DBV will „Bauernsoli“

02.06.2016

Milchkühe © Sabine Rübensaat

Der Deutsche Bauernverband (DBV) nimmt angesichts der Krise die Marktpartner in die Pflicht. „Wir erwarten von Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel konkrete Schritte, um die existenzvernichtende Preismisere auf dem Milchmarkt nachhaltig zu überwinden“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Donnerstag vergangener Woche. Im Fokus stehe der Handel. Dieser dürfe die erforderliche Wertschöpfung der heimischen Landwirtschaft nicht weiter durch Niedrigstpreise gefährden, so Rukwied.

 

Handel mit Aufschlag


DBV-Vizepräsident Udo Folgart hatte den Handelsunternehmen zuvor Scheinheiligkeit vorgeworfen. Es gehe nicht an, dass der Lebensmittelhandel sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibe und gleichzeitig Milchprodukte zu Tiefstpreisen anbiete, die eine nachhaltige Milcherzeugung nicht zuließen, so Folgart gegenüber Journalisten in Berlin. Man erwarte daher, dass sich der Handel zu den Bauern bekenne und dies etwa in Form eines Solidaraufschlages zugunsten der Landwirte auf die Milcherzeugnisse zum Ausdruck bringe.


Konkrete Erwartungen hat der DBV auch an die Molkereiwirtschaft. Die muss sich laut Rukwied zum einen „strukturell besser aufstellen“. Zum anderen seien Konzepte zu realisieren, „mit denen die Preise für die Landwirtschaft verbessert werden“. Dazu zählt für Rukwied, sich gemeinsam mit den Erzeugern über Mengen zu einigen, „die am Markt sinnvoll zu verwerten sind“.


Von der Bundesregierung erwartet die DBV-Spitze ein Bekenntnis zur deutschen Landwirtschaft und konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der in Existenznot geratenen Betriebe. Erinnert wurde noch einmal an die Anfang April gemachten Vorschläge des Bauernverbandes zur Entlastung der Landwirtschaft.


Forderungen nach einer staatlichen und zentralen Mengenregelung auf dem Milchmarkt erteilten vergangene Woche sowohl Rukwied als auch DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken erneut eine Absage. Eine Mengenregulierung sei im globalisierten Milchmarkt wirkungslos. Eine entsprechende Forderung der Länderagrarminister hält man für realitätsfern: „Die sollten die Marktgesetze kennen.“

 

Steuerung nur dezentral


Unterdessen machte Krüsken deutlich, dass Angebot und Nachfrage nur zwischen einzelnen Molkereien und ihren Landwirten gesteuert werden könnten. „Nur an dieser Stelle kann auf wechselnde Nachfragesituationen marktgerecht reagiert werden“, betonte Krüsken in einem Pressegespräch in Berlin. Hier seien die Marktpartner gefordert, Möglichkeiten zur Steuerung der Produktionsmenge zu nutzen. Krüsken räumte ein, dass es für die Ausgestaltung der Lieferbeziehungen „keine Patentlösungen“ gebe. Entscheidend sei jedoch, dass die Erzeuger differenzierte Preissignale entsprechend der Verwertung der Milch erhielten.

 

Ostdeutsche Verbände mit Zusatzforderung:
Dresden. Ergänzend zu den vom Deutschen Bauernverband verabschiedeten Forderungen des Berufsstandes an die nationale Politik haben die Landesbauernverbände Ostdeutschlands zusätzliche Forderungen zur Überwindung der Marktkrise formuliert. Auf einem Treffen der Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Landesbauernverbände am 24. und 25. Mai 2016 wurde ein Resolutionspapier verabschiedet, das im Wesentlichen auf folgende vier Punkte abzielt:
1. Bereitstellung von verlorenen Zuschüssen zur Existenzsicherung der Betriebe in Höhe von 2 Mrd. € ohne Obergrenze für Mehrfamilienbetriebe;
2. Bereitstellung von Umstrukturierungshilfen;
3. Sofortige Nachverhandlung der Verträge zwischen Lebensmittelhandel und Molkereien;
4. Verpflichtende und zeitgemäße Vertragsgestaltung zwischen Milcherzeugern und Molkereien mit dem Ziel der besseren Planbarkeit von Mengen und Preisen. BZ

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