Gegner der Agrarindustrie – Eine wachsende Bewegung

27.01.2014

Großdemonstration in Berlin

© Thomas Tanneberger

Großdemonstration in Berlin

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Zog das frühlingshafte  Wetter die Menschen an oder tatsächlich die gewachsene Bedeutung des Agrarthemas in der Gesellschaft - das ist schwer zu sagen. Sicherer festzustellen war, dass am Bundeslandwirtschaftsministerium über 15.000 Demonstranten vorbeigezogen sind und zur Abschlusskundgebung am Kanzleramt zwischen 20.000 und 25.000 Leute auf dem Platz waren. Darin ist eine „satte“ Verdopplung der Teilnahme zu sehen, denn entgegen den offiziellen Angaben einten die „Wir-haben-es-satt!“-Demonstrationen in den vergangenen Jahren kaum über 10.000 Menschen.


Die Forderungen der Demonstranten waren vielfältig. „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, „Freiheit der Vielfalt in Landwirtschaft und Ernährung“ und „Förderung bäuerlicher Betriebe“ wurde da ebenso gefordert und eine Abkehr von „Gentechnik“, „Qualzucht“, „Patentierung von Lebenwesen“ und „Massentierhaltung“. Man protestierte gegen „Gift im Essen“, „Höfe- und Imkersterben“, „kommerzialisierte Saatgutwirtschaft“, „Akkordschlachtung und Verarbeitung von lebenden Tieren“ sowie „Landgrabbing“. Viele Demonstranten drückten ihre Besorgnis über die Freihandelsverhandlungen mit den USA aus und forderten „unabhängige Landwirtschaft in regionalen Kreisläufen“. Das Saatgut solle wieder den Bauern gehören und Brot solle mehr wert sein als Biogas. Heftige Kritik richtete sich gegen den neuen Bundesminister Friedrich, der unentschieden in der Ablehnung der Gentechnik sei, und gegen Bauernverbandspräsident Rukwied, der Massentierhaltung verharmlose und sich der Agrarindustrie verschrieben habe. Im Hinblick auf die Gentechnik wurde mit Entschlossenheit gedroht: „Wer Gentechnik sät, wird Widerstand ernten!“, tönte es über den Platz.


Nach einer ersten Kundgebung mit vielen internationalen Gästen bewegte sich der Demonstrationszug friedlich mahnend am Bundesrat und Bundeslandwirtschaftsministerium vorbei zum Kanzleramt, wo auf einer weiteren Versammlung die Vertreter der einladenden Organisationen zu den Demonstranten sprachen. Auf einer überdimensionalen Wäscheleine hinterließen diese am Ende über 1.500 Botschaften an Kanzlerin Merkel.

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