Export statt Quote

27.02.2013

 

 

Hannover. Jüngste Initiativen auf EU-Ebene, nach dem Ende der Milchquote einen freiwilligen Produktionsverzicht einzelner Milcherzeuger zu fördern, werden vom Landvolk Niedersachsen strikt abge-lehnt. Wie der Landesbauernverband Mitte Februar mitteilte, bestand darüber beim 5. Nordwestdeutschen Milchtreff, der von den Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen organisiert worden war, Einigkeit. Solch eine Lenkung werde von der Mehrheit der niedersächsischen Milcherzeuger abgelehnt, berichtete Landvolkvizepräsident Heinz Korte. Die Garantiemengenregelung habe sich bereits zwei Jahre vor ihrem Ende überlebt. Dem pflichtete der Vorsitzende der niedersächsischen Landesvereinigung, Jan Heusmann, bei.

Heusmann bezeichnete die freiwillige Drosselung der Rohstoffmenge, wie sie neuerdings im Sicherheitspaket der EU-Kommission vorgesehen sei, als „alte Klamotte“. Es sei ärgerlich, dass solch ein Randthema der Brüsseler Politik überhaupt solch eine Aufmerksamkeit genieße. Unterstützung erhielt er für diese Einschätzung vom scheidenden niedersächsischen Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. „Je näher das Quotenende rückt, umso unentschlossener agieren einzelne Gruppierungen“, schilderte dieser die Wahrnehmung aus der politischen Perspektive. Keinerlei Verständnis gab es von seiner Seite für eine Protokollnotiz seiner grünen Ministerkollegen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Ulrike Höfken und Johannes Remmel, bei der jüngsten Amtschefkonferenz, in der diese ein Verbot der Agrarexporte forderten. Der Vorsitzende der Landesvereinigung Nordrhein-Westfalen, Wilhelm Brüggemann, stellte in diesem Zusammenhang die provo-kante Frage: „Holen uns die Grünen vom Weltmarkt wieder runter?“

Einbußen bei den Exporten von Milcherzeugnissen wären aus Sicht der Molkereiwirtschaft so ziemlich das Letzte, was die Branche benötigt. Nach Angaben von Jan Heusmann exportieren die deutschen Milcherzeuger ausgedrückt in Milchäquivalent rund 4 Mrd. kg. Dabei setzten die wachstumswilligen Milcherzeuger und die Molkereien laut Landvolkverband gemeinsam auf weiter steigenden Ausfuhren und wollen neue Märkte erschließen.

Gert Lindemann erinnerte daran, dass die weltweite Nachfragebelebung im Sommer vergangenen Jahres auch die Trendwende auf dem hiesigen Milchmarkt eingeleitet habe. Müsste die Milchwirtschaft auf Exporte verzichten, würde der Erzeugerpreis nach seiner Einschätzung maximal 20 bis 30 ct/kg betragen. Im Jahr 2011 erhielten die niedersächsischen Milchviehhalter jedoch fast 35 ct/kg und nach zwischenzeitlichem Tief im vergangenen Jahr immerhin noch 32 ct/kg. Allerdings mussten die Erzeuger auch deutlich steigende Kosten für Produktionsmittel wie Futter, Energie oder Löhne auffangen. Oft genug blieb deshalb, so Heinz Korte vom Landvolkverband, unterm Strich in der Kasse wenig bis gar nichts übrig.

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