Demotrubel in Berlin

13.01.2016

© Sabine Rübensaat

Am Samstag wird die deutsche Landwirtschaft in Berlin ein noch nie dagewesenes Bild inhaltlicher Zerrissenheit zeigen.

Am Samstag, dem 16. Januar, wird es in der Hauptstadt hoch hergehen. Eine Demonstration wird ab 12 Uhr „Wir haben es satt!“ skandieren, eine andere schon ab 9 Uhr „Wir machen Euch satt!“. Der Verein „Die Lebensmittelwirtschaft“ brachte vorab die Organisatoren beider Veranstaltungen an einen Tisch:

 

Ja, ein wenig gereizt war die Stimmung schon an diesem Montagvormittag in dem völlig überfüllten Büro an der Berliner Friedrichstraße. Obwohl es keiner aussprach – ganz freiwillig waren einige der Podiumsteilnehmer sicher nicht angereist. Ob dazu Jochen Dettmer (Agrarbündnis) gehörte oder Bernhard Krüsken (Bauernverband), Jochen Fritz (Initiative „Wir haben es satt“) oder Markus Holtkötter („Wir machen Euch satt“), wollen wir hier nicht auswerten. Am freiwilligsten saßen sicher Dr. Helmut Schramm (Geschäftsführer Bayer Crop Science und Aufsichtsratschef des Forums Moderne Landwirtschaft) sowie Gastgeber Stephan Becker-Sonnenschein (Geschäftsführer Lebensmittelwirtschaft e. V.) am Tisch. Verdienst der beiden ist es, sehr konträr eingestellte Akteure zu einer insgesamt durchaus konstruktiven Diskussion geführt zu haben. Eine Diskussion, die nach mehrheitlicher Meinung der Teilnehmer in die Regie des Bundeslandwirtschaftsministers gehört hätte. Doch der war mal wieder auf Tauchstation und der Konsens im Podium gering.


Es knisterte schon sehr in der Luft, als Satthabe-Demo-Organisator Jochen Fritz, sekundiert von Jochen Dettmer, seine Standpunkte darlegte. Es gehe nicht um Pauschalkritik „an der Landwirtschaft“ oder gar Großbetrieben, so Fritz, sondern um die Änderung eines durch und durch problematischen Ernährungssystems, um den Erhalt der kleinbäuerlichen Betriebsstruktur, den Umbau der Agrarförderung zugunsten ökologischer Ziele und die Verhinderung des amerikanischen Freihandels. Vor allem aber trete seine Veranstaltung, die er als „Bauerndemo mit Rückhalt der Gesellschaft“ bezeichnete, für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere in deutschen Ställen ein. Auf die Frage Bernhard Krüskens, warum nicht wenige der 45 Teilnehmerorganisationen dieser „Bauerndemo“ im Internet unrealistische, übertriebene oder einfach abscheuliche Dinge über die real existierende Landwirtschaft schreiben, redete sich Fritz heraus. Das Bündnis sei breit und vielfältig, und man könne niemanden von so einer Demo ausschließen, werde aber achtgeben, dass allzu konfrontative Äußerungen unterbleiben.


Anlass für Markus Holtkötter und Bernhard Krüsken, den Sinn der Initiative „Wir machen Euch satt“ zu erläutern. Gegen eben diese Diffamierung der nachhaltig und nach guter fachlicher Praxis arbeitenden Familienbetriebe im Land wolle die ehrenamtlich entstandene Initiative ein Zeichen setzen und vor allem den Bürgerinnen und Bürgern in der Stadt sagen, dass sie eingeladen sind zum Gespräch, um sich ein realistisches Bild von der Landwirtschaft zu machen. Und dieses Bild sei nun einmal vielschichtiger, als es die Satthabe-Demonstranten zeigten. Es gebe weder „die Agrarindustrie“ noch eine Ausschließlichkeit zwischen Groß- und Kleinbetrieben, Export- oder Qualitätserzeugung, so Krüsken. Holtkötter zeigte abschließend eine interessante Schnittmenge der Demos auf: Für den Erhalt bäuerlicher Wirtschaftsformen könne man gemeinsam eintreten und sicher auch für bessere Agrarpreise. Eine Entwicklungschance? Wünschenswert wäre es. Denn am nächsten Samstag wird die deutsche Landwirtschaft in Berlin erst einmal ein noch nie dagewesenes Bild inhaltlicher Zerrissenheit zeigen.

 

www.wir-machen-euch-satt.de


www.wir-haben-es-satt.de

 

 

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