Treffpunkt der Experten

28.07.2015

© Harald Lachmann

Keine Frage: Die Rundfahrt des Thüringer Braugerstenvereins und der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft zählt bundesweit zu den renommiertesten Treffen ihrer Art.

Drei riesige Gelenkbusse waren nötig, um die über hundert Landwirte, Brauer, Mälzer, Wirtschaftsförderer und Großhändler aufzunehmen, die am letzten Junitag zur tradionellen Feldrundfahrt des Braugerstenvereins angereist waren. Dass die Veranstaltung unter den bundesweiten Experten in Gerstenbau und Braukunst solch einen Anklang findet, freute nicht nur Vereinsgeschäftsführer Dr. Martin Farack, der auf dem Betriebshof der Landhandelsgesellschaft eG Schmölln den Gästen eine erste fachliche Einführung gab.


Gut möglich, dass das enorme Interesse auch ein wenig der schwierigen aktuellen Anbausituation geschuldet ist. Landesweit leiden die meisten Bestände unter den Folgen stark ausgeprägter Frühjahrs-
trockenheit. Das wird absehbar die Erträge drücken und wohl auch die Gesamtmenge, obwohl die Braugerstenfläche im Freistaat nach dem historischen Tief des Vorjahres wenigstens wieder um rund 2 000 ha auf 29  780 ha angewachsen ist. Freilich kein Vergleich mit den 50 000 ha, die noch vor zehn Jahren dem Braugerstenanbau dienten, aber seitdem sei eben auch auf der Nachfrageseiten allerhand passiert, hieß es aus Fachkreisen. Erst im letzten Halbjahr sei der Bierumsatz in Thüringen um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen.

 

Fahrt mit drei Stationen


Zeit für Trübsal ließen sich die Gäste jedoch nicht. Sie waren zur Inspektion dreier Braugerstenschläge in Ostthüringen eingeladen.

 

Die erste Station war traditionell beim Sieger des vorjährigen Braugerstenwettbewerbs angesetzt, weswegen die Busse die Straße nach Teichwolframsdorf nahmen. Eric Simon, der im sächsischen Pillnitz Landwirtschaft studiert hat und seit 2012 als Abteilungsleiter Pflanzenbau in der Teichwolframsdorfer Agrar GmbH arbeitet, begrüßte die Gäste  dort herzlich und beeindruckte sie mit einem 43 Hektar-Schlag, auf dem sein Unternehmen nach Silomais die bewährte Sorte „Quench“ anbaut. Die Aussaat ist, wie er informierte, am 19. März erfolgt. Hinsichtlich der Ertragserwartungen gab sich Simon trotz der sehr guten Optik des Bestandes zurückhaltend. Einen Anhaltspunkt lieferte lediglich Dr. Farack, der eingangs erwähnt hatte, dass man aufgrund der Trockenheit in Mittel- und Südthüringen den landesweiten Mittelwert der letzten Jahre von 55 dt/ha teils spürbar verfehlen werde. Dies dürfte auch in Teichwolframsdorf die Ergebnisse mitbestimmen.


Am selben Standort führte Dr. Uwe Jentzsch von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) die Gäste dann durch eine Sortendemonstration. Acht neue Sorten konnte er den angereisten Experten vorstellen, von denen einige – so „Catamaran“ (Sejet/KWS Lochow) und „Solist“ (Saatzucht Streng-Engelen/I.G. Pflanzenzucht) – bereits eine Empfehlung durch den Thüringer Braugerstenverein erhalten haben. Andere, wie die laut Jentzsch „sehr interessante“ Sorte „RGT Planet“ (R.A.G.T. Saaten Deutschland/BayWa) oder „Piper“ (Syngenta Seeds), seien bereits für den örtlichen Anbau zugelassen, „Piper“ vorerst jedoch nur in Großbritannien. „Ventina“ (Saatzucht Josef Breun/Limagrain) könne mit einer Empfehlung durch den Fachverband rechnen, so der Versuchsexperte.

 

Starke Barke


Am nächsten Schlag bekam die Braugerstengemeinschaft eine „lebende Legende“ geboten. Die Agrar eG Rückersdorf hält auf dem Standort Zellen/Lerchenberg der Sorte „Barke“ die Treue. Die Sommergerste, die laut Produktionsleiter Ingo Dippmann in Rückersdorf stets nach Weizen statt nach Mais bestellt wird, stand bereits sichtlich gut im Feld. So gab sich Dippmann durchaus optimistisch: „Wir erwarten eine ähnlich gute Ernte wie 2014!“


An der dritten Station der Fahrt, auf den Feldern der Agrar eG Thonhausen, begrüßte die gerade 24 Jahre junge Christin Pfeiffer die Besucher. Sie habe sich schon im Studium der Gerste verschreiben, berichtete sie und gab Einblicke in die Inhalte ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule Anhalt in Bernburg. Unter dem Thema „Qualitäts- und Ertragssicherung der Braugerste mithilfe unterschiedlicher Bodenbearbeitungs- und Düngestrategien“ habe sie Parzellenversuche mit der Sorte „Marthe“ durchgeführt. Ziel ihrer Untersuchungen sei es, so Christin Pfeiffer, Wege zur Minimierung von Anbaurisken im Sommergerstenanbau großer Landwirtschaftsbetriebe zu ermitteln.


Der Thonhausener Feldbauexperte Bert Schädel zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen „seiner“ Nachwuchsfachkraft. Die aktuelle Marktlage jedoch gebe schon ein wenig Anlass zur Sorge, so Schädel in der abschließenden Auswertung der Feldrundfahrt. Vor allem die geringen Preise seien ein großes Problem, da sie den Landwirten wenig Anreiz zum Braugerstenanbau böten. Zudem müsse man die Ertragserwartungen in diesem Jahr wohl auch deutlich herunterschrauben: 55 dt/ha sah Schädel, ähnlich wie die Landwirte in Teichwolframsdorf und Rückersdorf, als erwartbare Obergrenze an. Trost gab da den Teilnehmern nur die Küche, die mit Schmöllner Mutzbraten, Sauerkraut und Greizer Pils die Gäste sehr erfreute.

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr