EuroTier 2018

08.11.2018

© DLG

Die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Voraussetzungen für Tierhalter lassen heute viele Fragen offen. Wo findet zukünftig Nutztierhaltung wettbewerbsfähig statt und wie? Betriebsleiter brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen sowie professionelle Konzepte, um ihre Betriebe zukunftsfähig auszurichten.

 

Mehr Aussteller aus dem Ausland 

Die weltweite Leitmesse für Tierhaltungs-Profis, die EuroTier, wird Innovationen und Trends für die Landwirtschaft präsentieren und Orientierung geben. Auf mehr als 260.000 m² Hallenfläche finden sich vollständige Angebote rund um die moderne Tierhaltung und Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft. 

 

In zahlreichen Fachvorträgen und Diskussionsrunden werden hierzu neueste Erkenntnisse und Lösungswege an allen Ausstellungstagen diskutiert. Veranstalter der Messe und ihres Fachprogramms ist die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).Immer mehr Aussteller kommen aus dem Ausland: Mit 1.484 Unternehmen (58,7 %) sind diese so stark vertreten wie nie zuvor. Die meisten Auslandsaussteller stammen aus China (254). Auf dem zweiten Platz rangieren die Niederlande (207), gefolgt von Frankreich (128), Italien (120), Spanien (85), Dänemark (70), Großbritannien (62), Österreich (55), Türkei (55), Belgien (51), Polen (49), Kanada (31) und den USA (29). Darüber hinaus sind rund 310 Spezialaussteller zur EnergyDecentral 2018, der internationalen Fachmesse für innovative Energieversorgung, angemeldet. 

 

Die DLG sieht in der hohen BeteiIigung aus dem Ausland einen Beleg, dass viele Unternehmen der internationalen Agrarwirtschaft sich immer stärker global ausrichten und die EuroTier gezielt dazu nutzen, neue Märkte zu erschließen. Erstmals nehmen Aussteller aus Ländern wie Marokko, Bangladesch, Vietnam, Hongkong, Paraguay und Uruguay teil.

 

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) führt seinen Jahreskongress wieder zeitlich überlappend mit der EuroTier auf dem Messegelände in Hannover durch. Diese Synergie schafft Gelegenheit, dass Tierärzte und Landwirte aus aller Welt ihre Erfahrungen und Meinungen in Fragen der Tiergesundheit intensiv austauschen. Vor diesem Hintergrund hat eine Kommission aus über 300 Anmeldungen zum Innovation Award der EuroTier 250 Neuheiten zum Wettbewerb anerkannt und daraus 26 Produkte mit Medaillen ausgezeichnet (Seiten 38-41): eine Gold- und 25 Silbermedaillen. Viele dieser Innovationen tragen dazu bei, die Haltungsbedingungen für die Tiere sowie die Arbeitsbedingungen für die Menschen weiter zu verbessern. Kriterien wie Arbeitssicherheit und -verbesserung, Tiergesundheit, Tierwohl sowie Umwelt- und Tiergerechtheit standen im Mittelpunkt der Beurteilung. Zudem wird die DLG zusammen mit dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) erstmals Produkte und Lösungen mit dem „Animal Welfare Award“ auszeichnen, die im besonderen Maße den Anforderungen an einen höheren Tierwohlstandard gerecht werden. Die EuroTier wird durch dieses Informationsangebot Orientierung weltweit für die moderne Tierhaltung schaffen und wichtige Impulse für den einzelnen Landwirt und die gesamte Branche geben. 

 

Rahmenbedingungen auf den Märkten 

 

Die Dürre hat nicht nur in der EU zu einem Rückgang der Ernteerträge geführt, sondern auch in wichtigen Erzeugerländern wie Russland oder der Ukraine. Dadurch dürften die Bestände der großen Weizenexporteure um etwa 20 Mio. t zurückgehen und den Weizenpreis steigen lassen. Betrieblich betrachtet dürften die Ernterückgänge bei Ackerbauern zwar teilweise durch Preissteigerungen kompensiert werden, dennoch gibt es individuelle finanzielle Engpässe bei von der Trockenheit besonders betroffenen Betrieben. Die Milchanlieferungen der deutschen Produzenten normalisieren sich nun nach dem hitzebedingten Rückgang im Juli und August. Die Molkereien rechnen wegen der knappen Futterversorgung mittelfristig mit sinkenden Anlieferungsmengen. Einige Milcherzeuger sind sehr stark von der Dürre betroffen und müssen die schlechte Ernte von Grünfutter durch den Zukauf von fremdem Futter zu hohen Preisen kompensieren. In diesen Regionen wird ein Rückgang der Milchlieferungen um fünf Prozent erwartet. 

