Agrarökonomen kritisieren Dürrehilfen

28.11.2018

© Sabine Rübensaat

Mehrere namhafte Agrarökonomen haben im Schnelldienst 20/2018 des ifo-Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München – unter dem Titel „Extremwetterlage und Dürreschäden: Sind staatliche Hilfen für die Landwirtschaft erforderlich?“ deutliche Kritik an der Politik des Bundeslandwirtschftsministeriums geübt.

 

Nach Ansicht von Prof. Martin Odening von der Humboldt-Universität zu Berlin haben die Dürrehilfen zwar kurzfristig einen positiven Effekt für die betroffenen Betriebe – daraus folge aber nicht, dass diese Hilfen ökonomisch sinnvoll und langfristig notwendig seien. Es sei davon auszugehen, dass eine unternehmerisch orientierte Landwirtschaft in der Lage sei, wetterbedingte Ertragsschwankungen ohne staatliche Unterstützung zu managen, zum Beispiel durch die Schaffung ausreichender Liquiditätsreserven oder den Abschluss spezieller Versicherungen, so Odening. Als wenig zielführend weist er auch die von den Grünen und von Umweltverbänden angesichts der aktuellen Ernteausfälle erhobene Forderung nach einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktionsweise zurück. Erstens seien von einer ausgeprägten Trockenheit alle Pflanzen betroffen, unabhängig davon, ob sie konventionell oder ökologisch angebaut würden. Zweitens stehe eine Diversifikation des Anbauprogramms, die helfen könne, Erlösschwankungen zu dämpfen, allen Betrieben offen. Und drittens wirkten sich positive Klimaeffekte einer nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland bestenfalls langfristig aus; kurz- und mittelfristig würde sich an Trockenheitsrisiken nichts ändern. Odening gibt zu bedenken, dass die Möglichkeiten, durch Anpassung des Anbauprogramms auf veränderte klimatische Bedingungen zu reagieren, begrenzt seien. Die Agrarbetriebe seien in erster Linie darauf angewiesen, erntebedingte Ertragsschwankungen durch finanzielle Maßnahmen zu glätten.

 

Dr. Carsten Croonenbroeck von der Universität Rostock sieht Wetterschwankungen seit jeher zum Beruf des Landwirts dazugehörig. Deswegen sollten ihm zufolge die Landwirte betrieblich vorsorgen und Risikomanagement betreiben, das sowohl die Bildung von Rücklagen als auch Ernteversicherungen einschließt. Jede Agrarsubvention, jede Förderung, jede Dürrehilfe sei hingegen ein Eingriff in den Markt von außen mit grundsätzlich potenziell verzerrenden Wirkungen, gibt Croonenbroeck zu bedenken. 

 

Auch Prof. Rainer Kühl und Dr. Jörg Müller von der Universität Gießen sind der Ansicht, dass die beschlossene Nothilfe falsche Anreize setzt. Betriebe, die zugunsten der Risikotragfähigkeit und zulasten von Gewinnen Risikomanagement betrieben, erhielten keine Unterstützung; stattdessen werde Betrieben mit strukturellen Defiziten geholfen. Die Dürre zeige die Bedeutung eines betrieblichen Risiko­managements, das der unternehmerischen Eigenverantwortung Rechnung trage, betonen Kühl und Müller. 

 

Schließlich diskutieren Prof. Norbert Hirschauer von der Universität Halle-Wittenberg, Prof. Oliver Mußhoff von der Universität Göttingen und Dr. Frank Offermann vom Thünen-Institut (TI) Braunschweig darüber, wie sich Ad-hoc-Hilfen, Steuererleichterungen und die Subventionierung von Agrarversicherungen für landwirtschaftliche Betriebe auswirken würden und wie sie aus Sicht des betrieblichen Risikomanagements zu bewerten sind. Im Hinblick auf die Dürrehilfen warnen auch sie, dass gerade erfolgsschwache und/oder unvorsichtig geführte und finanzierte Unternehmen durch Einkommenstransfers am Leben erhalten würden. Dass solche Unternehmen Transfers erhielten, sei nicht nur aus Allokationsgesichtspunkten kritisch zu hinterfragen. Vielmehr wäre auch die Gerechtigkeitsfrage zu stellen. Würden in außergewöhnlichen Krisenjahren doch Ad-hoc-Hilfen gewährt, sollten diese mit der eigenverantwortlichen Reservenbildung der Landwirte verknüpft werden. 

 

Unterdessen reagierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit einer Stellungnahme auf die Beiträge der Agrarökonomen. Im Ifo-Schnelldienst 21/2018 verweist die Ressortchefin auf die „strengen und klaren Auflagen“ zu den Dürrehilfen, „die wir den Betrieben gestellt haben“. Klöckner betont, es sei richtig, den Bauern zu helfen, „denn am Ende geht es nicht nur um sie, sondern um uns alle“. Es sei im Interesse aller, dass in Deutschland eine Landwirtschaft erhalten bleibe, die nachhaltig wirtschafte und regionale Produkte erzeuge.  

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