Bericht zu den 15. DLG-Feldtagen

04.07.2018

© Catrin Hahn

Biodiversität und Nachhaltigkeit gehörten zu den Schwerpunktthemen der Feldtage.

Bei blendendem Wetter gingen am 14. Juni die 15. DLG-Feldtage in Bernburg zu Ende. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Internationalen Pflanzenbau-Zentrum der DLG, dem Campus der Hochschule Anhalt und der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt ist dies ein Standort mit ackerbaulichem Schwergewicht. Die gut 20.000 Besucher erlebten eine Veranstaltung mit neuen Themen und Schwerpunkten.


Obwohl das Feldtags-Wetter diesmal nichts zu wünschen übrig ließ, leitete das Wetter dennoch beinahe jedes Gespräch auf der Feldtagsfläche ein. Gab es doch selten solche Kapriolen wie in den letzten Monaten: Nach dem viel zu nassen Herbst, dem späten Winter und der regional anhaltenden Trockenheit der letzten Wochen befürchten viele Ackerbauern für die anstehende Ernte nichts Gutes. Dennoch – was angesichts der eben beschriebenen Tatsachen und der unerfreulichen Marktlage schon beinahe verwundert – war die Stimmung in Bernburg keineswegs schlecht. Die Innovationsbereitschaft der für die traditionelle Besucherumfrage ausgewählten Landwirte liegt recht deutlich über der vor zwei Jahren, war zu erfahren.

 

Breite Palette digitaler Hilfsmittel


Die Angebotspalette der 410 Aussteller war wie üblich sehr breit. Interessant zu beobachten war, dass sich der Fokus der Themen etwas verschoben hatte: im technischen Bereich galt die Aufmerksamkeit zum einen den Weiterentwicklungen im Bereich mechanische Bodenbearbeitung, was bei den gut besuchten Maschinenvorführungen deutlich wurde. Am anderen Ende des technischen Spektrums, beim Thema digitale Hilfsmittel, waren Angebot und Interesse ebenfalls riesig. Neben den „üblichen Verdächtigen“ in Sachen Precision Farming bieten nun auch Technik-, Pflanzenschutz- und Düngemittelhersteller oder Züchter digitale Hilfsmittel für den präzisen Ackerbau an. Die Palette reicht von der Fahrspurplanung über die positionsgenaue Aussaat, die genaue und zeitlich präzise Bestandesführung bis zur punktgenauen Erntezeitbestimmung. Es wird sich zeigen, wie sich die aktuelle Vielfalt des Angebots in diesem zweifellos faszinierenden Gebiet weiterentwickelt.

 

Hoffnungsträger Züchtung


Ein anderer deutlicher Fokus der Veranstaltung lag diesmal im Bereich Sorten. An allen Züchterständen war zu beobachten, dass die Herausforderung, Antworten für die drängenden Probleme im Ackerbau zu finden, verstanden und angenommen wurde. Ob Wirkstoffverlust im Pflanzenschutz, gesellschaftliche und politische Misstrauensbekundungen, Klimawandel – die Züchter sehen, dass ein großer Teil der Verantwortung für ertragreiche zukünftige Jahre inzwischen bei ihnen liegt. Selten war zum Beispiel das Wort Biodiversität so oft zu hören – aber nicht nur als Hinweis auf gesellschaftlich verordnete Naturschutzaufgaben, sondern als Chance. Breitere Fruchtfolgen, Mischanbau, Bodenschutz – nach der technischen Revolution der letzten Jahrzehnte scheint nun die Zeit gekommen für eine neue züchterische Revolution. Dazu braucht es aber, ist von den Züchtern zu hören, auch die Unterstützung der Politik. Denn auch Züchtung funktioniert nicht mehr wie vor einhundert Jahren. Neue, schnelle und preisgünstige Verfahren eröffnen faszinierende Möglichkeiten für die präzise Züchtung von Sorten für alle Bedingungen. Das sollte die Politik bedenken, wenn im Sommer die Entscheidung in Brüssel über die neuen Züchtungsmethoden gefällt wird.


DLG-Präsident Hubertus Paetow nutzte bei der Eröffnung der Feldtage die Gelegenheit, die neuen Herausforderungen für die Branche anzureißen. „Nachhaltige Intensivierung“, das ist für ihn der Schlüssel für eine langfristig erfolgreiche Pflanzenproduktion. Die vor einem Jahr in den zehn Thesen der DLG und vor wenigen Wochen in der Ackerbaustrategie der Verbände zusammengefassten Lösungsansätze hält er für richtig. Nicht ganz so hilfreich findet er die andauernden Querelen zwischen den Produktionsweisen Öko und konventionell. Zwar begrüße er das Special Ökolandbau sehr, aber „die Unterscheidung verstellt den Weg für Lösungsmöglichkeiten. Wir sollten die Trennung zwischen den Bereichen aufheben. Wir können so viel voneinander lernen.“


Er mahnte auch einen anderen Umgang mit Informationen und der Gesellschaft an: „Wir leben in einer Zeit, in der sich Informationen neue Wege suchen. Es wird schwieriger, sie dort zu platzieren, wo man sie haben möchte. Wir müssen uns Gedanken machen über unsere Ziele und den Prozess der Umsetzung dann mit der Öffentlichkeit gemeinsam führen.“ Neue digitale Techniken helfen dabei ebenso wie die Rückbesinnung auf klassische ackerbauliche Prinzipien.


