Bauern distanzieren sich von Straathof

06.01.2015

© Thomas Tanneberger

Charmoffensive auf der Messe: Noch im November hatte sich das Unternehmen mit einem Stand auf der EuroTier präsentiert.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat sich von Tierrechtsverstößen, wie sie dem Schweinehalter Adrianus Straathof vorgeworfen werden, klar distanziert. DBV-Sprecher Dr. Michael Lohse bestätigte am 19. Dezember, dass Straathof kein Mitglied in einem Landesbauernverband sei und somit auch nicht vom Bauernverband juristisch beraten werde. Lohse betonte, für eine Landwirtschaft, wie sie Straathof vorgeworfen werde, stehe der DBV nicht. Das werde allein schon durch das Leitbild Nutztierhaltung des Verbandes deutlich.

 

Zuvor hatte der Bauernverband Sachsen-Anhalt schon harsche Kritik an Straathof und seinen Unternehmen geübt. Wer bestehende Gesetze überreize und sich damit einen unrechtmäßigen Vorteil gegenüber anderen Nutztierhaltern verschaffe, werde keinen Rückhalt seiner Berufskollegen erfahren. Alle Schweinehalter dieser Größe auf gleiche Ebene zu stellen, lehne der Bauernverband Sachsen-Anhalt aber ab. Schließlich ergäben Kontrollberichte der Behörden keinen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und festgestellten Mängeln.

 

Die Kreisverwaltung Jerichower Land hatte Ende November ein Tierhaltungsverbot gegen Straathof verhängt und dies mit zahlreichen Verstößen gegen die Tierhaltungsvorschriften begründet (BauernZeitung 51–52/2014, S. 20). Der Niederländer legte erfolglos Einspruch zunächst beim Verwaltungsgericht, dann beim Oberverwaltungsgericht ein. Nach dessen Entscheidung erklärte der Niederländer kurz vor Weihnachten nun seinen Rücktritt als Geschäftsführer. 

 

Unterdessen war sein Fall auch Thema im Bundestag. Der Agrarsprecher der Bündnisgrünen, Friedrich Ostendorff, hatte nach Investitionsbeihilfen und Auswirkungen eines möglichen Produktionsstopps bei Straathof gefragt. Der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, konnte dazu jedoch keine weiterführenden Aussagen machen.

 

In der Gesellschaft wiederum ist aufgrund der Straathof-Affäre eine Diskussion über die Einführung von Obergrenzen in der Nutztierhaltung entflammt. So stellte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff fest, dass der ländliche Raum mit industriellen Strukturen dieser Größenordnung „überfordert“ werden könne. Es gebe auch für Anwohner eine Schmerzgrenze; das betreffe beispielsweise Themen wie das Transportaufkommen oder die Nitratbelastung im Boden. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus schlug laut Presseberichten vor, an einem Standort maximal 500 Sauen und bis zu 800 Milchkühe zu halten. Diese Idee stößt vor allem bei den ostdeutschen Landesbauernverbänden auf Verständnislosigkeit und strikte Ablehnung.

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr