EU: Umfrage zur künftigen Agrarpolitik

12.07.2017

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Der Großteil der Teilnehmer der Online-Konsultation hat sich für eine Fortsetzung einer „starken“ EU-Agrarpolitik ausgesprochen. Das ist das zentrale Ergebnis der offenen EU-weiten Umfrage, deren Resultate am Freitag vergangener Woche in Brüssel vorgestellt wurden. Mehr als 90 % der Befragten sprachen sich der Brüsseler Kommission zufolge für gemeinsames Handeln der EU-Staaten bei Themenfeldern wie Lebensmittelsicherheit, Umwelt und Klimawandel aus.

 

Umweltschutz bisher nicht hinreichend


Als die drei größten agrarpolitischen Herausforderungen wurden in der Umfrage der Lebensstandard der Landwirte, die Umweltbelastungen sowie die Anpassung an den Klimawandel genannt. So sei für 88 % der Teilnehmer klar, dass im Schnitt die Landwirte in der Regel deutlich weniger verdienten als die anderen EU-Bürger, berichtete die Kommission. Zudem hätten 97 % der Befragten die Ansicht vertreten, dass die Landwirte keinen gerechten Anteil am Endpreis in der Lebensmittelkette erhielten. Für 57 % der Beteiligten decke die gegenwärtige GAP zudem nicht alle Herausforderungen hinreichend ab, stellte die Kommission weiter fest. Nach Auffassung von 63 % der Konsultationsteilnehmer berücksichtige die aktuelle EU-Agrarpolitik nicht in hinreichendem Maß Aspekte des Umweltschutzes. Insgesamt sprachen sich 66 % der Befragten für Einkommensstützungen für die Landwirte aus. Etwa 96 % forderten eine Stärkung der Landwirte in der Lebensmittelkette, während sich 77 % der Konsultationsbeteiligten aber auch für einen stärkeren Beitrag der Landwirtschaft zum Umweltschutz aussprachen.

 

Unterschiede zwischen den Gruppen


Während die Landwirte sich selbst eher über die Versorgungssicherheit sowie Bereitstellung sicherer und hochwertiger Nahrungsmittel definierten, halten private Bürger die Landwirtschaft neben der Versorgung mit sicheren und hochwertigen Produkten auch als besonders verantwortlich in Sachen Tierwohl und Umweltschutz. Auch die Zielsetzung der GAP wird zwischen diesen beiden Gruppen unterschiedlich gesehen. Die Landwirte setzten ihren Fokus besonders auf die Agrarpolitik als Einkommensausgleich; dagegen nannten die privaten Bürger als Ziele der GAP vor allem sichere Nahrungsmittel sowie Umweltschutz. Zudem verlangten die Landwirte eher nach Investitionshilfen, Unterstützung bei Wachstum und Beschäftigung sowie nach einer Stärkung des gemeinsamen Binnenmarktes, private Bürger legten ihre Schwerpunkte dagegen stärker auf die Bekämpfung des Klimawandels beziehungsweise auf eine Anpassung. Von knapp zwei Dritteln der Teilnehmer wurde ein stärkerer Einsatz modernere Digitaltechniken angeregt, so unter anderem zur Vereinfachung der Kontrollen.


EU-Agrarkommissar Phil Hogan begrüßte das große öffentliche Interesse an der EU-Agrarpolitik. Er nannte verschiedene Kernpunkte, worauf die Teilnehmer der Befragung besonderen Wert legten. Dies seien zum einen die Erzeugung qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel sowie die Anforderung an die Landwirte, umweltgerecht und nachhaltig zu produzieren. Andererseits verlangten die Menschen auch nach mehr Investitionen in die ländlichen Räume. Besonders hob der Ire hervor, dass sich zwei Drittel der teilnehmenden Landwirte für mehr Leistungen im Umweltschutz ausgesprochen hätten. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Jyrki Katainen, betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der EU-Zahlungen an die Landwirte, die eine wesentliche Entlohnung für deren Umweltleistungen seien.

 

82 % der Antworten von Kampagnen!


Von denen, die sich an der Konsultation beteiligten, waren laut Angaben der Kommission nur gut 21 000 Landwirte und etwa 28 000 private Bürger. Gut 9 000 Eingaben erfolgten über Unternehmen und Organisationen sowie die Wissenschaft. Der Rest erfolgte über organisierte Kampagnen; diese wurden getrennt ausgewertet. Dem Deutschen Bauernverband zufolge stammten von den teilnehmenden Landwirten mehr als 10 000 aus dem Bundesgebiet. Auch insgesamt war Deutschland mit etwa 100 000 Teilnehmern der dominierende Mitgliedstaat.

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