DBV-Erntebericht

24.08.2016

© DBV

Auskunft gaben DBV-Präsident Joachim Rukwied (links) und Vizepräsident Wolfgang Vogel. 

Noch ist der Drusch von Getreide wegen der regenreichen Witterung vielerorts nicht abgeschlossen. Doch fest steht schon jetzt, dass die Getreideernte in diesem Jahr deutlich hinter den Erwartungen bleibt. Wie aus dem dritten und letzten Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervorgeht, zeichnet sich deutschlandweit eine Erntemenge von 43,5 Mio. t ab. Damit wird das Vorjahresergebnis um rund elf Prozent verfehlt. Auch die Rapsernte fällt mit 4,5 Mio. t deutlich niedriger aus als im Vorjahr.  Anlass zur Sorge gebe ebenso die Preisentwicklung. Dies sei eine „Enttäuschung auf ganzer Linie“, betonte DBV-Präsident Joachim Rukwied beim Pressegespräch in Berlin.


Rukwied wies darauf hin, dass nach einer ursprünglich guten Bestandsentwicklung ständige Niederschläge eine optimale Bestandsführung verhinderten, so die termingerechte Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen. Es fehlte die für die Ertragsbildung so wichtige Sonneneinstrahlung, der erhöhte Krankheits- und Schädlingsdruck verursachte Einbußen ebenfalls im Obst- und Gemüsebau. „Die Landwirte benötigen eine ausreichende Palette an Wirkstoffen für Pflanzenschutzmittel, um auch der Entstehung von Resistenzen durch Wirkstoffwechsel vorzubeugen“, machte der Präsident in diesem Zusammenhang deutlich. Er forderte die Politik sowie die Behörden auf, mehr Wirkstoffe zuzulassen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln EU-weit zu harmonisieren.


Nach dem auf Meldungen der Landesbauernverbände basierenden Erntebericht ist in diesem Jahr mit 22,8 Mio. t Winterweizen, 10,5 Mio. t Gerste, 3 Mio. t Roggen, 2,5 Mio. t Triticale  und 0,5 Mio. t Hafer sowie 3,7 Mio. t Körnermais zu rechnen. Beim Raps stehen vor­aussichtlich 4,5 Mio. t zu Buche, rund elf Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist somit eine unserer schlechtesten Ernten dieser Ölfrucht“, erklärte Wolfgang Vogel, DBV-Vizepräsident.  


Als problematisch bezeichnete er nicht nur die zum Teil immensen Auswinterungsschäden, sondern auch das Verbot insektizider Beizen. Dies habe nicht nur einen höheren Saatguteinsatz zur Folge, sondern mache mehrere Bekämpfungsmaßnahmen gegen Raps­erdfloh und Kohlfliege erforderlich. Ein  Rückgang des Rapsanbaus habe nicht nur negative Auswirkungen in der Fruchtfolge, sondern bedeute auch weniger Rapsschrot für die gentechnikfreie Fütterung. „Damit können wir dann die Eiweißlücke nicht mehr schließen“, betonte Vogel. Sein dringlicher Appell an Behörden, Verbände und Institutionen in Sachen neonikotinoider Beizen: „Lasst uns vernünftig miteinander diskutieren, wie wir auf effektive Weise unsere Ölpflanzen gesund erhalten können.“


Zuvor hatte DBV-Präsident  Rukwied darauf hingewiesen, dass die Milchkrise noch lange nicht beendet sei. Es komme darauf an, Hilfen schnellstmöglich auszureichen, um die Liquidität  der Milchviehbetriebe zu sichern. Er informierte über das zweite Hilfsprogramm (siehe Kasten).

 

 

 

Liquiditätshilfeprogramm: 2. Paket mit mehr als 200 Mio. Euro?
Das zweite Liquiditätshilfeprogramm für die Landwirtschaft wird wesentlich üppiger ausfallen als die mit 70 Mio. € der Europäischen Union ausgestattete erste Maßnahme von Ende letzten Jahres.
Nachdem das Bundeslandwirtschaftsministerium zu Beginn der vergangenen Woche bereits angekündigt hatte, die auf Deutschland entfallenden Liquiditätshilfen aus dem zweiten Brüsseler Hilfspaket von 58 Mio. € zu verdoppeln, ist das Ressort offenbar bereit, weitere 60 Mio. € aus dem Bundeshaushalt zu mobilisieren. Voraussetzung soll allerdings sein, dass die Länder insgesamt 40 Mio. € beisteuern. Damit könnten letzten Endes deutlich mehr als 200 Mio. € bundesweit zur Liquiditätssicherung zur Verfügung stehen.
DBV-Präsident Joachim Rukwied appellierte an die Länder, sich an dem Hilfspaket zu beteiligen. Notwendig seien „konkrete Mittel statt verbaler Solidaritätsadressen“, sagte Rukwied. Seinen Angaben zufolge ist über eine Verwendung der möglichen zusätzlichen 100 Mio. € noch nicht entschieden. Denkbar sei neben direkten Liquiditätshilfen auch eine weitergehende Entlastung bei der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung (LUV). Deren Zuschuss will der Bund bekanntlich auch 2017 um 78 Mio. € anheben. Kritisch äußerte sich Rukwied zu einer geplanten Verknüpfung von Hilfszahlungen mit einer verbindlichen Milchmengendrosselung der Betriebe.
Unterdessen warnte der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck, vor einer Benachteiligung der ostdeutschen Landwirte beim zweiten Hilfspaket. Die Mehrheit der hiesigen Milchproduzenten würde nicht davon profitieren. 

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