Brancheninitiative Tierwohl braucht mehr Geld

26.01.2016

© Sabine Rübensaat

Gute Ware –gutes Geld: Künftig sollen bis zu zwölf Cent pro Kilo Ware direkt dem Tierwohl dienen.

Innerhalb der Brancheninitiative Tierwohl haben sich die Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels, der Fleischwirtschaft und der Landwirtschaft auf eine Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit bis 2021 verständigt. Das bestätigte der Geschäftsführer der Initiative, Dr. Alexander Hinrichs, gegenüber dem Pressedienst Agra-Europe. Hinrichs sprach von einem „klaren Bekenntnis aller Beteiligten“. Ziel sei es, bis dahin den Mengenbedarf an Schweinefleisch im Handel zu 100 % mit Tierwohlware abzudecken. Über die dazu notwendigen finanziellen Voraussetzungen seien die Gespräche angelaufen.


Die Hintergründe dazu erläuterte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Auf der Grünen Woche in Berlin setzte er sich für eine Anhebung des Tierwohl-Entgelts ein. Kurzfristig bedürfe es einer Erhöhung von derzeit 4 ct/kg auf 6 ct/kg Schweinefleisch. Längerfristig sei eine Verdreifachung auf 12 ct/kg erforderlich, sagte Rukwied. Der Überhang von 2 700 Betrieben, die bislang nicht zum Zuge gekommen seien, müsse rasch abgebaut werden.

 

Gute Stimmung?


Ansonsten sieht sich die Initiative entgegen anhaltender Kritik auf gutem Weg. Geschäftsführer Alexander Hinrichs sprach von einem erfolgreichen Startjahr. Durch die Einbeziehung von rund 2 000 Landwirten seien bereits im Startjahr 2015 gut 12 Millionen Schweine in den Genuss der Tierwohlmaßnahmen gekommen; insgesamt 2,4 Mio. € seien Ende Dezember an die Schweinehalter ausgezahlt worden. Die nächste Tranche mit 13,7 Mio. € folge Ende März dieses Jahres. Vereinbarungsgemäß habe der Handel im letzten Jahr 85 Mio. € an die Initiative abgeführt. Deren Zukunft stehe somit „in keiner Weise infrage“, betonte Hinrichs.

 

Grüne mit den Bauern


Vor einem Scheitern der Brancheninitiative Tierwohl hat der
agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, gewarnt. „Dies wäre ein eklatanter Rückschlag für die Bemühungen um mehr Tierschutz“, sagte der Politiker gegenüber Agra-Europe. Ostendorff rief die Verantwortlichen im Handel auf, ihrer Verantwortung gegenüber den Bauern gerecht zu werden. Insbesondere Edeka sei gefordert, ihre unnachgiebige Haltung in den Verhandlungen um eine höhere Dotierung der Tierwohl-Produkte aufzugeben. Die Landwirte, die in Tierwohlmaßnahmen investiert hätten, dürfe man nicht enttäuschen.


Ostendorff rief zudem Minister Schmidt auf, in Sachen Brancheninitiative aktiver zu werden. Es sei seine Aufgabe, die Initiative zum Erfolg zu führen. Schmidt hatte sich auf der Grünen Woche sehr zurückhaltend geäußert und lediglich eine Verknüpfung der Brancheninitiative mit dem bisher wenig populären Tierschutzlabel des Tierschutzbundes empfohlen. Seiner Einschätzung nach ließen sich der breite Ansatz der Brancheninitiative und die differenzierte Kennzeichnung gemäß Tierschutzlabel möglicherweise mit­einander verknüpfen.

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