 

Die knappen Schweinebestände im Sommer führten in der EU zu meist festen Preisen für die Schweinemäster. 

 

Ein großes Problem für die Sauenhalter ist derzeit jedoch die Unklarheit, wie es mit der Ferkelkastration weitergeht. Die Diskussion um eine Verschiebung des gesetzlichen Stichtages 1. Januar 2019 ist in vollem Gang und keine Lösung in Sicht. Zudem ist die Afrikanische Schweinepest ein großes Risiko für die Schweinemärkte. Viele neue Ausbrüche in Rumänien, Bulgarien und China sowie der erste Ausbruch bei Wildschweinen in Belgien zeigen ein hohes Risikopotenzial für die Schweinebranche.

 

Internationale Investitionsbereitschaft

 

Die DLG hat 2017 mit DLG-Agrifuture Insights eine neue Wissensmarke für internationale Marktanalysen gestartet. Aus inzwischen neun Ländern stehen damit Trendanalysen weltweit wichtiger Agrarregionen zur Verfügung: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Niederlande, USA, Russland, Brasilien und Südafrika. Das Geschäftsklima hat sich diesen Analysen zufolge 2018 wegen der Dürre in fast allen Ländern, insbesondere in Westeuropa und in Russland, verschlechtert. Trotzdem liegt in Europa die Investitionsbereitschaft noch über dem langjährigen Durchschnitt. Vor allem in der Milchwirtschaft herrscht ein Ersatzbedarf nach der Rezession 2015/16. In manchen Regionen müssen Milchviehhalter wegen der Trockenheit jedoch Futter zukaufen und werden daher Investitionen aufschieben.

 

Die Stimmung der US-Farmer, insbesondere der Schweinehalter, ist wegen des Handelskonfliktes mit China gedrückt. Dennoch will jeder zweite US-Farmer in den kommenden zwölf Monaten investieren. In Südafrika, Russland und Frankreich wollen die Betriebsleiter die Tierhaltung grundsätzlich ausbauen. Während in Westeuropa bei den Milchviehhaltern als größte Herausforderungen das Herdenmanagement und die Tiergesundheit angesehen werden, stehen in den USA die Sicherung der Wirtschaftlichkeit und die Erfüllung von Umweltanforderungen im Mittelpunkt. Das gesellschaftliche Umfeld der Tierhaltung spielt eine immer bedeutendere Rolle für die Tierhalter und deren Familien. Nach den Zahlen von DLG-Agrifuture Insights von August 2018 interessieren sich Betriebsleiter weltweit, wie sie Tierwohl und Tiergesundheit verbessern können. Darüber hinaus erachten sie Innovationen in Techniken zur digitalen Tiererkennung sowie Monitoring als besonders wichtig. „Das Auge des Herrn mästet das Vieh“ – daher sind elektronische Maßnahmen, den Blick auf das Tier zu unterstützen, gefragt. In Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und den USA wollen Schweinehalter die Klimaführung in den Ställen verbessern. Französische, polnische und britische Milchviehhalter wollen neue, tiergerechtere Ställe bauen. In den Niederlanden werden Ställe modernisiert, um Umweltauflagen zu erfüllen. Tierhalter in Deutschland investieren vorwiegend, um Ansprüchen an Umwelt und Tierwohl zu genügen.

 

Leitthema „Digital Animal Farming“

 

Wohl keine Innovation beschäftigt die Landwirtschaft derzeit so massiv wie die Digitalisierung, entsprechend intensiv wird sie diskutiert. Gefragt sind fortschrittliche Konzepte, die an die Vielfalt der Standorte angepasst sind und den Wettbewerb stärken. Dabei wird Digitalisierung eine führende Rolle einnehmen. Sie trägt auch dazu bei, dass sich Produktionsprozesse, aber auch Liefer- und Wertschöpfungsketten neu ordnen. Die EuroTier 2018 setzt daher mit dem Leitthema „Digital Animal Farming“ einen Schwerpunkt in ihrem Fachprogramm. Ein tierartenübergreifendes Special in Halle 26, Stand A06, stellt die aktuellen Entwicklungen von digitalen Lösungen für die Tierhaltung in den Mittelpunkt.

