FNL-Standortgespräch

05.02.2013

 

 

Berlin. Eine Professionalisierung der landwirtschaftlichen Produktion in Schwellen- und Entwicklungsländern ist ein wesentliches Element für weltweite Ernährungssicherheit. Das war der gemeinsame Tenor des 4. Standortgesprächs der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) zum Thema „Wie werden wir alle morgen noch satt? Herausforderung Nahrungssicherheit der Zukunft“ am 18. Januar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. 

 

Aus Sicht des beigeordneten Generalsekretärs für Politikkoordination der Vereinten Nationen (UN) und Mitglieds der High-Level Task Force für globale Ernährungssicherheit der UN, Dr. Thomas Stelzer, ist dabei weniger die verfügbare Menge, sondern der gleiche Zugang zu Lebensmitteln für alle Menschen weltweit das Wesentliche. Der Hunger auf der Welt, der immer noch fast 1 Milliarde Menschen betreffe, sei eine Folge von Armut und fehlendem Zugang zu bezahlbarer Nahrung. Die High-Level Task Force für globale Ernährungssicherheit habe zehn Prinzipien für den Weg zu weltweiter Nahrungsmittelsicherheit aufgestellt. Dazu gehörten die besondere Beachtung von Kleinstbauern, funktionierende Handelsstrukturen sowie Investitionen in die Landwirtschaft. Der UN-Vertreter kritisierte die „Agrokraftstoffe“ der ersten Generation, die im Vergleich zu Biokraftstoffen aus Abfallstoffen „nicht nachhaltig genug“ seien. 

 

Das Mitglied des Vorstands der AGRAVIS Raiffeisen AG, Dirk Bensmann, teilte Stelzers Einschätzung zur Bioenergiefrage nicht. Ein Nebeneinander von Lebensmittel- und Biomasseproduktion sei nicht nur möglich, sondern ein Muss. Genügend Fläche sei dafür vorhanden. Zentral sei, die Produktivität weiter zu erhöhen. Das sei vor allem über technischen Fortschritt möglich. Mit entsprechenden Ertragssteigerungen hätten dann auch mehr Menschen als heute Zugang zu bezahlbaren Lebensmitteln. Das Know-how professioneller Agrarunternehmen aus entwickelten Ländern müsse daher in die Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert werden.  Ähnlich äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der BayWa AG Klaus Josef Lutz. Es sei Teil der Internationalisierung, bei der Zusammenarbeit mit Partnern in Wachstumsmärkten einen Know-how-Transfer mit anzubieten. Ein wesentliches Problem der weltweiten Lebensmittelversorgung sei oft der Vorratsschutz. Es gebe in vielen Ländern „erhebliche Mängel“ bei Transport, Logistik und Lagerung von Lebensmitteln. Dadurch würden allein 150 Mio t Getreide jährlich vernichtet. Lutz forderte gegenüber Stelzer konkretere Maßnahmen der Vereinten Nationen ein und nannte als Vorbild den in den siebziger und achtziger Jahren verhandelten „Code of Conduct on the Transfer of Technology“ der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der UN (UNCTAD). Es müsse darum gehen, durch Ausbildung und Technologietransfer die bestmögliche Ausnutzung landwirtschaftlicher Ressourcen weltweit zu fördern. Scharfe Kritik übte Lutz an den Flächenstilllegungsplänen der EU und an den Aussagen vieler Politiker zu angeblichen globalen Preissteigerungen durch Spekulationen mit Lebensmittelrohstoffen. Allein aufgrund der Komplexität des Zustandekommens von Agrarpreisen könne es nicht einen einzelnen Grund für Preissteigerungen geben. 

 

Der Professor für Agrar- und Entwicklungspolitik am Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Peter Michael Schmitz, teilte Lutz‘ Kritik an der Debatte um Nahrungsmittelspekulationen. Hier würden Ursache und Wirkung verwechselt. Die Volatilität der Lebensmittelpreise habe meist andere, beispielsweise klima- und witterungsbedingte Gründe. Dagegen sicherten sich die Unternehmen am Warenterminmarkt ab. Die Spekulation sei also Folge der Preissteigerungen, nicht umgekehrt. AgE

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