Thüringer Tierschutzpreis

19.10.2017

© TMASGFF

Bei der Verleihung des Tierschutzpreises 2017 mit dem Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes, Gerd Fischer, und Sozialministerin Heike Werner: Familie und Mitarbeiter der GbR Gerbothe-Wiesner.

Zum 23. Mal hat der Freistaat den Thüringer Tierschutzpreis verliehen. Die Festveranstaltung fand in der Güterverwaltung „Nicolaus Schmidt“ in Rothenacker statt, einem der drei landwirtschaftlichen Preisträger des Jahres 2017. Der Tierschutzbeirat hatte über 21 Vorschläge zu befinden, wovon sich sechs als preiswürdig herausstellten. Sozialministerin Heike Werner erklärte, dass der Tierschutzpreis eine Anerkennung für herausragende Leistungen derer sei, die sich ehrenamtlich oder von Berufs wegen im Tierschutz engagieren. „Der Tierschutz braucht Vorbilder sowohl in der Heimtier- als auch in der Nutztierhaltung.“


Dass große Landwirtschaftsbetriebe als Vorbild taugen, stellte die Jury nicht zum ersten Mal heraus. Vorgeschlagen von der TLL und dem LTR, bekam die Güterverwaltung in Rothenacker den Tierschutzpreis zuerkannt, die, so die Jury, mit ihren im Sommer 2016 fertiggestellten neuen Ställen „Maßstäbe gesetzt“ habe. Schon davor zählte der Betrieb zu den Spitzenbetrieben. Die Jury hob hervor, dass der Güterverwaltung eine „Kombination modernster Arbeits-, gepaart mit den besten Betreuungs- und Haltungsbedingungen, die man einer Kuh heute schaffen kann“ gelungen sei.

 

Die Weide im Stall


Im Rahmen der Investition wurden 396 bzw. 432 Kuhplätze in zwei Stalleinheiten geschaffen, die sich durch eine sehr hohe Decke und die großzügige Platzsituation auch für jedes Einzeltier auszeichnen. Alle Gruppenboxen sind als Zweireiher konzipiert, was den Kühen enorm viel Bewegungsfreiheit und ein Liege-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 garantiert. Die Hochboxen sind mit den derzeit modernsten Komfortmatratzen ausgestattet. Der minimale Einsatz von Metall zur Boxenabtrennung und die großzügig ausgelegten Liegeflächenmaße gestatten den Kühen, „artgerecht aufzustehen bzw. sich abzulegen“. In den Gruppenboxen gibt es keine Sackgassen. Mit dem aufgerauten, planbefestigten Boden finden die Tiere einen trittsicheren und trockenen Untergrund.


Die Jury urteilte, dass das reichliche Platzangebot mit offenen Wänden und First, dem ausgeklügelten Lichtmanagement und dem extrem großen Raumvolumen für eine „weideähnliche Situation“ sorgen würden. Inklusive des dreimaligens Treiben zum Melken, das den Kuhgruppen durch ein akustisches Signal angekündigt wird, zeichne das Herdenmanagement größtmögliche Stressfreiheit für die Kühe aus.


Für Milchviehhalter und -züchter ist ein weiterer Träger des Tierschutzpreises 2017 kein unbekannter Betrieb. Vorgeschlagen vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Nordhausen, vom TBV, von der TLL und vom LTR ging die Auszeichnung für ihre „tierschutzgerechte, exzellente Art und Weise der Haltung von Milchkühen“ an die GbR Gerbothe-Wiesner in Obersachswerfen. Mit einer Lebenstagleistung von 18,0 kg Milch und einer Nutzungsdauer von 36,9 Monaten ist der Zweifamilienbetrieb die unangefochtene Nummer eins in Thüringen, urteilte die Jury. Und das schon seit Jahren.

 

Exzellente Haltung


Die 135 Kühe werden in einem 2016 sanierten Boxenlaufstall gehalten und seither automatisch gemolken. Bereits 2011 errichtete der Betrieb einen neuen Jungrinderstall für eine großzügige Gruppenhaltung auf Tiefstreu. Daneben lobte die Jury das ausgefeilte Herdenmanagement, die ausgewogene Fütterung und den ruhigen Umgang mit den Kühen. Als „optimal“ einzuschätzen sei der „Kuhkomfort“. Durch die verformbaren Bügel aus Hartgummi treten im Betrieb deutlich weniger Probleme an Gelenken und Gliedmaßen auf. Unterstützt werde dies durch täglich frische Einstreu. Sowohl die Jungrinder als auch die Trockensteher weiden die gesamte Vegetationsperiode hinweg auf Dauergrünland, „was sich ausgesprochen positiv auf die Entwicklung, Gesundheit und Motorik der Jungrinder auswirkt“.


Die herausragenden betriebswirtschaftlichen Kennziffern für die Lebenseffektivität des Bestandes reflektierten das hohe Niveau einer guten fachlichen Praxis in der Herdenführung in Verbindung mit einem tierartgerechten, auf das Tierwohl gerichteten Umgang mit Kälbern, Jungrindern und Kühen, fasste die Jury zusammen, die es nicht versäumte, auf züchterische Erfolge hinzuweisen.  Auf der Deutschen Holsteinschau 2017 ging der 1a-Titel bei den Schwarzbunten in der zweiten Laktation an die Goldwin-Tochter Cleo aus Obersachswerfen.


Für die tierschutzgerechte Haltung von Pferden bekam als dritter Nutztierhalter der Aktiv- und Ausbildungsstall in Erfurt-Azmannsdorf den Thüringer Tierschutzpreis 2017 von Sozialministerin Heike Werner verliehen. Der Betrieb trage den natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen des im Herdenverband lebenden Pferdes in hohem Maße Rechnung. Hier bewegen sich 34 Pferde auf einer 1,2 ha großen, in verschiedene Funktionsbereiche strukturierten Lauffläche. Das biete den Tieren wesentlich mehr Raum, als es die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten empfehlen. Die Laufwege in Azmannsdorf sind allesamt drainiert. Eine große Liegehalle ist so gestaltet, dass rangniedrigere Pferde die Möglichkeit zum Ausweichen haben. Zur Unterbringung von erkrankten Tieren stehen separate Boxen bereit.

 

Großes Fachwissen


In den Sommermonaten gibt es 3 bis 4 ha große Weiden jeweils für die Wallach- und für die Stutengruppe. „Das Besondere an diesem Aktivstall ist, dass Sport- und Freizeitpferde gleichermaßen gehalten werden können, ohne dass dabei Leistungseinbußen entstehen. Durch die verschiedensten Umweltreize und das Leben in der Gruppe sind die Pferde ausgeglichen, und die Leistungsbereitschaft steigt“, heißt es in der Jurybegründung. Diese hob das außerordentliche Engagement und fachliche Wissen von Carsten ­Fischer und Jana Plaumann hervor, die in Azmannsdorf die Zügel in den Händen halten.


Die weiteren Tierschutzpreis­träger sind Christa König aus Eisenach, die freilebende Katzen betreut, Cornelia Wagner aus Schmölln für ihren Einsatz im Tierschutzverein Schmölln Oberland und Sylvia Heinemann aus Bad Blankenburg, die sich ehrenamtlich im Tierschutzverein Bad Blankenburg engagiert.

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