DLG und Bioland: Im Dienst der Nachhaltigkeit

21.12.2017

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Für eine Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union hin zu einer Honorierung von Umweltleistungen der Landwirte haben der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, und Bioland-Präsident Jan Plagge geworben. Beim DLG-Kolloquium „Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“ kritisierte Bartmer am Dienstag vergangener Woche in Berlin den Fokus der aktuellen GAP auf einzelne Umweltmaßnahmen. Dabei werde vergessen, dass solche Einzelinstrumente keine Aussage darüber zuließen, ob der Betrieb nun nachhaltig wirtschafte oder nicht.

 

Bild vor Ort entscheidet


Allein umfassende und messbare Ergebnisse könnten eine Ahnung von der Leistung des gesamten Agrarsystems liefern, erklärte der DLG-Präsident. Besser sei es deshalb, die Zahlung von öffentlichen Geldern durch eine faktenbasierte Honorierung gesellschaftlicher Leistungen zu rechtfertigen. Bartmer plädiert gemeinsam mit Plagge für eine genaue Analyse der Nachhaltigkeitswirkung des einzelnen Betriebes. Diese müsse anhand von Indikatoren eine belastbare Einschätzung der gesellschaftlichen Leistungen des Unternehmens liefern. Ausgehend von einem daraus resultierenden Index als Leistungsnachweis könnten die Zahlungen von Agrargeldern erfolgen. Angedacht ist dabei eine Kombination aus Basisprämie und „Top Ups“ für zusätzlich erbrachte Leistungen. Für die Basisprämie müsste bereits ein bestimmter Indexwert erreicht werden, der zuvor in einem Zertifizierungsverfahren bestimmt worden wäre. Dafür gebe es bereits praxisreife Indikatorsysteme wie die DLG-Zertifizierung für nachhaltige Landwirtschaft, erläuterte Bartmer. Nach dem von Plagge vorgestellten Nachhaltigkeitsmodell des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) würden 27,5 % des jetzigen Agrarbudgets für die Basisprämie aufgewendet. Weitere 60 % würden zielgerichtet als Entgelt für zusätzliche Nachhaltigkeitsleistungen eingesetzt, während der Rest in einen Etat für ländliche Entwicklung gehen würde. Das Zahlungsmodell unterscheide dabei nicht mehr zwischen Säulen, betonte Plagge. Stattdessen gingen die 75 % der Agrargelder, die derzeit pauschal auf die Fläche verteilt würden, zielgerichtet in die Förderung von Nachhaltigkeitsleistungen in den Bereichen Umwelt, Klima und Tier. Nach Ansicht Plagges bietet das Modell den Landwirten viel mehr Spielraum für eine sinnvolle Ausrichtung ihrer Betriebe als pauschale Auflagen.

 

Subsidiarität stärken


Bartmer verspricht sich von einer indexbasierten Honorierung gesellschaftlicher Leistungen einen spürbaren Bürokratieabbau. Zwar sei in der Anlaufphase mit einem gewissen Aufwand für die Zertifizierung der Betriebe zu rechnen. Dies vorausgesetzt, gehe er aber von einem „riesigen Befreiungsschlag“ für die Bauern aus, so der DLG-Präsident. Es werde nämlich nicht mehr die Einzelmaßnahme bewertet und kontrolliert, sondern die Wirkung des gesamten Betriebs in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele. Dies bewirke eine Verlagerung weg von Verwaltung und Kontrolle hin zu subsidiär agierenden Agrarunternehmen, die standortangepasste Lösungen für sich entwickeln könnten.

 

Debattenbeitrag leisten


Der DLG-Präsident sieht in der Idee eines Indikatorensystems einen Debattenbeitrag zur GAP-Reform und rechnet nicht unbedingt mit einer raschen Umsetzung. Dennoch könne er sich die Einführung eines solchen Systems als „Additiv“ zur künftigen GAP vorstellen, sagte Bartmer. Dabei setzt er auch auf die Unterstützung der berufsständischen Vertretung in Berlin und Brüssel.


Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, nahm die Idee von Bartmer und Plagge allerdings mit großer Zurückhaltung auf. Bei der Vorstellung des DBV-Situationsberichts erklärte Rukwied, Basis für die Weiterentwicklung der GAP seien für ihn die Vorschläge der EU-Kommission.


Laut Prof. Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), führt an einer stärkeren Ausrichtung der GAP an Nachhaltigkeitszielen aber kein Weg vorbei. Landwirtschaft sei nur dann wirklich nachhaltig, wenn sie in der Lage ist, Anforderungen wie die Ernährungssicherung oder Beschäftigung im ländlichen Raum ohne negative Folgen für den Ressourcenschutz und die Umwelt zu erfüllen.

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