Agrarflächen in Ostdeutschland

14.07.2017

© Thomas Tanneberger

Der Einstieg von nichtlandwirtschaftlichen Investoren in den ostdeutschen Bodenmarkt hält an. Das zeigt eine neue Studie des Thünen-Instituts (TI) für Ländliche Räume zur Situation in Brandenburg. Der Flächenanteil, der im Landkreis Märkisch-Oderland als einer von zwei Untersuchungsregionen dem Thünen-Institut zufolge von Investoren bewirtschaftet wird, übertrifft den Wert, den die Wissenschaftler in einer Vorgängerstudie von 2015 in Mecklenburg-Vorpommern ermittelt hatten. Rund ein Fünftel des Flächenübergangs auf neue Eigentümer erfolgte über Anteilskäufe. Beiden untersuchten Landkreisen, neben Märkisch-Oderland der Landkreis Teltow-Fläming, bescheinigt das Thünen-Institut in Bezug auf die Investoren in den letzten Jahren eine ausgeprägte Dynamik.

 

Ein Fünftel über Anteilserwerb


Laut der Thünen-Studie sind im Landkreis Märkisch Oderland 44 % der untersuchten Unternehmen im Mehrheitseigentum von überregional aktiven Investoren. Diese bewirtschaften zusammen 38 % der analysierten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF). Jeweils die Hälfte davon entfällt auf landwirtschaftsnahe sowie auf nichtlandwirtschaftliche Investoren. Deutlich geringer sind indes die entsprechenden Anteile im Landkreis Teltow-Fläming als zweitem Untersuchungsgebiet der Braunschweiger Wissenschaftler. Dort gehören 25 % der untersuchten Unternehmen, die zusammen 17 % der analysierten LF bewirtschaften, mehrheitlich überregional aktiven Investoren.

 

Den landwirtschaftsnahen Investoren werden 5 % der analysierten LF zugerechnet, den nichtlandwirtschaftlichen 12 %. Der Umfang der Fläche, die mit Anteilskäufen auf neue Eigentümer übergegangen ist, beträgt nach Schätzungen in Märkisch-Oderland 21 % der statistisch erfassten Flächenkäufe, in Teltow-Fläming sogar 25 %. Diese Werte entsprechen in der Größenordnung dem Mittelwert aus den bisherigen Fallstudien.


Der Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Dr. Hermann Onko Aeikens, wertet die Ergebnisse als Bestätigung für den politischen Handlungsbedarf im Bereich Bodenmarkt. Unterdessen warf die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, der Koalition vor, sie wolle das Investoren-Problem aussitzen. Angesichts des Transfers von immer mehr Agrarflächen „in die Hände von landwirtschaftsfremden Investoren und Spekulanten“ bezeichnete sie eine strengere Regulierung des Bodenmarkts als dringend notwendig. Der Verweis auf die Länderzuständigkeit nannte Tackmann „Drückebergerei“. Gegen bundesweit und international agierende Strukturen sei eine entsprechende Strategie notwendig. Ein Antrag ihrer Fraktion für eine strengere Regulierung des Bodenmarkts ist in der Sitzung des Ernährungsausschusses Mitte Juni ebenso abgelehnt worden wie ein Grünen-Antrag für ein Bundesprogramm zugunsten von Betriebsneugründungen.

 

Anteilsverkäufe generell unterbinden?


In dem erwähnten Antrag hatte die Linke eine Offenlegung der Besitzverhältnisse auf dem Bodenmarkt, die Ausweisung von Tochterunternehmen im Rahmen der Agrarstrukturerhebung sowie eine Genehmigungspflicht von Anteilskäufen an landwirtschaftlichen Unternehmen verlangt. Freie Geschäfte dieser Art müssten unterbunden werden. Zudem sollte die Grunderwerbssteuer bei Ausübung des gesetzlichen Vorkaufsrechts und Weiterveräußerung durch Landgesellschaften nur einmal erhoben werden. Zudem will die Linke die Einrichtung eines öffentlichen Bodenfonds prüfen lassen.

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