Dürrehilfen?

25.07.2018

© Sabine Rübensaat

Schon die Europäische Kommission kann sich nicht entscheiden: Einerseits gab sie in der vergangenen Woche bekannt, dass derzeit keine Möglichkeit bestehe, dürregeschädigte Landwirte aus der EU-Krisenreserve zu unterstützen. Andererseits erteilte sie dieser Tage den Mitgliedstaaten die Erlaubnis, die diesjährigen Agrarbeihilfen aufgrund der Dürreproblematik vorzeitig auszuzahlen.

 

EU-Agrarkommissar Phil Hogan stellte dazu beim Treffen der Landwirtschaftsminister am Montag vergangener Woche den Mitgliedstaaten in Aussicht, Vorauszahlungen für die Erste Säule von bis zu 70 % sowie für die Zweite Säule von bis zu 85 % bereits vor dem normalerweise frühesten Auszahlungszeitpunkt im Oktober zu leisten. Das könnte in den von der Dürre betroffenen Ländern Polen, Portugal, Dänemark, Schweden, Finnland sowie Litauen, Estland und Lettland eventuell helfen. 

 

Deutsche Sonderrolle?

Die deutschen Bauern hingegen werden von den vorzeitigen Auszahlungen voraussichtlich nicht profitieren, denn aus Regierungskreisen war zeitnah zu der Brüsseler Nachricht zu vernehmen, dass man derlei Schritte aus Verwaltungsgründen nicht anstrebe. Das ist umso bedauerlicher, als dass die Ernteausfälle nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Teilen des Bundesgebietes ein existenzbedrohendes Ausmaß angenommen haben. Wie DBV-Präsident Joachim Rukwied in dem am 18. Juli vorgestellten ersten Erntebericht des Verbandes betont, haben die Feldfrüchte auch auf den sonst ertragreicheren Standorten unter der Trockenheit gelitten. 

 

Einbußen bis 50 % 

Auf der Grundlage von Ergebnissen einer Umfrage unter den 18 Landesbauernverbänden beziffert der DBV den Durchschnittsertrag von Wintergerste auf 60 dt/ha, womit die Vorjahresmenge um 18 % verfehlt wäre. Die Ertragseinbrüche beim Roggen veranschlagt der Verband auf bis zu 40 %; im Durchschnitt werden 40 dt/ha erwartet. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre hatte der Roggenertrag bei 57 dt/ha gelegen. Die bisher vorliegenden Ernteergebnisse für Winterweizen und -raps lassen laut DBV noch keinen Schluss auf das Gesamtergebnis zu, deuteten aber ebenfalls auf Ertragseinbußen hin. 

 

Auch mit Blick auf die Bereitstellung von Futter ergibt sich dem Deutschen Bauernverband zufolge eine schwierige Situation. Die daraus resultierende Notwendigkeit, Futter zuzukaufen, setze die Betriebe zusätzlich unter Druck. Vor diesem Hintergrund erneuerte der Bauernpräsident seine Forderung nach einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage. Zudem komme es darauf an, dass in den besonders betroffenen Regionen die Voraussetzungen für Finanzhilfen geschaffen werden. 

 

Das Bundeslandwirtschaftsministerium ist hier jedoch zurückhaltend. Die finanziellen Einbußen durch die diesjährigen Wetterlagen ließen sich noch nicht abschätzen, so Staatssekretär Michael Stübgen. 

 

Zögern allerorten

Auch in den Bundesländern zögern die Behörden: In Sachsen-Anhalt verwies die Regierung lediglich auf das Angebot der Landgesellschaft, Flächen mit garantierter Rückkaufoption des Eigentümers anzukaufen, um Liquidität freizusetzen. Daneben biete die Rentenbank nun zinsgünstige Darlehen für landwirtschaftliche Betriebe an, die einen Ergebnisrückgang von mindestens 30 % im betroffenen Betriebszweig nachweisen. Anträge seien an die Hausbank zu richten. In Mecklenburg-Vorpommern hält die Regierung Hilfen erst dann für möglich, wenn das gesamtbetriebliche Einkommen bei einer erheblichen Anzahl von Betrieben um mehr als 30 % im Vergleich zur durchschnittlichen Jahreserzeugung gesunken ist. Wie tief muss man sinken?

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