Die Preisträgerinnen des diesjährigen Wilhelm Rimpau-Preises haben möglicherweise mit ihren Forschungsarbeiten zur Verwirklichung dieser Vision beigetragen. Zum zehnten Mal zeichnete die DLG innovative Bachelor- oder Masterarbeiten aus. Aus 14 Einsendungen entschied die Jury, die Arbeit von Setareh Jamali Jaghdani von der Georg-August-Universität Göttingen mit dem ersten Preis zu bedenken. Die Preisträgerin, inzwischen Doktorandin in Göttingen, hatte sich in ihrer Masterarbeit mit den Mechanismen von Herbizidresistenzen auseinandergesetzt.

 

Neues Special: Ökolandbau


Das erstmals mit einem Special präsentierte Informationsangebot zum Ökolandbau war während der drei Tage stets gut besucht. Nach Umfrageergebnissen der DLG hat ein Viertel der Ausstellungsbesucher angegeben, sich für das Ausstellungsangebot zu interessieren. Züchter, Technikanbieter, natürlich auch Anbauverbände stellten sich dort den Fragen der Besucher. Im Forumszelt fanden zahlreiche, stets gut besuchte Foren zu allen Fragen des Ökolandbaus statt – von A (Ausbildung) bis Z (Züchtung).


Eines der mehrfach angebotenen und jedesmal gut gefüllten Foren hieß: „Umstellung auf Ökolandbau: Auf was kommt es an?“, durchgeführt vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Die Referentin Ute Williges beschrieb die Chancen – Wachstumsmarkt mit gutem Image, höhere Erzeugerpreise und interessierter Handel. Sie verschwieg aber auch die Risiken nicht, wie höheres Ertrags- und möglicherweise Qualitätsrisiko, z. T. fehlende Verwertung, volatile Preise usw. Neben der ausreichenden Förderung umstellungswilliger Betriebe, die leider länderabhängig unterschiedlich ausfällt, sei die Beratung der Schlüssel für einen Erfolg. „Seien Sie vorbereitet“, riet Williges den Anwesenden, „Informieren Sie sich, nehmen Sie Beratung in Anspruch. Viele Einrichtungen bieten Umstellungsseminare an.“

 

Hier sei der Kontakt zur Beratung der erste Schritt. Dazu bräuchte man sich lediglich an einen der regional aktiven Anbauverbände wenden oder an das in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angesiedelte „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ (BÖLN). Das BÖLN koordiniert die Angebote des Bundes und unterstützt die Beratung umstellungswilliger Betriebe (www.bundesprogramm.de).

 

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus?


Eine Podiumsdebatte widmete sich der Zukunft der Landwirtschaft. Brauchen wir die angekündigten 20 % Ökolandbau bis 2030 oder mehr Nachhaltigkeit im konventionellen Anbau? Und welche Rolle spielt die Förderung in diesem Zusammenhang? Brauchen wir mehr Anreize für umstellungswillige Landwirte oder eine insgesamt „ökologischere“ Landwirtschaft? Über diese Fragen waren die anwesenden Teilnehmer – Dr. Hanns-Christoph Eiden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Jan Plagge vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Dr. Ralf-Peter Weber, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung Sachsen-Anhalt und DLG-Präsident Hubertus Paetow – naturgemäß unterschiedlicher Meinung.


Dr. Eiden von der BLE fordert von der Gesellschaft Geduld: „Wir brauchen Zeit für die Veränderung der Stellschrauben. Allerdings müssen und werden wir uns anpassen, denn wir sind gezwungen, auf die Wünsche und Anforderungen der Gesellschaft einzugehen.“ Dr. Weber wünscht sich mehr Austausch zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben: „Letztendlich muss jeder Landwirt für sich entscheiden, wie er produziert. Aber Austausch nützt allen.“


