchen“. Für die spiele der Mindestlohn überhaupt keine Rolle, weil sie längst darüber hinausgegangen seien.

Nicht zuletzt der Deutsche Bauernverband muss nachden Worten Schaums Farbe bekennen, welche Landwirtschaft man haben wolle. Eine Landwirtschaft, die auf Billigproduktion setze und nur Billiglöhne zahle, werde sehr schnell gesellschaftlich ins Abseits manövriert. Diese Fragen sei man gern bereit mit dem Deutschen Bauernverband zu diskutieren. Dabei gehe es auch darum, gemeinsam etwas für die Qualifizierung von Arbeitnehmern zu tun.

Leider seien die Initiativen der IG BAU in dieser Richtung in der Vergangenheit auf taube Ohren gestoßen. Schaum erwartet, dass sich auch der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in die Debatte um die künftige Ausrichtung der Landwirtschaft einschaltet „und notwendige Impulse gibt“.

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