Embargo fordert Tribut

13.08.2015

Flagge Russland

Das nunmehr ein Jahr geltende russische Einfuhr­embargo für verschiedene Agrarprodukte und Lebensmittel aus westlichen Ländern belastet die deutsche Landwirtschaft erheblich. Das geht aus einer Analyse des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, die am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach sind die jährlichen Einbußen der Agrarwirtschaft auf mindestens 600 Mio. € bis 800 Mio. € zu beziffern. Je nach Wirkung der indirekten Effekte könne der Rückgang sogar 1 Mrd. € und darüber betragen, so der DBV.


Seit dem Beginn des Einfuhrstopps am 7. August 2014 bis zum 4. August des laufenden Jahres haben sich laut Angaben des Bauernverbandes die Agrarexporte von Deutschland nach Russland auf etwa 900 Mio. € halbiert. Dabei seien die Ausfuhren bei den für die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze in Deutschland besonders wichtigen Fleischwaren und Milchprodukten sogar auf Null zurückgegangen; Gleiches gelte für Obst und Gemüse. Besonders gravierend seien die indirekten Wirkungen, hob der DBV hervor. Mengen, die bisher nach Russland exportiert worden seien, drängten nun auf den EU-Binnenmarkt und sorgten dort für zusätzlichen Preisdruck. Das Moskauer Embargo bedeutet nach Berechnungen des Bauernverbandes für einen deutschen Schweinemäster, der im Jahr 4 000 Schweine verkauft, eine jährliche Erlöseinbuße von 32 000 €. Derweil verringerten sich die Einkünfte eines ­Milchbauern mit 75 Kühen und einer Jahresproduktion von 600 000 kg Milch um etwa 18 000 €. Der Effekt des Em­bargos wird hier auf 2–4 ct/kg Milch geschätzt. Insgesamt seien die Milchpreise für die Erzeuger in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 10 ct/kg gesunken.

 

Auslöser Ukrainekrise


Vor dem Hintergrund dieser Auswirkungen appelliert der DBV an Bundesregierung und die Europäische Union, politisch auf eine Normalisierung der Handelsbeziehungen mit Russland hinzuarbeiten. Auch die veterinären Exportzertifikate seien aufrecht zu erhalten. Zudem sollten die Anstrengungen verstärkt werden, alternative Märkte außerhalb der EU zu erschließen. Rückblickend sei der deutsche Agrarexport nach Russland schon vor dem Importstopp kompliziert gewesen, erklärte der Bauernverband. Russischen Veterinärbeamten eile der Ruf voraus, die Hygieneanforderungen in deutschen Schlachthöfen, Molkereien und Erzeugerbetrieben besonders „detailgenau“ auszulegen, wenn sie dies für opportun hielten. Trotzdem habe Russland bis 2013 zu den drei wichtigsten Absatzmärkten für deutsche Lebensmittel außerhalb der EU gezählt; dort seien jährlich etwa 1,5 Mrd. € bis 1,9 Mrd. € erlöst worden.

 

Viele Produkte betroffen


Der DBV erinnerte daran, dass Moskau am 6. August 2014 das Importverbot für Agrarprodukte und Lebensmittel aus der EU, den USA, Kanada, Australien und Norwegen erlassen habe, nachdem die EU und andere westliche Staaten auf die Ukrainekrise im Frühjahr 2014 mit Wirtschafts- und Finanzsanktionen sowie mit Einreiseverboten für bestimmte russische Personenkreise reagiert hätten. Im Juni 2015 habe Moskau dann seine Sanktion um ein weiteres Jahr bis zum 5. August 2016 verlängert und teilweise sogar ausgeweitet, etwa bei bestimmten Milchprodukten. Von der Einfuhrsperre betroffen seien Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch, und zwar jeweils einschließlich der Verarbeitungsprodukte, Wurst, Pökel- und Trockenfleisch sowie der daraus folgenden Fertigprodukte. Betroffen seien ferner Milch und Milchprodukte, Fisch und Meerestiere, Obst, Gemüse, Nüsse sowie essbare Wurzeln und Knollen. Nicht unter das Embargo seien hingegen Getreide, Getreideprodukte, Backwaren, Süßwaren, pflanzliche Öle und Fette, Ölschrote sowie Genussmittel und Getränke gefallen.

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