DAFA-Strategie zur Nutztierhaltung: Farbe bekennen

20.08.2014

© Sabine Rübensaat

Die Nutztierhaltung in ihrer Umsetzung wird weiter diskutiert.

Enttäuscht über den Stand der Umsetzung der von der Wissenschaft entwickelten Nutztierhaltungsstrategie hat sich der Präsident des Thünen-Instituts (TI), Prof. Folkhard  Isermeyer, geäußert. Zwar habe die 2012 von der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) beschlossene Strategie in Politik, Wirtschaft und bei Verbänden breite Anerkennung gefunden; im Übrigen sei aber „nicht viel passiert“, sagte Isermeyer. Es bestehe die Gefahr, so Isermeyer, dass der umfassende Ansatz „im Sande verläuft“. Die Bundesregierung sieht der Thünen-Präsident gefordert, Farbe zu bekennen. Sie müsse zu erkennen geben, ob sie die im DAFA-Fachforum etablierten Strukturen für sinnvoll halte und auf eine nachhaltige fachliche Zuarbeit der 17 Clustersprecher Wert lege. Isermeyer machte deutlich, dass es aus seiner Sicht nicht darum gehe, der DAFA-Strategie eine Monopolstellung einzuräumen. Unbedingt erforderlich sei aber eine nationale Strategie zur künftigen Gestaltung der Nutztierhaltung, in die die DAFA einzubinden sei. Diese nationale Strategie sollte seiner Auffassung nach gemeinsam von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft getragen und konsequent umgesetzt werden. Die DAFA habe einen Aufschlag gemacht, der ein guter Ausgangspunkt für eine Strategie sei, mit einem klaren Ziel und konsequent ausgerichteten Maßnahmen.

Angesichts der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz für die Nutztierhaltung regt der ehemalige langjährige Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium einen nationalen Dialog an. Im Zentrum müsse die Frage stehen: „Wie wollen wir in unserem Land künftig mit Nutztieren umgehen?“. Das sei im Kern eine ethische Frage, über die ergebnisoffen und mit langfristiger Perspektive diskutiert werden sollte. Isermeyer ist überzeugt, dass sich die Bevölkerungsmehrheit im Laufe dieses Dialogs dafür aussprechen werde, dass auch künftig in Deutschland Nutztiere gehalten und geschlachtet werden sollten. Ferner seien die meisten Menschen dafür, die Nutztierhaltung auch künftig Unternehmern zu überantworten, die im Wettbewerb stünden. Die Bevölkerung möchte nach Isermeyers Einschätzung die weitere Entwicklung der Nutztierhaltung nicht länger „den Experten“ überlassen. „Sie möchte mitentscheiden, und zwar nicht nur an der Ladentheke“, so der Agrarökonom.

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