Thüringer Tierschutzpreis 2013: Mehr Komfort im Stall

07.01.2014

Freuen sich über die Ehrung (v. l.): Herdenmanagerin Sabine Müller und Geschäftsführerin Elke Melichar. Überreicht wurde der Preis von Sozialministerin Heike Taubert und Gerd Fischer (Landestierschutzverband).

Geehrt

Freuen sich über die Ehrung (v. l.): Herdenmanagerin Sabine Müller und Geschäftsführerin Elke Melichar. Überreicht wurde der Preis von Sozialministerin Heike Taubert und Gerd Fischer (Landestierschutzverband). © Birgitt Schunk

Deutlich haben sich mit dem Neubau des Milchviehstalles mit seinen 380 Kuhplätzen und acht Melkrobotern seit Sommer 2012 die Haltungsbedingungen verbessert. „Die Kühe kommen zu jeder Zeit an den mittigen Futtertisch mit Silage ran, der immer bestückt ist. Bis zu fünfmal am Tag wird mit dem Futterrad nachgeschoben. Konkurrenz und somit Stress gibt es nicht“, sagt die Marisfelder Geschäftsführerin Elke Melichar. Die Laufgänge sind breit, jedes Tier hat eine Liegebox, die mit einem Kalk-Stroh-Gemisch belegt ist. Kuhbürsten sorgen zudem für Wohlfühleffekte.

 

Verbesserte Bedingungen bringen ein Mehr an Gesundheit

Gut 300 Kuhplätze sind erst belegt, was derzeit noch für zusätzlichen Platz sorgt. Schritt für Schritt soll nun der Bestand aus eigener Kraft aufgebaut werden. Und die Zeichen hierfür stehen gut. Die verbesserten Bedingungen quittieren die Tiere bislang mit einem Mehr an Gesundheit und Vitalität. Obwohl erst 15 Monate seit Einweihung des neuen Stalles vergangen sind, hat man in der Tendenz bereits die Erhöhung der Lebensdauer registriert. „Die Zahl der Zwangsselektionen ist schon deutlich zurückgegangen“, so Elke Melichar. Abgänge wegen Problemen am Bewegungsapparat gibt es nicht mehr. Dass Tiere ausrutschen, gehört der Vergangenheit an. „Die Entscheidung für den Gummibelag als Laufuntergrund, der schonender ist als Beton, hat sich ausgezahlt. Probleme mit den Gelenken bei den Kühen kennen wir seither nicht mehr.“

Beim Besamungsindex steht derzeit eine 1,9. „Mit dem neuen Stall gab es noch mal eine leichte Verbesserung.“ Vorher lag man weit über 2. Das Brunstverhalten sei deutlicher ausgeprägt und somit gut erkennbar. So soll es weitergehen.

 

Kuh entscheidet selbst

Wann die Kuh zum automatischen Melken geht, entscheidet sie selbst. Ein Anstehen als Gruppe gibt es nicht. „Wir geben von der Höhe der Milchleistung nur vor, ob der Gang zum automatischen Melksystem zwei-, drei- oder viermal am Tag erfolgen soll“, sagt Herdenmanagerin Sabine Müller. Rund 70 % der Tiere gehen dreimal zum Melken. Das Kraftfutter lockt als Anreiz. Je nach Leistungsvermögen des Tieres wird die Ration zugeteilt. Auf ein Zwangssystem, das die Wege für die Kühe vorgibt, hat man bewusst verzichtet. „Es gibt zudem kein Treiben und kein Gerenne. Das sorgt für Ruhe im Stall“, weiß Müller. Umstellungen werden zudem so selten wie möglich vorgenommen, um Rangkämpfe zu vermeiden. 2,5 Mio. € hat die neue, moderne Stallanlage gekostet. „Wir hätten etwas billiger bauen können“, sagt Geschäftsführerin Elke Melichar. „Dafür hätten wir auf einige Dinge wie beispielsweise auf die Isolation des Daches verzichten müssen. Doch das wollten wir bewusst nicht. Unsere Priorität lag bei den Planungen auf dem Tierwohl.“

So wird vom Dach im Sommer die Wärme und im Winter die Kälte abgehalten. „Wenn die Hitze draußen in der warmen Jahreszeit unerträglich ist, herrscht innen im Stall ein angenehmes Klima.“ Die Tiere belohnten dies mit guter Leistung. „Wichtig war für uns, dass wir durch die enorme Umstellung auf das automatische Melksystem erstmal keinen Einbruch bei der Milchleistung und -qualität hatten“, sagt die Geschäftsführerin. Heute kann man rein rechnerisch rund 300 Liter je Tier und Jahr mehr verbuchen. Bei der Zellzahl ist man unter 200.000 angekommen. Vorher lag man etwas höher. Diese Hürde hat der Betrieb gut genommen.

 

Arbeitsbedingungen deutlich verbessert

Die Bekanntschaft der Herde mit dem neuen Stall war auch für die Mitarbeiter eine interessante Erfahrung. Die Tiere bewegen sich im großen Raum, tun aber auch ihre Pflicht. Die jüngeren Kühe waren der Vorreiter. Sie probierten sofort die Liegeboxen aus. An die Melkroboter musste man die Tiere sanft heranführen. „Dass es hier Kraftfutter gibt, hatten die Kühe aber schnell kapiert“, sagt die Herdenmanagerin. Fehlende Zwangswege zum Melken bedeuteten zunächst mehr Arbeit für die vier Mitarbeiter je Schicht. Durch die Melkroboter haben sich auch die Arbeitsbedingungen für sie deutlich verbessert. Eine Abkehr von der Arbeit am Tier sieht man im Unternehmen dadurch nicht – im Gegenteil. „Zwar wird nicht mehr am Euter gearbeitet, aber man hat jetzt die Kuh als Ganzes im Blick und kann Auffälligkeiten früher erkennen“, so Sabine Müller. Durch den Wegfall des eintönigen Arbeitsganges im Melkstand bleibe mehr Luft hierfür. „Zudem können unsere Leute nun besser anbringen, was sie als Tierwirt gelernt haben, sie sind mehr gefordert und das soll auch mehr Spaß an der Arbeit bringen“, ist Melichar überzeugt.

Sorgen bereiten dem Betrieb die neuen Fakten, die für die künftige EU-Agrarpolitik auf dem Tisch liegen. Rund.100 000 € wird der Betrieb an Geldern weniger bekommen, hat man überschlagen. „Das sind die Einnahmen für die Milch von einem ganzen Monat – und dabei ist der Preis derzeit recht ordentlich“, sagt Elke Melichar. Gehe es wieder nach unten, drücke das Defizit noch stärker aufs Betriebsergebnis. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das kompensieren, wissen aber noch nicht wie. Unter unseren Bedingungen mit rund 700 Hektar Grün- und 500 Hektar Ackerland mit einer Bodenwertzahl um die 25 wird das schwierig.“ Die Verbindlichkeiten abzutragen bedeutet in den nächsten Jahren für den Betrieb immer wieder einen Kraftakt. „Wir hoffen, dass für die Unternehmen einiges aus der Zweiten Säule zurückkommt, um die fehlenden 100.000 Euro wenigstens einigermaßen auszugleichen.“

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