 

Tierhaltung 4.0 verbindet

 

 

Die EuroTier stellt den weltweit größten Neuheitenmarkt in den Bereichen Verfahrenstechnik, Betriebsmittel, Management und Software, Stalleinrichtungen sowie Stall- und Hallenbau für die gesamte professionelle Tierhaltung dar. Die große Anzahl von insbesondere sehr interessanten Weiterentwicklungen und wesentlichen Verbesserungen bereits bekannter Produkte zeigt vor allem, dass die Innovationsfreudigkeit der Hersteller im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung ungebremst ist. 

 

„Digital Animal Farming“ 

 

Dabei beschäftigt sich die Messe in diesem Jahr unter ihrem tierartübergreifenden Special „Digital Animal Farming“ insbesondere mit der Digitalisierung von Produktionsprozessen im Stall und auf dem Betrieb. Ob in der Produktionsüberwachung, bei der Tiergesundheit und beim Tierwohl, der betrieblichen Nährstoffbilanz oder auch der Transparenz zum Kunden: Durch den Einsatz von Sensoren und zielgerichtetes Datenmanagement können die Bedürfnisse der Tiere, der Umwelt, des Landwirts sowie der Verbraucher gleichermaßen berücksichtigt werden. Durch die Vernetzung von Systemen und Technologien im Betrieb lässt sich das Management vereinfachen und Fehler können vermieden werden. 

 

Im Bereich der Betriebsmittel fokussieren spezielle Futtermittel und -zusatzstoffe bei der Nutztierhaltung nicht nur auf eine effizientere Futterverwertung, sondern auch auf eine Förderung beziehungsweise bessere Nutzung (einheimischer) Futtermittel. Denn vor dem Hintergrund zum Beispiel immer stärkerer Verbraucherforderungen nach nachhaltiger Milchproduktion wird nach dem Verzicht auf gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Futtermitteln der Fokus inzwischen auch kritisch auf die Verwendung von Palmöl beziehungsweise daraus hergestellter Palmfettprodukte gelegt. 

Daher sind Alternativen gefragt. Ebenso stellen fütterungsbasierte Ansätze zur Vermeidung von Ebergeruch eine sehr sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Alternativen dar.

 

Praktische Tipps für die Schweinehaltung

 

Die Themen der digitalen Schweinehaltung auf dem EuroTier Special sind vielfältig: Sie reichen von intelligenten Fütterungssystemen mit Möglichkeiten der Gesundheitsüberwachung über die elektronische Einzeltierkennzeichnung, verknüpft mit der Datenerfassung am Tier sowie intelligenten Impf- und Behandlungssystemen, bis hin zu Software für die Überwachung der Biosicherheit von Betrieben, der Tieraktivität oder der Stalllüftung. Darüber hinaus steht tierartübergreifend die Vernetzung von Systemen auf dem Betrieb und auch über die Lieferkette im Fokus. 

 

Einer der Schwerpunkte im Bereich der Schweinehaltung liegt dieses Jahr in der Verbesserung der Arbeitsweise, Funktionsfähigkeit und der einfachen Kontrolle sowie Reinigung der Problemstellen von Fördersystemen für Trockenfütterungsanlagen. Darüber hinaus zeigt sich in diesem Themenbereich eindeutig, dass sich auch bei der Reinigung von Futtertrögen noch völlig neue Produktideen realisieren lassen, welche die Qualität und Effizienz von Reinigungsarbeiten stark verbessern können. Denn eine optimale Futterhygiene ist für die Tiergesundheit und die Leistung in der Schweinehaltung unerlässlich. 

 

Autonome Verfahren in der Rinderfütterung

 

Die Reduktion von (Ammoniak-)Emissionen wird in der Tierhaltung zukünftig eine noch zentralere Rolle spielen. Im Bereich der Entmistung ist eine funktionsfähige und praxistaugliche Umsetzung der Kot-Harn-Trennung eine grundsätzliche Möglichkeit, um die Freisetzung von Ammoniak zu vermindern. Ziel ist es hierbei, einerseits den auf der Oberfläche verbleibenden Kot sowie Einstreu oder Reste organischen Beschäftigungsmaterials insgesamt aus der Bucht zu befördern, und andererseits den abgesetzten Harn direkt durch entsprechende Öffnungen separat vollständig abzuleiten.

