Bioenergie

23.08.2012

© Sabine Rübensaat

Berlin. Nachdem Bundesumweltminister Peter Altmaier in Zusammenhang mit seinem Zehn-Punkte-Plan zur Energiewende eine grundlegende Überarbeitung des EEG angekündigt hatte  (BauernZeitung 34, S. 20), war eigentlich schon genug Aufruhr in der Branche verursacht. Dennoch konnte es sich Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel in einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv Mitte August nicht verkneifen, noch einen draufzusetzen und die sattsam bekannte Teller-Tank-Diskussion neu zu befeuern. Er forderte allen Ernstes ein vorübergehendes Verbot von E-10-Kraftstoff, um den Weltgetreidemarkt zu entspannen. 

 

Demgegenüber erklärte das Bundeslandwirtschaftsministerium prompt, Biokraftstoffe beeinflussten die Agrarpreise nur in einem „äußerst geringen Umfang“. Hauptursache der derzeitigen Preisentwicklung seien die wachsende Weltbevölkerung, geänderte Ernährungsgewohnheiten sowie Ernteausfälle in den USA und anderswo.


Unterdessen hat sich auch rund um die aktuelle Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu den Grenzen und Möglichkeiten der Nutzung von Bioenergie (Bauernzeitung 31/2012, S. 20) eine lebhafte Diskussion entwickelt. So würdigte das Deutsche BiomasseForschungsZentrum (DBFZ) die Leopoldina-Studie zwar als „eine wissenschaftlich fundierte Gesamtschau der Leistungsfähigkeit der Biomasseproduktion“, wirft ihr jedoch gleichzeitig handwerkliche Mängel und fehlende Alternativvorschläge vor. Wie das DBFZ Mitte August in Leipzig erklärte, sind die Aussagen über die begrenzte Verfügbarkeit von Biomasse wissenschaftlich nicht neu. Durch eine lückenhafte und teilweise überholte Betrachtung werde ein verzerrtes Bild der Probleme erzeugt. Die Frage, ob, in welchem Umfang und mit welchen Technologien der weitere Bioenergieausbau in Deutschland erfolgen solle, bleibe unbeantwortet. Umso mehr betrübe es, dass sich die Verfasser trotzdem zu umfassenden Empfehlungen entschlossen hätten, so das DBFZ.  

 

Auf heftige Kritik ist die Leopoldina-Studie auch beim Deutschen Bauernverband (DBV) gestoßen. „Ihrer Empfehlung, den weiteren Ausbau der Bioenergienutzung zu unterlassen, kann ich nicht zustimmen“, betonte DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born vergangene Woche in einem Schreiben an den Präsidenten der Leopoldina, Prof. Jörg Hacker. Aus Sicht des DBV könne die Bioenergie sehr wohl einen zwar begrenzten, aber durchaus wachsenden Beitrag leisten, ohne andere Ziele der Ökologie oder der Nahrungsmittelsicherheit in Frage zu stellen.


Erschrocken über die Studie zeigte sich auch der Biogasrat+ und verwies auf inhaltliche und methodische Fehler der Autoren. Die Leopoldina widerspreche in ihrer Stellungnahme jüngsten Einschätzungen im kürzlich veröffentlichten Sonderbericht zu erneuerbaren Energien (SRREN) des Intergovernemental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen und der aktuellen Stellungnahme des BioÖkonomieRates. Zudem erfahren Biogas und Biomethan in dem Dokument keine ausreichende Würdigung als multifunktionale Energieform für Strom, Wärme und Mobilität  AgE

 

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