Biomarkt

17.02.2016

© Sabine Rübensaat

Es sind angesichts der aktuellen Marktprobleme im konventionellen Bereich schon beeindruckende Zahlen: Nach Berechnungen des „Arbeitskreises Biomarkt“, die Ministerialdirektor Clemens Neumann vom Bundeslandwirtschaftsministerium anlässlich der Eröffnung der Biofach-Messe in Nürnberg vorstellte, erhöhte sich der Umsatz mit Biolebensmitteln und -getränken in Deutschland 2015 gegenüber dem Vorjahr um 11,1 % auf 8,62 Mrd. €. Das Umsatzplus ist nach den Worten des Abteilungsleiters insbesondere auf die gut entwickelte Vermarktungssituation zurückzuführen. Neumann zufolge gibt es im Biosektor gute Rahmenbedingungen, aber diese müssten weiterentwickelt werden. Den großen Rahmen bilde hier die EU-Ökoverordnung, die hoffentlich bald verabschiedet werde.


Der Vorstandsvorsitzende vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, bekräftigte seine Forderung an die Politik, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, mehr Gelder von der Ersten in die Zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) umzuschichten. Dieses Geld werde für konventionelle Betriebe benötigt, die umstellen wollten. Zudem dürfe die EU-Ökoverordnung nicht zum Hemmschuh gemacht werden. Zwar stehe die Bundesregierung hier an der Seite der Verbände, erklärte der BÖLW-Vorstandsvorsitzende. Allerdings bedeuteten Trilogverhandlungen (siehe S. 20), dass immer Kompromisse geschlossen werden müssten. Prinz Löwenstein appellierte deshalb an das Europäische Parlament und den Rat, sich nicht auf Kompromisse einzulassen, die den Ökolandbau ausbremsten. Darüber hinaus rief er Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt dazu auf, in die von diesem initiierte Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau alle betroffenen Ressorts der Bundesregierung einzubinden.


Den Ökolandbau als weltweite Bewegung beleuchtete der Geschäftsführer der Internationalen Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM), Markus Arbenz. Die biologisch bewirtschaftete Fläche habe sich 2014 auf immerhin 43,7 Mio. ha in 172 Ländern summiert. Die größte Biolandwirtschaftsfläche besitze mit 17,2 Mio. ha Australien, danach folgten Argentinien mit 3,1 Mio. ha und die Vereinigten Staaten mit 2,2 Mio. ha. Was die Zahl der Bioproduzenten angehe, liege Indien mit rund 650 000 Landwirten vorn, berichtete Arbenz weiter. Danach folgten Uganda mit 190 600 und Mexiko mit 169 700 Ökoproduzenten. Die USA seien nach wie vor der weltweit größte Biomarkt; dort seien 2014 mit dem Verkauf von Bioprodukten umgerechnet 27,06 Mrd. € erwirtschaftet worden. Deutschland folge hier mit 7,9 Mrd. € auf dem zweiten Platz vor Frankreich mit 4,8 Mrd. €. Die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Biolebensmitteln weise die Schweiz auf, wo die Bürger im Schnitt pro Jahr 221 € für Biowaren aufgewendet hätten. In Dänemark belaufe sich dieser Wert auf 162 €.

 

Kein Boom, aber ordentlich Zuwachs:
■ Wie aus den jüngsten BÖLW-Zahlen hervorgeht, hat die verbandsgebundene Ökoanbaufläche in Deutschland 2015 um 3,2 % auf 742 556 ha zugenommen, während das EU-Bio-Areal um 2,2 % auf 335 394 ha wuchs. Die Gesamtfläche stieg um 2,9 % auf 1,08 Mio. ha.
■ Die Zahl der Ökobetriebe hat sich 2015 um 4,0 % auf 24 343 erhöht, von denen 53,4 % Mitglied eines Bioanbauverbandes sind.
■ Die Ausweitung der Biolegehennenbestände hat auch 2014 angehalten. Hier wurden zuletzt rund 4,2 Millionen Tiere registriert. Vor allem in Niedersachsen seien neue Ställe entstanden, so der BÖLW.
■ Die Biomilchanlieferung nahm laut BÖLW-Angaben im Jahr 2014 um 4 % auf 710 Mio. kg zu, während die Schweinefleischproduktion gleichzeitig um 6,7 % auf 20 800 t zurückging.
■ Die Anteile des Ackerlandes und des Grünlandes an der gesamten ökologisch bewirtschafteten Fläche sind mit 42 % beziehungsweise 54 % stabil geblieben.
■ Ausgedehnt worden ist 2014 gemäß der BÖLW-Erhebung der biologische Kernobstanbau; insgesamt wurden im Berichtsjahr 15 % der deutschen Kernobstflächen ökologisch bewirtschaftet. 

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