Am Milchmarkt doch alles gut ?

19.12.2014

© Sabine Rübensaat

In den nächsten Jahren wird erwartet, dass die Milcherzeugung in der EU stark steigen wird.

Der Optimismus kommt in einer kürzlich veröffentlichten Prognose zur Entwicklung des EU-Milchmarktes bis zum Jahr 2024 zum Ausdruck. Demnach soll die Milcherzeugung in der Gemeinschaft bis 2024 um etwa 7 % auf fast 167 Mio. t anwachsen. Expansive Tendenzen werden dabei mit einem Plus von 10 Mio. t in erster Linie in der „alten EU-15“ erwartet, während der Rohstoffanfall in den seit 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten wohl nur um 0,5 Mio. t zunehmen wird.

 

Anstieg in Europa

Eine steigende Milcherzeugung ist laut Vorausschau insbesondere in Regionen mit vergleichsweise geringen Produktionskosten zu erwarten, in denen die Bauern und Verarbeiter bereits in Kapazitäten investiert haben. Dazu zählt die Kommission Deutschland, Frankreich, Dänemark, die Niederlande, Irland, Großbritannien und Polen. Der Produktionsanstieg in der Gemeinschaft soll der Studie zufolge bei rückläufigen Beständen ausschließlich aus der höheren Milchleistung je Tier resultieren. Gut 7 500 kg Milch soll eine EU-Kuh 2024 im Schnitt produzieren, das wären rund 13 % mehr als 2014. Bezüglich der Erzeugerpreise für Milch gehen die Analysten davon aus, dass das Preisniveau von 369 €/100 kg im Jahresmittel 2014 in Zukunft nicht mehr erreicht wird. Nach einem Sinken auf 331 €/100 kg Milch im kommenden Jahr soll sich der Milchpreis nach einem Anstieg etwa ab 2020 auf einem Niveau von etwa 350 €/100 kg einpendeln.

Der erwartete jährliche Anstieg der EU-Milcherzeugung von durchschnittlich 0,8 % bis zum Ende des Prognosezeitraumes 2024 ist nach Einschätzung der Brüsseler Experten zu verkraften, da er auf eine in diesem Zeitraum um jährlich 2,1 % wachsende globale Nachfrage nach Milcherzeugnissen treffen wird. Vor allem in Indien, China und anderen asiatischen, aber auch afrikanischen Ländern sei mit einem steigenden Verbrauch zu rechnen.

Die Autoren stellen jedoch klar, dass ein höherer Verbrauch nicht automatisch mit steigenden Importen einhergeht. Dennoch dürfte die weltweite Importmenge in der nächsten Dekade um jährlich 2 % oder insgesamt 14 Mio. t Milchäquivalente wachsen. Größtes Einfuhrland mit einem Weltmarktanteil von 20 % werde China bleiben, auch wenn sich die jährliche Zuwachsrate auf ca. 3 % im Zeitraum bis 2024 abschwächen dürfte. Von 2004 bis 2014 lag das Wachstum noch bei 16 % im Jahr. Für Russland wird dagegen ein jährlicher Rückgang der Importe um 0,3 % erwartet.

 

Bauern protestieren

Unterdessen haben die im European Milk Board (EMB) organisierten Milcherzeuger weiter Alarm geschlagen. Vergangene Woche protestierten Vertreter des Verbandes in Brüssel, um die politischen Entscheidungsträger zu zusätzlichen Maßnahmen zu bewegen. „Wenn nicht schnell gehandelt wird, werden Europas Milcherzeuger untergehen“, so EMB-Präsident Romuald Schaber. Die Lage spitze sich immer weiter zu. Ohne die begrenzende Wirkung der Quotenregelung in wichtigen Produzentenländern wie Deutschland oder Holland wäre die Situation derzeit noch wesentlich schlimmer, betonte Schaber. Alles deute mittlerweile darauf hin, dass eine schwere Marktkrise wie 2009 bevorsteht.

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