Auf die Frage, ob das von der Bundesregierung angepeilte Ziel, 20 % Ökobetriebe bis zum Jahr 2030, realistisch ist, zeigt sich Plagge überzeugt: „An den Landwirten wird es nicht scheitern. Wir beobachten einen Umstellungsboom. Alles hängt aber an der Förderung. Und wir brauchen die Verbraucher mit im Boot. Sie müssen bereit sein, die höheren Preise zu zahlen.“ Paetow hält mit seiner bereits bei der Feldtagseröffnung geäußerten Überzeugung dagegen: „20 % Ökobetriebe ist nicht die Lösung für unsere Pro-bleme. Wir brauchen auch für die konventionellen Betriebe mehr Nachhaltigkeit.“


Im Forum „Was kann integrierter Pflanzenschutz? - Betriebsleiter reden Klartext: Lektionen aus langjährigen Demonstrationsbetrieben“, veranstaltet vom DLG-Ausschuss für Pflanzenschutz, wurde das Modellvorhaben „Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ vorgestellt. Das Projekt, geleitet vom Institut für Strategien und Folgenabschätzung des Julius Kühn-Instituts, untersuchte Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes in Betrieben in repräsentativen Regionen. Die Maßnahmen umfassten die Begrenzung der Pflanzenschutzanwendungen, die Anwendung vorbeugender und nichtchemischer Maßnahmen oder die Ermittlung von Befallsindizes. Bodenbearbeitung, Nützlingsförderung, Sortenwahl, Spritzfenster und natürlich die sorgfältige Ergebnisdokumentation gehörten dabei zu den untersuchten Stellschrauben. Konkret waren Schritte enthalten wie:
- der Austausch anfälliger gegen resistente oder tolerante Sorten,
- die Elektronenbeizung von Saatgut,
- mechanische Unkrautbekämpfung und Stoppelbearbeitung,
- Behandlung mit Contans WG,
- Untersaaten im Raps.

 

Erfahrungen aus der Praxis


Drei Betriebsleiter sprachen über ihre Erfahrungen in dem dreijährigen Projekt. Einer von ihnen ist Landwirt Hubertus Velder aus Rommerskirchen. Seine Zusammenfassung ist eindeutig: „Die ‚Pack-mit-rein‘-Strategie muss der Vergangenheit angehören. Der Landwirt muss in der Lage sein, die benötigten Einzelwirkstoffe – und nur diese – ausbringen zu können. Die Industrie macht es sich hier zu einfach.“ Er sieht sich als deutlich sensibilisiert im Umgang mit Betriebsmitteln und bekennt, ein sicheres Urteilsvermögen im Umgang mit ihnen erworben zu haben. Dazu gehört auch eine gewisse Risikobereitschaft, erkennt er an. Ausgewogene Fruchtfolgen sind seiner Meinung nach unausweichlich, würden sich aber lohnen: „Ich habe seit zwei Jahren keine einzige Insektizidspritzung im Raps gebraucht. Dafür hat die Kultur bei mir aber auch nur einen Anbauanteil von fünf Prozent.“ Auch sein Fazit in Sachen Beratung ist klar und deutlich: „Misstrauen Sie der Verkaufsberatung und nutzen Sie die Offi-zialberatung – sie ist wichtiger als je zuvor.“ Eine weitere Schlussfolgerung ist für ihn die Notwendigkeit engmaschigerer Prognosemodelle: „Wir haben manchmal in einem Kilometer Abstand dramatische Unterschiede in der Befallssituation.“

 

Wettbewerb um beste Roboterlösung


Ein ebenfalls viel beachtetes Thema auf den Feldtagen war der Bereich Feldroboter. Während genau am anderen Ende der Feldtagsfläche die Landtechnikgiganten ihre Maschinenvorführungen zu Drill- und Pflanzenschutztechnik abhielten, zeigten die Studententeams bei Field Robot Event, in welche Richtung sich die Bestandesführung zukünftig hinbewegen könnte. Veranstaltet von der Universität Hohenheim in Kooperation mit der DLG und anderen europäischen Universitäten und Hochschulen, präsentieren bei diesem Wettbewerb internationale Studententeams mit ihren Feldrobotern ihre Lösungsideen zu landwirtschaftlichen Mechanisierungsproblemen. Neben der Teststrecke waren außerdem professionelle Prototypen von Feldrobotern zu besichtigen und Informationen zu deren Einsatzgebieten zu erhalten.


Die nächsten DLG-Feldtage finden vom 16. bis 18. Juni 2020 auf dem Gut Brockhof in Erwitte/Lippstadt (Nordrhein-Westfalen) statt. Hoffentlich wieder ohne Gummistiefel.

 

Die Maschinenvorführungen genossen großes Interesse.

 

Fangschalen für Feldmäuse (Projekt EVAF) präsentierte die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) des Landes Sachsen-Anhalt.

 

Technik zur mechanischen Unkrautbekämpfung wurde im Rahmen des Special Ökolandbau gezeigt, darunter auch ein kleiner autonomer Roboter.

 

Fotos: Catrin Hahn, Klaus Meyer

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr