Gefährliche Substanzen

04.11.2015

Wurst © Sabine Rübensaat

Experten der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) haben den Verzehr von verarbeitetem Rotfleisch als krebserregend eingestuft. Wie die Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag vergangener Woche mitteilte, gibt es ausreichende wissenschaftliche Belege, dass ein erhöhter Konsum von Wurst und Schinken das Risiko für Darmkrebs erhöht.


Grundlage der Einstufung war laut IARC eine Auswertung von mehr als 800 Studien zum Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fleisch und der Entwicklung von Krebs durch 22 Experten einer Arbeitsgruppe der Agentur. Ihnen zufolge soll sich das Darmkrebsrisiko je 50 g verzehrtem Verarbeitungsfleisch am Tag um 18 % erhöhen. Dazu gehören alle Produkte, die gepökelt, geräuchert, fermentiert oder durch andere Prozesse haltbar gemacht wurden. Bei der Produktion dieses Fleisches könnten verschiedene Substanzen entstehen, die Krebs auslösten.


Rotes Muskelfleisch, das vom Rind, Schwein, Lamm, Ziege oder Pferd stammt, stufen die Experten als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Es gebe zwar Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr und einer krebsfördernden Wirkung, jedoch sei dieser in der wissenschaftlichen Literatur nicht eindeutig belegt. IARC-Direktor Dr. Christopher Wild wies zudem darauf hin, dass Rotfleisch auch einen ernährungsphysiologischen Wert habe. Es müsse deshalb in den offiziellen Ernährungsempfehlungen eine gute Balance zwischen Risiko und Nutzen gefunden werden.


Der für die Analyse verantwortliche IARC-Mitarbeiter, Dr. Kurt  Straif, räumte ein, dass das Risiko für den Einzelnen, infolge des Fleischkonsums Darmkrebs zu entwickeln, klein sei. Es steige aber mit der Verzehrmenge, und aufgrund der Vielzahl von Konsumenten werde daraus ein öffentlich relevantes Thema.


Politiker und Verbände im In- und Ausland reagierten auf die IARC-Einstufung von Fleisch und Wurstwaren als potenziell oder tatsächlich krebsauslösend überwiegend gelassen, teilweise jedoch auch mit Unverständnis und Kritik. Der Geschäftsführer des Vereins „Die Lebensmittelwirtschaft“, Stephan Becker-Sonnenschein, sprach von einer „Anklage ohne Beweise“ durch die WHO. Er wies darauf hin, dass der tatsächliche Verzehr von Fleisch in Deutschland deutlich unter der von der WHO als risikobehaftet eingestuften Fleischmenge liege.


Die Ernährungsexpertin Prof. Ellen Kampmann von der Universität Wageningen erklärte gegenüber der Presse, dass verarbeitetes Fleisch zwar ebenso wie Tabak oder Asbest in die Gruppe 1 der krebserregenden Stoffe eingeordnet worden sei. Dies bedeute jedoch nicht, dass durch den Verzehr das gleiche Risiko an Krebs zu erkranken bestehe wie bei Zigaretten. Die Eingruppierung basiert nach ihren Angaben allein auf dem Sicherheitsniveau eines statistischen Zusammenhangs und gibt keine Auskunft über die tatsächliche Höhe des Krebsrisikos einzelner Stoffe.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr