Absehbare Änderungen der Betriebsstruktur

21.11.2018

© Sabine Rübensaat

Keine grundlegenden Änderungen in der Agrarunternehmensstruktur in Deutschland erwartet das Thünen-Institut (TI) für die nächsten Jahre. „Familienbetriebe werden weiter dominieren“, sagte Bernhard Forstner vom Institut für Betriebswirtschaft bei der Jahresversammlung des Europäischen Netzwerks der Agrarsozialversicherungssysteme (ENASP) in Berlin. Der Wissenschaftler wies aber zugleich darauf hin, dass die Familienbetriebe selbst einem erheblichen Wandel unterzogen seien und sich ihr klassisches Bild ändere. „Familienbetriebe werden größer, komplexer und auch wettbewerbs­orientierter“, betonte Forstner. Merkmale dafür seien die Bildung von Kooperationen, eine voranschreitende Diversifizierung mit der Gründung neuer Unternehmenszweige, beispielsweise in den Bereichen Verarbeitung und Absatz von Agrarprodukten oder landwirtschaftliche und landwirtschaftsnahe Dienstleistungen, sowie die Beteiligung an anderen Betrieben. Der Wissenschaftler sprach von einer weiter zunehmenden Professionalisierung und einer Abnahme der „Bäuerlichkeit“. Gleichzeitig stiegen die Bedeutung von Fremdarbeitskräften und die Inanspruchnahme von professionellen Dienstleistungsangeboten. 

 

Forstner nannte eine große Akzeptanz in der Bevölkerung als einen der Vorteile, den Familienbetriebe im Vergleich zu Kapitalgesellschaften aufwiesen. Hinzu komme ein hohes Maß an Flexibilität, die vor allem in Krisensitua­tionen zum Tragen komme, aber auch eine breite politische Unterstützung. Nicht überschätzt werden dürfe indes die Betriebsgröße. In vielen erfolgreichen und dynamischen Familienbetrieben sei die Größe von untergeordneter Bedeutung. Keinen entscheidenden Einfluss auf die grundsätzlichen Trends in der Entwicklung der Agrarstruktur habe auch die EU-Agrarpolitik. Anpassungsbedarf sieht der Agrarökonom in der Agrarstatistik. Dort spiegle sich die wachsende Komplexität der Familienunternehmen kaum wider. Dies habe erhebliche Auswirkungen auf die Qualität von Struktur- und Einkommensana­lysen sowie mögliche agrarpolitische Schlussfolgerungen.

 

ENASP-Präsident Martin Empl erinnerte daran, dass die gesamte Landwirtschaft ebenso wie die landwirtschaftliche Sozialversicherung (LSV) auf gesamtgesellschaftliche Solidarität angewiesen sei. Daran müsse man arbeiten, „da die Anforderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft deutlich zugenommen haben“, so der Vorstandsvorsitzende der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

 

Die ENASP-Jahrestagung stand unter dem Motto „Sozialer Zusammenhalt – entscheidend für die Zukunft der Landwirtschaft in Europa“. Nach den Worten Empls bedeutet sozialer Zusammenhalt in der Landwirtschaft konkret auch sozialer Schutz für die in der Landwirtschaft lebenden und arbeitenden Menschen. „Die landwirtschaftliche Sozialversicherung hat mehr mit sozialem Zusammenhalt zu tun als Außenstehende annehmen“, erklärte der SVLFG-Vorsitzende. Die LSV gewähre sozialen Schutz, der auf die Bedürfnisse der Menschen und Betriebe zugeschnitten sei. Dafür brauche sie innerlandwirtschaftliche Solidarität „über Betriebe hinweg, über Produktionsverfahren hinweg, aber auch über Generationen hinweg“. 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr