Agrar-Report zur biologischen Vielfalt

30.06.2017

© Thomas Tanneberger

Agrar-Report zur biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft – so heißt das neue Papier, das die BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel derzeit alarmiert. Die Studie zeige einen anhaltenden Artenrückgang in der Agrarlandschaft, weswegen dringend deutliche Anpassungen in der Agrarpolitik erforderlich seien, so Jessel bei der Vorstellung des Reports in Berlin. 

 

Ungeahnte Ausmaße


Der „Agrar-Report“, den Mitarbeiter ihres Hauses zusammengestellt haben, zeige in der Agrarlandschaft einen Schwund von Tier- und Pflanzengruppen von normalen Kulturbegleitern bis hin zu sogenannten Allerweltsarten, so Jessel. Besonders stutzig mache, dass selbst bisher ungefährdete Flächen, wie zum Beispiel blühende Mähwiesen, artenschutzseitig unter Druck gerieten.


Vor dem Hintergrund der neuen Studie kritisierte die BfN-Präsidentin die derzeitige landwirtschaftliche Förderpolitik scharf. Die Wirkung des Greenings sei enttäuschend gering. Sie erinnerte daran, dass die Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) ursprünglich für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt geschaffen worden seien. Allerdings bewältige man die Anforderungen für den überwiegenden Teil dieser Flächen durch den Anbau von Zwischenfrüchten und Leguminosen, die keinen Mehrwert für die biologische Vielfalt erbrächten. Jessel räumte ein, dass Zwischenfrüchte und Leguminosen zweifelsohne wichtige Elemente der herkömmlichen Bewirtschaftung und Fruchtfolge seien. Für die Förderung der Biodiversität seien allerdings andere Maßnahmen erfolgversprechender, wie die Anlage von Blühstreifen auch in den Feldern und eine ausreichende Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft. Mit Blick auf die Maßnahmen aus der Zweiten Säule zeigte Jessel eine deutliche Finanzierungslücke auf. Selbst die einfachen Grundaufgaben der rechtlich zwingend vorgegebenen EU-Naturschutzrichtlinie ließen sich damit nicht erfüllen.

 

Weg mit der Gießkanne!


Für die Zukunft forderte die BfN-Präsidentin ein Ende der undifferenzierten Zahlungen und die Ausrichtung am Grundsatz „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“. Die Anreize für eine naturverträgliche Bewirtschaftung müssten erhöht sowie der Verwaltungsaufwand und das Anlastrisiko verringert werden, betonte Jessel.


Ein Mindestmaß an Biodiversität müsse auch in Intensivregionen sichergestellt werden. Die reine Umstellung auf den Ökoanbau allein hält Jessel dabei nicht für zielführend. Diese Bewirtschaftungsweise sei ohne Zweifel ressourcenschonend, reiche aber für die Förderung der biologischen Vielfalt nicht aus, sagte die Präsidentin. Auch in diesem Bereich müsse man auf ausreichende Strukturvielfalt achten.

 

Vielfältige Reaktionen


Auf die Ausführungen der BfN-Präsidentin gab es unterschiedliche Reaktionen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt beklagte, dass schon wieder eine Behörde aus dem Ressort des Umweltministeriums die Landwirtschaft an den Pranger stelle. Alarmismus und Panikmache sollten aber nicht die Kommunikation staatlicher Institutionen prägen, nur um im allgemeinen Aufmerksamkeitswettlauf zu punkten.


Der Deutsche Bauernverband (DBV) hielt dem BfN eine „eindimensionale Betrachtung“ vor. Er erinnerte daran, dass die Artenvielfalt auch unter Landschaftsverbrauch, Beutegreifern, Klimawandel sowie der Bejagung von Zugvögeln leide. Für ein Insektensterben des postulierten Ausmaßes fehlten bislang Beweise.


Die grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner und Steffi Lemke erklärten indes, es sei gut, dass jetzt auch eine Bundesbehörde die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuausrichtung der Agrarpolitik erkenne. Das unterstütze die Forderung der Grünen nach einer Agrarwende. Der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, bekräftigte seine Forderung nach einem EU-Naturschutzfonds sowie nach Mitteln für den Agrarumbau.

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