Bilanz mit „Schleifspuren“

27.01.2014

© Wolfgang Herklotz

Ortsansässige bei der Bodenvergabe benachteiligt? Die BVVG bestreitet das vehement.

Das Jahr 2013 war alles in allem ein erfolgreiches ­ für die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG).  Zwar habe es einige „Schleifspuren“ gegeben, betonte Geschäftsführer Dr. Wilhelm Müller auf der Jahrespressekonferenz in Berlin und führte dafür die Bund-Länder-Verhandlungen und die Personalreduzierung an. „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist es aber gelungen, unsere Ziele noch zu übertreffen.“

 
Rund 36 100 Hektar landwirtschaftliche Flächen, knapp 15.100 Hektar Wald und 4.270 Hektar Umwidmungsflächen hat die BVVG im vergangenen Jahr veräußert. Erwirtschaftet wurde ein Überschuss von 436 Millionen Euro. Der Schwerpunkt lag 2013 wiederum auf dem begünstigten Verkauf von  Flächen an Alteigentümer.  An sie wurden knapp 15.800 Hektar veräußert. Rund 10.700 Hektar gingen direkt an berechtigte Pächter, also ohne Ausschreibung. Im Ergebnis von Ausschreibungen wechselten  8.900 Hektar den Besitzer. Die Lose waren im Schnitt 9,5 Hektar groß. Laut BVVG wurden gemäß der veränderten Privatisierungsgrundsätze Ausschreibungen von Losen mit einer Größe von über 25 Hektar „nach Möglichkeit“ vermieden.

 

Preisanstieg um zwölf Prozent

Erneut war ein Preisanstieg zu verzeichnen. Bei den Verkäufen zum Verkehrswert standen durchschnittlich 15.411 Euro je Hektar zu Buche, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die BVVG sei weder ein Preistreiber noch veräußere sie Flächen in Größenordnung an sogenannte Investoren, stellte Geschäftsführer Müller klar. „Die Vorwürfe werden auch durch ständige Wiederholung nicht richtiger.“ Als Gründe für den Preisanstieg führte er die stetig steigende Nachfrage nach Flächen, während die für landwirtschaftliche Nutzung abnehmen und zusätzliche Flächen für erneuerbare Energie benötigt werden. „Steigende Nachfrage und Preise sind keine ostdeutschen Trends, sondern vollziehen sich weltweit.“


Der BVVG-Geschäftsführer wies zugleich darauf hin, dass der Verkauf in den meisten Fällen an ortsansässige Landwirtschaftsbetriebe erfolgte. Durch die geringen Losgrößen und die Streulagen der Flurstücke seien die Ausschreibungen für Kapitalanleger „in der Regel uninteressant“. Diese kauften eher ganze Landwirtschaftsbetriebe, zum Beispiel durch Übernahme von Geschäftsanteilen.


Zur 2013er Bilanz der BVVG gehört außerdem die beschränkte Ausschreibung von rund 6.100 Hektar. Bei diesen dürfen nur arbeitsintensive Betriebsformen wie Ökobetriebe oder Gemüsebauern ein Gebot abgeben. Seit März 2013 gehören auch Junglandwirte dazu. Von den im Vorjahr beschränkt ausgeschriebenen Flächen wurden bisher 4.300 Hektar verpachtet und 1.500 Hektar an Berechtigte verkauft.

 

Wald war bislang  „Sorgenkind“

Bei der Privatisierung von Wald, die bislang als „Sorgenkind“ galt, konnte die BVVG kräftig zulegen. Die Ausschreibungslose waren im Schnitt zwölf Hektar groß, je Los gaben acht Interessenten ein Gebot beziehungsweise eine Bewerbung ab. Der durchschnittliche Kaufpreis zum Verkehrswert lag bei 5.302 Euro je Hektar.


Für 2014 rechnet die BVVG mit einem ähnlichen Verkaufsumfang wie im Vorjahr. Angepeilt wird gar ein Überschuss von etwa 440 Millionen Euro. Rund 37.700 Hektar, darunter 21.200 Hektar zum Verkehrswert, sollen veräußert werden. Von den Verkehrswertverkäufen  werden voraussichtlich 60 % auf den
Direkterwerb und der Rest auf den Verkauf  nach Ausschreibungen erfolgen. Geschäftsführer Dr. Detlev Hammann gab sich zuversichtlich, den Erwerb von Flächen durch Alteigentümer im Wesentlichen abschließen zu können. Derzeit liegen noch 909 Anträge vor, für die mehr als 16.000 Hektar Fläche benötigt werden. Hammann kündigte zugleich eine Umstrukturierung innerhalb der BVVG an. Bis 2016 soll es nur noch vier Niederlassungen geben, von denen  jeweils eine in Berlin, Schwerin, Magdeburg und Dresden angesiedelt ist. Der Personalbestand von derzeit 600 soll auf 400 reduziert werden. „Wir werden uns bemühen, auch diesen Prozess gut zu bewältigen“, versicherte Hammann.


Er verwies darauf, dass es bei den Gesprächen zur Übernahme von BVVG-Flächen durch Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Fortschritte gibt. Eine Prognose  wollte Hammann aber nicht abgeben. „Dazu gibt es noch viele Details zu klären“.

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