EU-Agrarwirtschaft bangt vor „hartem Brexit“

11.12.2017

© Thomas Tanneberger

(fotografiert aus einem Bus, lange vor dem Brexit)

Sollte das Vereinigte Königreich am 29. März 2019 die Europäische Union ohne umfassende Handelsvereinbarungen, also mit einem „harten Brexit“ verlassen, droht der Fleischbranche auf beiden Seiten des Kanals eine „Katastrophe mit schlimmeren Folgen als das Russlandembargo“. So lautet das Fazit einer Studie des Consultingunternehmens Red Flag, die im Auftrag des Europäischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes (UECBV) erstellt wurde.

 

Große Bedenken


Damit haben sich unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt“, äußerte sich Verbandspräsident Philippe Borremans bei der Ergebnispräsentation in Brüssel. Da ohne ein Abkommen „verheerende Auswirkungen auf den Fleischsektor“ drohten, müsse es nach dem Brexit möglichst viele Handels- und Veterinärabkommen sowie einen angemessenen Übergangszeitraum geben, forderte Borremans.


Bei der Studie wurde ein Negativ-Szenario angenommen, in welchem nach einem harten Brexit die hohen Zölle für Fleisch gemäß den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) in Kraft treten und weitere Kosten über Veterinär- und Zollkontrollen anfallen würden. Dies würde den Analysten zufolge die EU-Rindfleischexporte in das Vereinigte Königreich um 84 % sinken lassen; bei Schweine- und Schaffleisch wird für diesen Fall ein Minus von 48 % beziehungsweise 76 % erwartet. Die britischen Fleischexporte in die EU dürften ebenfalls merklich einbrechen. Auf dem Kontinent würde ein solcher Ausfuhrrückgang zu Überschüssen führen, welche die Preise für Rindfleisch kurzfristig um fast 9 % und im Schweinesektor um 7,5 % nach unten drücken würden. Längerfristig wäre mit rund 5 % niedrigeren Preisen zu rechnen.

 

„Preisschock“ in Sicht


Die Isolation, so die Autoren der Studie, würde den Produktionswert der EU-Rindfleischerzeugung im ersten Jahr nach einem harten Brexit um rund 2,4 Mrd. € sinken lassen; bei Schweinefleisch wäre ein Rückgang um 2,3 Mrd. € zu erwarten. Davon wären nicht nur die Hauptlieferanten des britischen Marktes, sondern über die EU-weit niedrigeren Preise alle Mitgliedstaaten betroffen. Dies könnte letztlich den Verlust von 32 000 Arbeitsplätzen in der gesamten Wertschöpfungskette Fleisch, vor allem in den ländlichen Regionen der EU, bedeuten. Der UECBV spricht sich deshalb ausdrücklich für Handelsvereinbarungen nach dem Brexit aus, welche die Unternehmen und den Warenaustausch möglichst wenig belasten.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr