Forderungen müssen realistisch bleiben

03.03.2015

© Sabine Rübensaat

Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands kann einen entscheidenden Beitrag zur Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens in eine tierschutzgerechte Schweinehaltung leisten.

Die Schweinehalter in Deutschland sehen sich einer zunehmenden Pauschalkritik aus Medien und Politik ausgesetzt und zu Unrecht auf die Anklagebank gesetzt. „Wir werden jedoch den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern selbst Lösungen suchen und aktiv vorangehen“, sagte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Heinrich Dierkes, bei der Mitgliederversammlung seiner Organisation in Münster.

 

Keiner macht es sich leicht

Die abnehmende gesellschaftliche Akzeptanz werde vom Berufsstand sehr ernst genommen und habe bereits zu Maßnahmen wie freiwilligen Antibiotikaüberwachungsprogrammen oder der von der gesamten Branche getragenen „Initiative Tierwohl“ zur Verbesserung der Haltungsbedingungen für Schweine und Geflügel geführt. „Die Initiative kann einen entscheidenden Beitrag zur Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens in eine tierschutzgerechte Schweinehaltung leisten“, betonte Dierkes. Laut ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack gehört das Kürzen der Schweineschwänze zu den wichtigsten Tierschutzthemen, dem sich auch die ISN durch die Mitarbeit in zahlreichen Gremien und Forschungsprojekten angenommen habe. Die Tierhalter würden den gesellschaftlichen Wunsch auf den Verzicht kurativer Eingriffe anerkennen, doch fehle es momentan noch an praxistauglichen Lösungen, berichtete Staack. Zwar gebe es Empfehlungen zur Reduzierung des Schwanzbeißens, aber kein Patentrezept zur vollständigen Vermeidung. Ein politisch verordnetes Kupierverbot zu einem festen Stichtag sei deshalb in absehbarer Zeit aus Gründen des Tierschutzes nicht vertretbar; diese Erkenntnis scheine sich auch bei den zuständigen Fachministern durchzusetzen.

 

Schluss mit der Meckerei

Vor dem Hintergrund, dass sich in puncto Tierschutz schon einiges verbessert habe und ernsthaft nach alternativen Lösungen für Probleme gesucht werde, sei das ständige „Bauernbashing“ und öffentliche Schlechtmachen der Tierhalter unerträglich, kritisierte Staack. Um darauf besser reagieren zu können, werde die ISN ihre Kommunikation insbesondere im Bereich der sozialen Medien intensivieren und sich gesellschaftlich noch besser vernetzen.

 

Einen medialen und politischen „Hauptgegner“ sieht die ISN dabei in den Grünen. Zwar sei man politisch neutral, doch wenn eine Partei mit ihren agrarpolitischen Vorstellungen derart im Abseits wandele, müsse energisch widersprochen werden, erklärte Dierkes. Als Beispiel nannte er in der Diskussion um Antibiotikaresistenzen die einseitigen Schuldzuweisung an die Tierhalter, obwohl die Humanmedizin nachgewiesenermaßen mit im Boot sitze. Der jüngste Antrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „Die Zukunft der Tierhaltung – Artgerecht und in der Fläche angepasst“ enthalte dermaßen viele Verbote und Vorschriften, dass er bei Umsetzung in liberalisierten Märkten mit offenen Grenzen praktisch einer Abschaffung großer Teile der Tierhaltung in Deutschland gleichkäme. Da werde „keine sanfte, sondern eine knallharte Agrarwende“ angestrebt, warnte der ISN-Vorsitzende.

 

 

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