DBV-Erntebilanz

04.09.2018

© Wolfgang Herklotz

Befürchtungen bestätigt: Präsident Joachim Rukwied (r.) und DBV-Vize Wolfgang Vogel legten Erntebilanz vor.

Die deutschen Bauern haben eine miserable Getreideernte eingefahren. Diese beläuft sich auf 35,6 Mio. t, was gegenüber dem fünfjährigen Mittel einem Rückgang um 26 % entspricht. Hinzu kommen Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Grundfutter für die Tiere. „In einigen Regionen bewegen sich die Ertragsverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen“, berichtete Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, auf der Erntebilanzkonferenz Mitte vergangener Woche in Berlin. Laut DBV belaufen sich die dürrebedingten Schäden deutschlandweit auf mindestens 3 Mrd. € und sollte deshalb der nationale Notstand ausgerufen werden. 

 

„Wir fordern eine rasche Teilkompensation der Ausfälle und weitere kurzfristige Hilfen wie die Stundung von Pachten und Steuern“, so Rukwied. Um langfristig für eine Liquiditätssicherung der Betriebe zu sorgen, sollte eine steuerfreie Gewinnrücklage eingeführt und eine reduzierte Versicherungssteuer auf den Weg gebracht werden. Zwar hätten die rückläufigen Erntemengen in Europa und anderen Regionen der Welt zu Preissteigerungen an den Terminmärkten geführt und es sei auch zu einem Anstieg der Erzeugerpreise gekommen. „Doch diese gleichen die Ertragsverluste bei Weitem nicht aus“, betonte Rukwied. Nach seinen Angaben muss der Ökolandbau Ausfälle in gleichen Größenordnungen hinnehmen wie die konventionelle Landwirtschaft. „Durchwachsen“ seien auch die Ergebnisse im Gartenbau. „Das derzeitige Schadensbild bestätigt unsere Befürchtungen. Deshalb halten wir ein Bund-Länder-Hilfsprogramm für dringend geboten“, betonte Rukwied. 

 

Deutliche Einbußen sind ebenso bei der Ernte von Ölfrüchten zu verzeichnen. Während im Fünf-Jahres-Durchschnitt 5,2 Mio. t zu Buche stehen, sind es in diesem Jahr ganze 3,3 Mio. t, also mehr als ein Drittel weniger. Darauf verwies DBV-Vizepräsident Wolfgang Vogel. Der sächsische Landwirt führte das Defizit nicht nur auf die Witterung zurück, sondern auch auf das Verbot der neonikotinoiden Beizen. Dies hatte zur Folge, dass sich die Rapsschädlinge stark vermehren konnten. Vogel machte darauf aufmerksam, dass in diesen Tagen die nächste Rapsaussaat ansteht, sich jedoch aufgrund der anhaltenden Trockenheit verbietet. Es wäre „ökonomischer wie ökologischer Unsinn“, die Ölfrüchte und nachfolgenden Kulturen in den staubtrockenen Boden zu bringen. „Wenn wir in den nächsten Tagen keine ausreichenden Regenmengen bekommen, wird es im nächsten Jahr noch schlimmer“, so Vogel. 

 

In einer ersten Stellungnahme begrüßte der Deutsche Bauernverband, dass die Bundesregierung grünes Licht für ein Hilfsprogramm gegeben hat. Die Länder müssten jetzt ihre Verantwortung und ihren Anteil übernehmen. Es muss eine schnelle und unbürokratische Umsetzung der Dürrehilfen erfolgen.“  

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