BUND-Studie: Hormoneinsatz in Sauenhaltung

17.01.2014

© Sabine Rübensaat

Hormoneinsatz in der Ferkelproduktion

Konkret gehe es um den Einsatz von Hormonpräparaten bei Sauen, um den „Betreuungsaufwand zu verringern und die Ferkelanzahl zu erhöhen“, so der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, am 7. Januar in Berlin. Dieses Vorgehen widerspreche der eigentlichen Zielstellung des Arzneimittelgesetzes und lasse sich weder mit dem Tierschutz noch mit dem Schutz der Umwelt vor dem Eintrag risikobehafteter Stoffe vereinbaren. Mithilfe der Medikamente werde eine intensive und nicht artgerechte Massentierhaltung gefördert.

Studie mit Fragezeichen

Als Grundlage für diese Behauptungen zieht der BUND eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Studie des Prof. Bernhard Hörning von der Hochschule Eberswalde heran, in der dieser den Hormoneinsatz in der intensiven Sauenhaltung untersuchte und zu dem Schluss gekommen war, dass viele Betriebe Sexualhormone zur Steuerung der Betriebsabläufe einsetzten, offenbar in größerem Umfang in Großbetrieben als in den kleineren Familienbetrieben. Mit den Hormonen würden Fruchtbarkeitsstörungen behandelt und die Brunft-, Abferkel- und Absetzzeitpunkte synchronisiert.

Weiger forderte die Bundesregierung auf, das aktuelle Ausmaß der Hormongabe zu erfassen und den Einsatz von Hormonen zur Leistungssteigerung in der Ferkelzucht zu verbieten. Er kritisierte zudem die großen Schlachthöfe, die große einheitliche Partien anforderten, was die Zucht- und Mastbetriebe unter Druck setze und die Synchronisation der Bestände vorantreibe.

BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning  verwies auf eine mögliche Verunreinigung der Trinkwasserressourcen durch die Gülle von behandelten Tieren. Das könne zu gesundheitlichen Störungen führen. Benning räumte allerdings ein, das die Belastung der Böden und Gewässer durch Humanmedikamente weitaus höher sei.

Fakten zur Sache

Eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums erklärte gegenüber dem Presse- dienst Agra-Europe hierzu die Tatsachen. Die hormonelle Steuerung von Befruchtungs- und Geburtszeiten sowie andere Biotechniken seien in Europa integraler und legaler Bestandteil der Nutztierhaltung. Nach EU-Recht könnten Hormone als Arzneimittel zu therapeutischen oder tierzüchterischen Zwecken zugelassen werden und seien auch üblich. Alle Hormonpräparate seien verschreibungspflichtig und dürften nur durch den Tierarzt oder unter seiner Aufsicht angewendet werden. Jedes Hormonpräparat werde nur zugelassen, wenn die Nutzen-Risiko-Abwägung durch die Zulassungsbehörde positiv ausfalle, also der bestimmungsgemäße Einsatz der Präparate als unbedenklich bewertet wird. Die Sprecherin erinnerte zudem an die vorgeschriebenen Abstandszeiten bei der Schlachtung behandelter Tiere.

Als unseriös und einseitig kritisierte der Deutsche Bauernverband (DBV) die neue Hörning-Studie und das mit ihr begründete Vorgehen des BUND. Nach dem missglückten Skandalvideo zu Glyphosat versuche der BUND erneut, mit Halbwahrheiten und Falschbehauptungen auf sich aufmerksam zu machen, betonte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Die Studie sei nicht zur Aufklärung angelegt, sondern auf Verunsicherung der Verbraucher. Zudem stellte der DBV die fachliche Qualität der Untersuchung infrage. Hörning habe sich bereits 2013 mit seiner Studie zur Qualzucht erhebliche Kritik an seiner Arbeitsweise gefallen lassen müssen. Der DBV bestätigte zudem, dass Sauen Präparate auf Eiweißbasis verabreicht werden könnten, um den Geburtsvorgang zu erleichtern und die geborenen Ferkel besser betreuen zu können. Die Präparate könnten helfen, die Sterblichkeitsrate der Ferkel zu verringern und das Leben der Sauen zu verlängern. Größere, einheitliche Ferkelgruppen ermöglichten zudem wirkungsvolle Reinigungsmaßnahmen, was wiederum einer hohen Tiergesundheit und einem geringen Arzneimitteleinsatz diene. Die Eiweißverbindungen bauten sich in kürzester Zeit ab. Ein Zusammenhang zwischen dem Hormoneinsatz und Rückständen in der Umwelt habe sich bisher nirgends gezeigt. Zudem würden Hormone nur bei 10 bis 15 % der Tiere eingesetzt.

Biologie ausgeblendet

Um Klarstellung war auch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) bemüht. Sicher seien verschiedene Fruchtbarkeitshormone zugelassen, den Hormoneinsatz jedoch als reine Leistungsförderung darzustellen, sei falsch. Auch ließe sich allein über Hormongaben die Zahl der geborenen Ferkel biologisch gar nicht steigern. Eher gehe es darum, das Leben der geborenen Ferkel zu schützen.

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