Tierschutzpreise 2015 verliehen

05.10.2015

© Frank Hartmann

Alle Preisträger mit Ministerin Werner (M.). Neben den Landwirtschaftsbetrieben wurden der Tierarzt Dr. Norbert Michel (r.) aus Apolda für sein berufliches und gemeinnütziges Engagement sowie Andrea Rücker aus Altenburg (4. v. l.) für ihre ehrenamtliche Tätigkeit gewürdigt.

Drei landwirtschaftliche Betriebe und zwei Tierschützer sind in Mühlberg mit dem „Tierschutzpreis 2015“ des Freistaates ausgezeichnet worden. 19 Vorschläge waren bei dem zum 21. Mal ausgelobten Wettbewerb eingesandt worden, fünf Preisträger wählte die Jury am Ende als preiswürdig aus.


Sozialministerin Werner stellte bei der feierlichen Übergabe klar, dass sich die Landesregierung zu einem nachhaltigen Tierschutz bekenne und alle Maßnahmen unterstütze, die zu einer konsequenten Umsetzung des Tierschutzes beitrügen. „Dabei liegt uns die artgerechte landwirtschaftliche Nutztierhaltung besonders am Herzen“, so die Ministerin. Mit der geplanten Entwicklung einer Tierwohlstrategie in der Nutztierhaltung verfolge man das Ziel, Haltungsbedingungen zu etablieren, die die Tiergesundheit verbessern und den Antibiotika-Einsatz reduzieren.

 

Lob für Initiativen


Werner rief das mediale Interesse an Missständen in der „Massentierhaltung“ ins Gedächtnis, wies zugleich aber darauf hin, dass nicht die Anzahl gehaltener Tiere, sondern die Bedingungen des Einzeltieres zu bewerten seien. Laut Werner würden die ausgezeichneten Betriebe zeigen, dass sich tiergerechte Haltungsbedingungen und die Wirtschaftlichkeit nicht entgegenstehen müssten. Als Beispiele aktueller Debatten nannte Werner an dieser Stelle das Schnabelkürzen, die Anbindehaltung, das Schwanzkupieren oder die betäubunglose Kastration. Sie vergaß nicht, Initiativen wie die Tierwohlstrategie und andere Branchenvereinbarungen zu loben.

 

Ausgezeichnet mit dem Tierschutzpreis wurde die Schumann & Kuhnert GbR in Weida für ihre tierschutzgerechte Milchviehhaltung. Zur Ehrung durch die Ministerin war eigens die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg gekommen.
Der Familienbetrieb errichtete 2014 einen neuen Stall für 128 Milchkühe. Gemolken werden die Kühe im freien Kuhverkehr mit einem Automatischen Melksystem. Den Tieren stünden großzügige Bereiche für den Zeitraum um die Kalbung zur Verfügung, hieß es in der Begründung. Alle Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, Stress für die Kühe zu vermeiden. Ein automatisches Fütterungssystem gewährleiste, dass das Futter immer frisch in den Trog gelangen könne. Verschmutzungen des Futters und des Futterganges verhindere ein Schienensystem. Dreimal jährlich kommt der Klauenpfleger. Spaltenroboter sorgten für saubere Laufflächen und gute Klauengesundheit. Tragende Färsen und Trockensteher könnten im Sommer die stallnahen Weiden nutzen. Den Tränkkälbern stehe eine große Strohbucht mit Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung.  Mit der Hühnerwelt Vital GmbH in der Gemeinde Drei Gleichen wurden der Wanderslebener Geflügel-Fachtierarzt Dr. Heiko Bonsack und sein Sohn Klaus für die tierschutzgerechte Aufzucht und Haltung von Junghennen ausgezeichnet. In dem Betrieb werden jeweils 26 500 Bio-Junghennen gehalten. Beim Bau sei Augenmerk auf leicht zu reinigende und zu desinfizierende Oberflächen gelegt und eine Spaltbildung fast völlig vermieden worden. Dadurch gelinge es dem Betrieb, in den Service-Perioden alle Stallbereiche keim- und parasitenfrei zu halten. Bisher hätten Junghennen in sechs Durchgängen ohne den Einsatz von Antibiotika und Antiparasitaria erfolgreich aufgezogen werden können. Eine Fußbodenheizung sorge dafür, die Einstreu über die gesamte Aufzuchtperiode trocken zu halten, was gute Möglichkeit zum Scharren biete. Ein durchdachtes Entmistungsverfahren und die Belüftung der Kotbänder minimierten die Entwicklung von Schadgasen. Als Beschäftigungsmaterial bietet man den Tieren Dinkelspelzen und Silage im Stall sowie Stroh im Außenklimabereich an. Ab der zehnten Lebenswoche haben die Junghennen uneingeschränkten Auslauf im Grünland. Weder erfolge ein Kürzen der Schnabelspitzen noch seien Federpicken oder Kannibalismus zu verzeichnen.

 

Modern für 600 Kühe


Mit der Gönnatal Agrar eG in  Lehesten erhielt ein großer Gemischtbetrieb den Preis für seine tierschutzgerechte Milchviehhaltung verliehen. Am Standort in Zimmern sei während einer Zeit von drei Jahren durch Neubau und Umbau ein hochmoderner Komplex für 600 Milchkühe mit Nachzucht entstanden. Dessen Herzstück bilde der Kuhstall. Die isolierte Stallhülle gewährleiste Licht und Luft. Den Fressbereich zeichneten breite Laufgänge mit Gummimatten aus. Für die Laufgänge des Liegebereichs wählte der Betrieb Gussasphalt, was den Bewegungsapparat der Tiere besonders schone. Zum Abkalben stehen Gruppenboxen zur Verfügung. Das Kälberdorf verfüge über Einzeliglus und Gruppenboxen. Komplett neu gebaut wurde zudem der Jungvieh- und Färsenstall.



In den kommenden Wochen stellt die BauernZeitung die landwirtschaftlichen Preisträger im Detail vor.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr