Wieder Leben auf den Äckern

12.04.2018

© Frank Hartmann

Saatbettbereitung für und Aussaat von Sommergerste im TLPVG bei Weimar-Schöndorf.

Mit gut 14 Tagen Verspätung startete die Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut GmbH in Buttelstedt (TLPVG) in der vorigen Woche in die Frühjahrsbestellung. Bei guten Bedingungen und mit spürbarer Freude konnte in Weimar-Schöndorf Sommergerste der Sorte Avalon gedrillt werden. Die kräftigen Niederschläge seit der zweiten Jahreshälfte 2017 sorgten für gute Wasserbodenvorräte, „nach drei Jahren mit Defiziten“, so Geschäftsführer Dr. Sven Reimann.


Kahlfröste dünnten die Rapsbestände aus. „Mit der einsetzenden Bodenerwärmung wird sich zeigen, wie vital der Raps noch ist.“  Sichtbare Frostschäden gebe es auf vereinzelten Schlägen, vornehmlich mit schweren Böden, wo bis zu 20 % des Bestandes herausgefroren sind, berichtet Pflanzenbauleiter Andreas Kröckel. Abhängig vom Standort zeigten die Gelbschalen den ersten nennenswerten Zuflug von Schädlingen an. Beeindruckt zeigt sich der TLPVG-Pflanzenbauleiter von den Rapspflanzen auf einem 4,5 ha großen Schlag, die mit einem Vorführgerät (Claydon) nach der Weizenernte per Strip-Till-Verfahren direkt gedrillt wurden. „Ich bin gespannt, wie sich der Bestand, den ich jetzt im Frühjahr gegen Ausfallweizen behandeln werde, entwickelt.“ Kröckel könnte sich mit einer Ausweitung der Direktsaat durchaus anfreunden.


Unauffällig und „normal“ präsentiert sich das Wintergetreide. Erstaunlich gut entwickelt haben sich die mit Anfang November erst spät gedrillten Weizenschläge. Selbst das Ackergras, das relativ hoch gewachsen in den Winter ging, überstand die Kahlfröste „überraschend problemlos“, urteilt Kröckel. Nach der Sommergerste stehen laut Anbauplanung in den kommenden Tagen und Wochen die Aussaat von Erbsen, Ackerbohnen und Soja sowie die von Zuckerrüben und Mais an.


Gleichwohl die Güllelagerkapazität des TLPVG noch 20 % Reserve anzeigt, sei man im Februar und März einigermaßen wachsam gewesen, sagt Reimann. Auf zwei Weizenschlägen konnte das Pflanzenbauteam, nach einer ersten mineralischen Gabe, mit Gülle düngen. „Das ist alles andere als optimal.“ Die organische Frühjahrsdüngung im Raps werde durch technologische Grenzen ausgebremst: „Bei 24 Meter Spurbreite und 600 Meter langen Schlägen müssten wir für eine Überfahrt drei Mal nachtanken. Das geht verständlicherweise nicht.“


So blieben in den kommenden Wochen und Monaten für die Gülledüngung nur noch die Maisschläge und das Ackergras. „Im besten Fall ist das Güllelager danach ‚nur‘ noch zur Hälfte gefüllt. Und dies bedeutet, dass wir eine beachtliche Hypothek mit in den Herbst nehmen werden.“ Reimann will sich nicht ausmalen, wie es viehstarken Betrieben ergehen wird, sollte die Witterung wie im vergangenen Jahr die Gülleausbringung stoppen. „Man kann es drehen und wenden wie man will: Uns fehlen die Weizenflächen im Herbst.“ Im TLPVG, wo man, wie Kröckel sagt, nicht auf Höchstertrag düngt, sondern die Gesamtleistung im Blick hat, fällt der N-Saldo-Überschuss im dreijährigen Mittel mit 7  kg/ha eigentlich schon zu niedrig aus, weiß Reimann.


Reagieren musste Buttelstedt freilich bei seinen ökologischen Vorrangflächen. „Großkörnige Leguminosen ohne Pflanzenschutz funktionieren betriebswirtschaftlich einfach nicht.“ Sie bleiben, wie die Luzerne, zwar wichtige Fruchtfolgeglieder. Zur Anrechnung beim Greening kommen nun jedoch weitere zehn Hektar mit einjährigen Blühstreifen hinzu.

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