Bilanz des Deutschen Raiffeisenverbandes

03.03.2017

© Sabine Rübensaat

Einschneidende Preisrückgänge bei pflanzlichen und tierischen Agrarrohstoffen, bei landwirtschaftlichen Betriebsmitteln sowie Mineralölprodukten haben die Arbeit der genossenschaftlichen Agrarunternehmen Deutschlands im Jahr 2016 deutlich erschwert. Dies geht aus der Bilanz des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) hervor, die Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers vergangene Woche in Berlin vorgestellt hat. So verzeichneten die 2 186 genossenschaftlichen Mitgliedsunternehmen des DRV in der Summe einen Umsatzrückgang um 4,8 % auf 58,8 Mrd. €. Gravierend waren die Veränderungen in der Warenwirtschaft (-6,4 %), Milchwirtschaft (-4,8 %) und bei den Agrargenossenschaften (-10 %). Ein leichtes, exportbedingtes Plus um 2,5 % meldete die genossenschaftliche Vieh- und Fleischwirtschaft.

 

Wenig Jubel 2016


Das Geschäftsergebnis bestätige die Abhängigkeit des deutschen Agribusiness von internationalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, so Ehlers in seinem Bericht. Insbesondere die Lage der Betriebe in der tierischen Veredelung sei 2016 angespannt gewesen. Als eine Folge stellten viele Landwirte ihre Investitionen in kostenintensive Agrar- und Stalltechnik zurück. Das werde sich auch in nächster Zeit kaum ändern, denn die Perspektiven für das Agribusiness bleiben insgesamt getrübt. Geopolitische Unsicherheiten, eine geschwächte Europäische Gemeinschaft, fortwährende Handelsblockaden und gesellschaftspolitische Diskussionen stellten die Zukunft der Branche infrage. „Unsere Genossenschaften und ihre Mitglieder sehen die notwendige Planungssicherheit gefährdet und den Rückhalt in der Gesellschaft schwinden“, so Dr. Ehlers. „Für eine Erfolg versprechende Wachstumsstrategie müssen wir weitere zahlungskräftige Drittlandsmärkte für unsere hochgradig veredelten und Know-how-intensiven Produkte erschließen“, forderte der Hauptgeschäftsführer. So unterstütze der DRV gemeinsam mit anderen Getreidehandelsverbänden die Bundesregierung beim Abschluss eines Marktzugangsverfahrens für Gerste und Weizen nach China. Mit Blick auf intensivere Handelsmöglichkeiten mit dem Iran hat der DRV gemeinsam mit der DLG die Kofinanzierung eines Handelsbeauftragten der deutschen Agrarwirtschaft initiiert. In der Futterwirtschaft geht der DRV für 2017 von einer stagnierenden bis leicht steigenden Nachfrage aus. Stark gestiegen sei der Bedarf an Futtermitteln für die „Ohne-Gentechnik“-Produktion von Lebensmitteln. In der Milcherzeugung sei 2017 mit Erzeugerpreisen deutlich über den sehr niedrigen Vorjahreswerten zu rechnen. Die genossenschaftliche Vieh- und Fleischwirtschaft werde weiter vom fortgesetzten Drittlandexport, vor allem nach China, profitieren. Im genossenschaftlichen Obst-, Gemüse- und Gartenbau sowie bei den Weingärtner- und Winzergenossenschaften sei die Situation überwiegend stabil bis positiv. Mit erheblichen Schwierigkeiten hätten hingegen die 730 dem DRV angeschlossenen Agrargenossenschaften zu kämpfen. Nach den deutlichen Erlösminderungen im Vorjahr erwarte der DRV einen weiteren Rückgang um 10 % über alle Produktionszweige. Vor allem die niedrigen Milchauszahlungspreise und gesunkenen Erträge in der pflanzlichen Erzeugung hätten zu deutlichen Rückgängen geführt, so Dr. Ehlers. Deshalb trete der DRV mit Nachdruck dafür ein, dass die Unternehmen verstärkt Instrumente des Risikomanagements nutzen. Das gilt insbesondere für die Milchpreisabsicherung an Warenterminbörsen.

 

Positionen zur Wahl


Bei der Berliner Pressekonferenz hat DRV-Präsident Manfred Nüssel auch die Positionen seines Verbandes zur Bundestagswahl 2017 vorgestellt. Er erwarte von der nächsten Bundesregierung, dass sie für faire Rahmenbedingungen sorgt und einen Wettbewerb aller Marktteilnehmer auf Augenhöhe ermöglicht. Zudem müssten die rechtlichen Möglichkeiten der Finanzierung der ländlichen Genossenschaften durch ihre Mitglieder gestärkt werden. Zum Ausbau von Marktpositionen in Drittländern forderte Nüssel, dass die Bundesregierung die Voraussetzungen für eine aktive Teilhabe Deutschlands am wachsenden internationalen Agrarhandel schafft. Hier sei insbesondere der zügige Abbau von veterinärrechtlichen und phytosanitären Handelshemmnissen von großer Bedeutung. Forderungen aus Gesellschaft und Politik nach Veränderungen in der Nutztierhaltung dürfen, so der DRV-Präsident, nur schrittweise und ohne Strukturbrüche umgesetzt werden. Nationale Alleingänge seien unbedingt zu vermeiden. Vielmehr seien EU-einheitliche Rahmenbedingungen für die Produktion und Vermarktung zu schaffen. Tierschutz- und Markenprogramme gelte es marktkonform zu gestalten.


Im Zusammenhang mit der Erd-erwärmung würden immer häufiger und voreilig die Nutztierhaltung und ihre Emissionen als Klimakiller ausgemacht, so Nüssel. „Dabei engagiert sich der Nutztiersektor sehr entschlossen für mehr Nachhaltigkeit. Aber das ist leider noch viel zu wenig bekannt. Der DRV und weitere Verbände der Vieh- und Fleischwirtschaft setzen auf Nachhaltigkeit. Dazu sei im Januar 2017 der Bericht „Ein nachhaltiger Nutztiersektor in Europa: Eine Frage von Ernährungssicherheit, Klima und Innovation“ der Öffentlichkeit vorgestellt worden, so der DRV-Präsident.

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