Zuchtbockauktion: Bescheidenes Interesse

18.02.2016

© Frank Hartmann

Begutachtung der Böcke vor der Schöndorfer Auktion.

Sollte der aktuelle Zustand der Schafhaltung in Thüringen seinen Ausdruck im Verlauf der jüngsten Bockauktion finden, müssten spätestens jetzt die Alarmglocken läuten. Denn mit 58 Tieren fand lediglich ein gutes Drittel der aufgetriebenen 157 Zuchtböcke zur diesjährigen Auftakt-Auktion des Schafzuchtverbandes Anfang Februar in Weimar-Schöndorf einen Käufer. Neben seiner Signalwirkung hat das schlechte Ergebnis unmittelbare Auswirkungen: Die Herdbuchbetriebe bleiben auf den Unkosten für die Aufzucht und Leistungsprüfung ihrer Böcke sitzen. Und dem Schafzuchtverband entgehen dringend benötigte Provisionen für die Deckung seines ohnehin schmalen Haushaltes.  

 

Bestandsabbau verlangt weniger Böcke


Von dem Ausmaß des schlechten Verkaufs selbst überrascht, sei das Ergebnis sicher auch dem enormen Rückgang der Schafbestände geschuldet, schätzt Verbandszuchtleiter Arno Rudolph ein. Binnen eines Jahres erfasste die Agrarstatistik eine Reduzierung der Mutterschafzahlen von acht Prozent oder 8 200 Tieren auf nunmehr noch 95 500. Damit nähert sich Thüringen einer Halbierung des Bestandes in nur 20 Jahren an.


Besonders enttäuscht vom Auktionstag zeigten sich die Anbieter von Merinolangwollböcken: Von den aufgetriebenen 55 Tieren gingen nur elf weg. Der Abkauf bei den beiden Fleischschafrassen – Schwarzköpfiges Fleischschaf und Suffolk – war für die Züchter hingegen zufriedenstellend. „Bei den Fleischrassen haben in den letzten Jahren einige Züchter ihre Herdbuchzucht ganz oder teilweise aufgegeben, sodass hier schon weniger Böcke zur Körung und Auktion gemeldet wurden“, erläutert Arno Rudolph. So konnten 16 der 19 Tiere beider Rassen in Weimar-Schöndorf verkauft werden.


Den überwiegenden Teil der versteigerten 58 Zuchtböcke erwarben laut Zuchtverband Schäfereibetriebe aus Südthüringen. Das spiegle die hohe Bestandsdichte in der grünlandreichen, benachteiligten Region wider.
Dass sich ihre Berufskollegen aus Mittel-, Ost- und Nordthüringen beim Bockkauf zurückhielten, ist nicht zuletzt auf eine große Verunsicherung zurückzuführen. Wie Schäfer am Rande der Auktion berichteten, fielen die jüngst zugestellten Bewilligungsbescheide häufig negativ aus. Im nichtbenachteiligten Gebiet hätte sich die Förderkulisse verändert. In der Folge fielen Grünlandflächen heraus, für die die Betriebe keine KULAP-Förderung mehr erhalten. Hinzu kam, dass die KULAP-Maßnahme „Artenreiches Grünland“ (4 Kennarten) wegen Überzeichnung gestrichen worden war.

 

Kein Ende: Betriebe erwägen Ausstieg


Erst Ende letzten Jahres hatte die TLL in einem Betriebsvergleich gezeigt, dass Schäfereibetriebe außerhalb benachteiligter Gebiete (Bena) einem höheren wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sind als ihre Kollegen, die in der Bena-Kulisse wirtschaften.


Dass der Rückgang der Schafbestände den Tiefpunkt erreicht hat, ist nicht abzusehen. Einige Schäfer gaben zu verstehen, dass sie ernsthaft die Betriebsaufgabe bzw. den Verkauf ihrer Schafe in Erwägung ziehen würden.

 

Die Höchstgebote
■ Das höchste Gebot der Auktion am 4. Februar wurde für einen Merinolandschafbock aus der Zucht von Wiegand Bogk (Udersleben) abgegeben. Das 1a-prämierte Tier war dem Käufer 1 700 € wert. Jens-Uwe Otto (Rohr) fuhr hier mit 1 400 € das zweitbeste Ergebnis ein. Bei den Merinolangwollschafen ging ein 1a-prämierter Bock der Agrarprodukte Schwabhausen eG für 750 € weg; für einen weiteren Bock der Schwabhausener zahlte ein Züchter 500 €.

■ Den teuersten Bock bei den Schwarzköpfigen Fleischschafen trieb in Schöndorf Klaus-Dieter Knoll (Jena) auf, mit dem er 950 € erlöste. Mit 900 € stellte Frank Matzat (Gommla) das zweitteuerste Tier dieser Rasse. Die höchsten Gebote bei den Suffolks erreichten Böcke von Ingo Schulze (Udersleben) mit 550 bzw. 500 €.

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