 

Im Bereich der Rinderhaltung ist es weiterhin ein erklärtes Ziel, die Verfahrenskette von automatisierter Futterentnahme, -transport, -mischung und -vorlage vollständig autonom zu realisieren. Hier sind Systeme gefragt, die unterschiedliche Futtersilos ansteuern und auch problemlos in mehreren Ställen eingesetzt werden können. Im Bereich des Ein- beziehungsweise Nachstreuens und der Entmistung gehören autonome Systeme inzwischen zum Stand der Technik. Nun aber werden diese Verfahren kombiniert oder mit zusätzlichen Sensoren bestückt, um einen besseren Einblick in die Haltungsumwelt der Tiere zu bekommen. 

 

Verbesserung von Selbstfangfressgittern  

 

Ein weiterer Trend geht in Richtung der Verbesserung der Sicherheit und Überwachung von Selbstfangfressgittern und der technischen Einrichtungen zur automatischen Steuerung des gelenkten Kuhverkehrs beziehungsweise der dafür notwendigen elektronischen Ansteuerung der Durch-lasstore. Darüber hinaus ist die automatisierte Früherkennung von Klauenproblemen ein wichtiges Thema. Denn das möglichst frühzeitige Erkennen von Klauenproblemen und Lahmheit durch „präventives Monitoring“ dient nicht nur der Klauengesundheit, sondern kann darüber hinaus auch zum tierindividuellen Management der Klauenpflege genutzt werden. Im Bereich der Befestigung von Klauenklötzen in der Klauenpflege und der Temperierung zuvor gekühlten oder gefrorenen Kolostrums zeigt sich, dass es zu den in der Praxis oft umständlichen und sehr provisorischen Maßnahmen auch innovative alternative Lösungen gibt. 

 

Verbesserte Erfassung der Milchmenge

 

Die Entwicklungen in der Melktechnik beschäftigen sich in diesem Jahr mit den Bereichen der verbesserten Erfassung der Milchmenge ohne (nachteilige) Beeinflussung des Milchflusses, der Vorhersage der tierindividuellen Milchabgabe während des Melkens zur zeiteffizienteren Ansteuerung der Melk- bzw. Verfahrenstechnik und der Alternative zu herkömmlichen Zitzengummis, deren Austausch unter anderem sehr zeitaufwendig ist. 

 

In der Geflügelhaltung zeigt sich ein ähnlicher Trend wie in der Rinderhaltung, nämlich dass die Verfahrenstechnik zum Einstreumanagement mit zusätzlichen Sensoren kombiniert wird, um beispielsweise Stallklimaparameter, räumliche Temperarturverteilung und Tiergewichte mit zu erfassen.  

 

Geschlechtserkennung  in Bruteiern 

 

Ebenso wird sich der Förderung der Tränkewasserhygiene durch die vereinfachte Umsetzung pra-xiserprobter Reinigungs- und Desinfektionsstrategien gewidmet. Denn die optimale Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Tränkwasser ist eine wesentliche Voraussetzung für die Gesunderhaltung und die Leistungsfähigkeit des Geflügels. Darüber hinaus sind Verfahren zur Durchführung unterschiedlicher Tests zum Erkennen des Geschlechts der Küken in Bruteiern in der Umsetzung begriffen.

 

Digitale Überwachung der Tiergesundheit   

 

Die digitalen Lösungen für das Herdenmanagement und zur Qualitätssicherung fokussieren dieses Jahr besonders auf den Bereich der – möglichst automatischen oder vereinfachten – Gesundheitsüberwachung des individuellen Nutztiers. Hierbei geht es unter anderem um Lösungen, mit denen „analoge Techniken“ wie beispielsweise Fieberthermometer, digital vernetzt werden können, oder um neue praxistauglichere Sensorik, die „Tierdaten“ liefert und diese zum Beispiel für Fruchtbarkeitsmanagement, Gesundheitsüberwachung und Krankheitsfrüherkennung sowie zur Dokumentation nutzt. Des Weiteren zieht die „Augmented Reality“ nun auch in den Nutztierstall ein, um Daten zum Management und zur Entscheidungshilfe ortsspezifisch und tierindividuell automatisch „in den Blick“ geführt zu bekommen.

 

www.eurotier.com 

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