Alarm für Auguste

07.12.2016

Gänse © Sabine Rübensaat

In Deutschland und in anderen Ländern breitet sich die Geflügelpest immer weiter aus. Am vergangenen Freitag gab das französische Landwirtschaftsministerium bekannt, dass erstmals in einer kommerziellen Geflügelhaltung im südwestlichen Département Tarn 2 000 Enten am Virustyp H5N8 verendet seien; der Gesamtbestand von 5 000 Tieren wurde umgehend gekeult. In Japan, Südkorea, den Niederlanden und Schweden kam es ebenfalls zu Ausbrüchen in Nutztierbeständen; viele Tiere mussten getötet werden.

 

Keulungen im Norden


In Deutschland war in der vergangenen Woche das Virus in einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 300 Hühnern, Enten und Gänsen nachgewiesen worden. Damit sind in dem Bundesland mittlerweile zehn Nutztierbestände von der hochpathogenen aviären Influenza betroffen, zudem zwei Bestände von einer niedrigpathogenen Form des Virus. Trotz der weiteren Verbreitung der Geflügelpest – immer wieder gab es im Bundesgebiet zuletzt bestätigte Fälle bei Wildvögeln und auch in Zoos – zog Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am Dienstag vergangener Woche eine zufriedenstellende Bilanz der bisher ergriffenen Maßnahmen gegen die Einschleppung in die Geflügelbestände. „Wir haben die Lage administrativ und faktisch im Griff“, betonte der Minister vor Journalisten in Berlin. Gleichwohl gebe es keine Veranlassung zur Entwarnung.


Eine Regelung für eine bundesweite Stallpflicht hält er dennoch derzeit für nicht erforderlich. Die Länderverordnungen gewährleisteten de facto eine Stallpflicht im ganzen Bundesgebiet. Gleichwohl betonte Schmidt, dass er sich eine eigene Regelung vorbehalte, sollte die Situation eskalieren. Die Vorteile von Länderregelungen werden im Berliner Agrarressort neben einer größeren Akzeptanz bei den Geflügelhaltern auch in einem höheren Maß an Flexibilität gesehen.


Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter, bezeichnete den weiteren Verlauf der Seuche als nicht vorhersehbar. Dies gelte sowohl für die Dauer der Epidemie als auch für ihre mögliche Ausbreitung. Mettenleiter sprach mit Blick auf die hochpathogene Variante vom Typ H5N8 von einer Wildvogelepidemie mit bislang nur vereinzelten Einträgen in Nutztierbestände. Die Lage schätzt der FLI-Präsident bislang aber als deutlich weniger dramatisch ein als beim letzten Seuchenzug 2006. Mettenleiter berichtete, dass bundesweit inzwischen bei etwa 450 verendeten Wildvögeln das hochansteckende Virus H5N8 nachgewiesen worden sei; lediglich die drei Bundesländer Thüringen, Saarland und Rheinland-Pfalz seien noch nicht betroffen. In Deutschland wurde bisher in 16 Geflügelhaltungen die Geflügelpest nachgewiesen, darunter zwei große Betriebe und zehn kleinere sowie vier Zoos.

 

Virus aus China?


Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisierte unterdessen erneut, dass für das Geflügelpestgeschehen ausschließlich Wildvögel verantwortlich gemacht würden. Der Verband wies darauf hin, dass eine Gruppe unabhängiger Experten des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (WAI) das bisherige Ausbruchgeschehen in Europa detailliert dokumentiert habe. Dabei hätten sich zahlreiche Indizien ergeben, dass die Verbreitung des Virus vor allem durch die Geflügelwirtschaft selbst verursacht werde. NABU-Geschäftsführer Leif Miller warf dem FLI vor, als zuständiges Bundesinstitut bis heute sämtliche Hinweise zu ignorieren, dass Stoffströme innerhalb der Geflügelwirtschaft ein Übertragungsweg seien. Die Ergebnisse des WAI legten nahe, die Fahrtenbücher und GPS-Daten von Tiertransporten auszuwerten, um zu untersuchen, ob sich diese Routen mit den Ausbruchsherden der Krankheit deckten. Für NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann ist es sehr wahrscheinlich, dass das Virus seinen Weg direkt aus der Geflügelwirtschaft in China nach Europa gefunden habe – ohne die Hilfe von Wildvögeln.

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