Agrarbündnis: Nicht alles abnicken

28.01.2014

© Thomas Tanneberger

Hubert Weiger, Esther Müller, Alexander Gerber, Frieder Thomas, Bernd Voß (von links)

Im Engagement für eine artgerechtere Tierhaltung, einer grünen und gerechten Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland und des Freihandelsabkommens (TTIP) zwischen der EU und den USA sieht das AgrarBündnis den Schwerpunkt seiner Tätigkeiten in den kommenden Monaten. Das haben Vertreter bei der Vorstellung des „Kritischen Agrarberichtes 2014“ am 16. Januar zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche (IGW) vor Journalisten in Berlin deutlich gemacht. In dem 300 Seiten starken Bericht haben die 24 Verbände aus Landwirtschaft, Umweltschutz, Tierhaltung und Entwicklungsarbeit in diesem Jahr den Fokus auf die „Tiere in der Landwirtschaft“ gelegt. „Wir müssen anders produzieren, aber wir müssen auch anders kommunizieren“, betonte der Geschäftsführer des AgrarBündnisses, Dr. Frieder Thomas. Er sieht hierin ein komplexes Thema, das nicht allein zu stemmen sei.


Der Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), Prof. Hubert Weiger, forderte mit Blick auf die TTIP-Verhandlungen die neue Bundesregierung auf, die „Geheimverhandlungen“ zu beenden. Die hierzulande erreichten Standards dürften nicht aufgegeben werden. Eine Mehrheit der deutschen Verbraucher wolle keine Gentechnik. „Die Bundesregierung muss sich für den Schutz der europäischen und der deutschen Bürger einsetzen“, erklärte Weiger. Gleichzeitig forderte er den Deutschen Bauernverband (DBV) auf, sich in dieser Angelegenheit klar zu positionieren, ob er für Agrarindustrie oder für eine bäuerliche Landwirtschaft stehe.


Nach Auffassung von Dr. Esther Müller vom Deutschen Tierschutzbund (DTB) ist mehr Tierschutz absolut notwendig. Sie hält einen Systemwechsel für überfällig. „Wir müssen weg von Hühnern, die nicht mehr laufen können, oder von Kühen, bei denen nur die Tagesleistung zählt“, sagte Müller. Der Verein Neuland zeige seit 25 Jahren, dass es auch anders gehe. Gleichzeitig verwies Müller auf das DTB-Label „Mehr Tierschutz“, das es seit mehr als einem Jahr gebe. Sie zeigte sich zudem überzeugt davon, dass bei einem Systemwechsel auch der Handel eine wichtige Rolle spiele, und appellierte an diesen, dem Willen der Verbraucher nach mehr Tierschutz nachzukommen.


Demeter-Vorstand Dr. Alexander Gerber sieht die Alternative im Ökolandbau. „Wir brauchen Tiere in der Landwirtschaft. Es kommt nur auf das Wie an“, unterstrich Gerber. Er forderte die Bundesregierung auf, einen Umsetzungsplan zu erarbeiten, wie die Tierbestände in artgerechte Haltungsformen überführt werden könnten. Eine Lösungsmöglichkeit sei die Stickstoff-Besteuerung. Dadurch würde die Tierhaltung automatisch teurer. Auf diese Weise könne die Überdüngung gestoppt werden und angemessene Größenbestände erhielten Einzug auf den Höfen. „Auf die Energiewende wird die Agrarbeziehungsweise Ernährungswende folgen müssen“, so Gerber abschließend.
Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bernd Voß, hob hervor, dass eine Vielfalt an landwirtschaftlichen Betrieben notwendig sei. In den letzten zehn Jahren seien 30 % der Betriebe verloren gegangen. Im Hinblick auf die TTIP-Verhandlungen betonte er, dass es dabei nicht um den Zollabbau gehe, sondern um die Abschaffung europäischer und auch amerikanischer Standards. Viele Verbraucherbereiche würden ausgehebelt, so Voß. Für ihn sei jedoch die Sicherheit eine elementare Frage für Verbraucher und Bauern.

 

 

Schlechte Rahmenbedingungen für Ökolandbau

Berlin. Die politischen Rahmenbedingungen für den Ökolandbau sind nach den Worten von Bioland-Präsident Jan Plagge in Deutschland derzeit äußerst unbefriedigend. Zwar habe Bioland im vergangenen Jahr mit 1,1 % erneut eine steigende Mitgliederzahl verzeichnet, doch mit dem voraussichtlichen Marktwachstum in Höhe von 5 bis 10 % könne man überhaupt nicht mithalten.
Damit sich eine bäuerlich-ökologische Tierhaltung zu einer echten Alternative für Landwirte und Verbraucher entwickeln kann, forderte Plagge vor Journalisten im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin mehr Unterstützung seitens der Politik. Plagge sprach sich für Freilaufmöglichkeiten für Rinder, Schweine und Hühner aus; dies sei artgerecht. Der Bioland-Verband verwies in diesem Zusammenhang auf das 2007 eigens eingeführte und kürzlich neu aufgelegte Handbuch Tierwohl, bei dem nun auch Biokreis, Demeter und Naturland engagiert seien. In dem Werk seien Instrumente zur Verbesserung des Tierwohls auf den Betrieben zu finden. AgE/ta

 

 

 

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