Der Wolf und seine Geiseln

13.12.2016

© Sabine Rübensaat

Die Umweltminister der Länder haben auf der Umweltministerkonferenz in Berlin den Bund dazu aufgefordert, einen „günstigen Erhaltungszustand“ der Wolfspopulation in Deutschland zu definieren. Ein entsprechender Antrag von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus wurde am vergangenen Freitag angenommen.


Angesichts der wachsenden Wolfspopulation in Deutschland stelle sich die Frage, wie viele Wölfe das Land verträgt, erläuterte Backhaus seinen Antrag. Eine Antwort sei nur auf Grundlage einer verlässlichen und aktuellen Datenbasis möglich. Wichtig sei es ferner, sich zum Umgang mit dem Wolf länderübergreifend auszutauschen und im Wolfsmanagement deutschlandweit einheitlich zu agieren. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel wies vergangene Woche darauf hin, dass in dem Bundesland in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres nicht mehr Nutztierrisse gezählt worden seien als im Vergleichszeitraum 2015. In einzelnen Bereichen seien die Fallzahlen sogar rückläufig.


Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisierte diese Meldung als Beschwichtigung und bekräftigte ihre Forderung nach einem effektiven Wolfsschutz – auch durch Bejagung. Der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Jagdverband (DJV) und die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) richteten den Blick auf das illegale Abschießen von Wölfen. Solche Tötungen seien abzulehnen. Wie DBV, DJV und VDL hervorhoben, sind sie zum Dialog mit dem konsequent für Wolfsschutz plädierenden


Naturschutzbund (NABU) bereit. Allerdings müsse die Organisation bestehende oder sich anbahnende Zielkonflikte anerkennen. Ansonsten könne es keine praxisrelevanten Lösungen geben.


Zu den Zielkonflikten zählt laut Einschätzung der drei land- bzw. jagdwirtschaftlichen Interessenverbände zum Beispiel, dass ein wolfssicheres Einzäunen von Weiden insgesamt deutlich zu teuer wäre und außerdem Barrieren für viele Wildarten schaffen würde. Gleichzeitig verwiesen die Verbände darauf, dass Vergrämungsmaßnahmen bisher nicht funktionierten. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass Wölfe durch Fütterung zu Kulturfolgern werden könnten.


Der NABU hält eine Aufweichung des Schutzstatus hingegen für unnötig. Es müsse das Ziel sein, eine flächendeckende Anwendung von standortangepassten Herdenschutzmaßnahmen in Wolfsgebieten noch besser umzusetzen und schnelle, unbürokratische Hilfen für Nutztierhalter möglich zu machen.


Nach Erläuterungen des NABU sind die gegenwärtigen Wachstumsraten der Wolfspopulation in Deutschland aus biologischer Sicht normal und der Bestand mit aktuell 46 Rudeln keinesfalls ausreichend stabil. Die Bestandsentwicklung werde allein durch das Nahrungsangebot gesteuert. Förderlich für die Population seien die aktuell hohen Wildbestände, die von einer „jahrzehntelang falsch ausgeübten Hege durch die Jägerschaft“ und der Intensivierung der Landwirtschaft – allen voran der Zunahme des Maisanbaus für die Energiegewinnung – profitierten.

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