Thüringer Milchtag: Keine goldenen Zeiten

10.02.2014

© Frank Hartmann

Auszeichnungen für Rohmilchqualität auf dem Thüringer Milchtag in Erfurt

Turbulent ging es beim 18. Thüringer Milchtag nur einmal zu. Ganz zum Schluss. Selbst Versammlungsleiter Thomas Beck, der souverän durch die Tagung im Congress-Center der Erfurter Messe geführt hatte, fehlten die Worte, als die Berufung Dr. Udo Wedekinds an die Spitze der TLL in den Saal gedrungen war (siehe links).

Zur Eröffnung des Milchtages hatte Beck als Vorsitzender der Landesvereinigung Thüringer Milch klargestellt, dass die Landwirte trotz zweier guter Jahre nicht in Geld schwimmen würden. Zum einen musste eine lange Durststrecke ertragen werden. Zum anderen erlebe man ja, wie schnell die Preise wieder kippen können, aktuell beim Weizen und Raps.


Kälberpreise im Keller

Auch die Kälberpreise sind abgeschmiert. Parallel verteuere sich stetig die Produktion. Momentan stiegen die Preise für Stickstoffdünger extrem an. Fraglich sei, ob jeder Landwirt aufgrund eines knappen Angebotes ausreichend Dünger für die erste N-Gabe im Frühjahr beziehen könne. Beck wies eindringlich darauf hin, dass bei allen Gedanken ans Tierwohl die Mitarbeiter nicht vergessen werden dürften. Denn mit den Löhnen, die gezahlt werden könnten, drohe ihnen später die Altersarmut. „Wir müssen bei der Vergütung zulegen, wenn wir die Arbeitskräfte halten und junge Leute für unsere Betriebe gewinnen wollen.“

Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz sicherte den Milch erzeugenden Betrieben die anhaltende Unterstützung der Landesregierung zu. Mit der Investitionsförderung, dem KULAP, der Tierzuchtförderung oder der Ausgleichszulage stünden wie bisher schon Instrumente bereit. Auf EU-Ebene werde es nach Wegfall der Milchquote ein Sicherheitsnetz geben, das die Erzeuger vor Marktturbulenzen schützen soll. Der Minister forderte die hiesigen Milcherzeuger auf, die Liberalisierung des Milchmarktes als Chance zu begreifen.

Vom Ringen des Berufsstandes mit dem Agrarministerium um die Ausgestaltung des ELER-Topfes berichtete TBV-Präsident Helmut Gumpert. Eine Kürzung  der Landwirtschaftsmittel lehne  der Berufsstand strikt ab. Die Investitionsförderung für Milchviehbetriebe der letzten Jahre lobte Gumpert. Allerdings sei  erst die Hälfte der heimischen Ställe auf dem neuesten Stand. Daher müsse das AFP fortgeführt werden. Im Streit um die Förderung des Grünlandes forderte Gumpert vom Minister, endlich ein überzeugendes Konzept vorzulegen. Der TBV erwarte ein Machtwort des Ministers, das den „Hickhack“ zwischen Naturschutz und Landwirtschaft im TMLFUN beende.

Silvio Reiman von der Milch-Land GmbH Veilsdorf ließ seine Berufskollegen im voll besetzen Congress-Center an den Zukunftsplänen des 2 250 Kühe zählenden südthüringer Unternehmens teilhaben.


Ruhe und Gelassenheit

Er empfahl seinen Kollegen, Ruhe und Gelassenheit zu bewahren und den eigenen Weg zu gehen. Im Veilsdorfer Unternehmensverbund (4 900 ha, 140 Mitarbeiter und Azubis) stünden die Milchproduktion und der Futterbau klar im Mittelpunkt. Qualitatives statt quantitatives Wachstum laute dort die Devise. Klar formulierte Ziele, die schrittweise Modernisierung statt Stallneubau auf der grünen Wiese, gute Bedingungen für Mensch und Tier, Diversifizierung sowie eine nachhaltige Partnerschaft mit der Molkerei: So lauten die Kernpunkte der Veilsdorfer Strategie.

Sönke Voss von der Geschäftsführung des DMK warf einen positiven Blick auf den europäischen und globalen Milchmarkt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gehe man nochmals von einem Wachstum bei der Milchanlieferung aus, was die Aussichten nicht trübe.


Auszeichnungen für Rohmilchqualität

Der Tradition des Milchtages folgend, erhielten Milcherzeuger eine Anerkennung für herausragende Rohmilchqualität im Kontrolljahr 2013: Agrar eG, Westerengel; Agrar eG „Drei Eichen“, Korbußen; Agrargesellschaft Bergland GmbH Schwarza; Agrar eG Gerstungen; Agrar eG Kirschkau; Rinderhof Agrar GmbH Seubtendorf, Tanna; Oettersdorfer Landwirtschaftliche Aktiengesellschaft; Agrar eG „Rhönland“, Dermbach; Agrarprodukte Hohndorf eG; Genßler GbR, Erbenhausen/OT Schafhausen; Kerstin Korn GbR, Tanna; Schwabhäuser Zuchtvieh- und Qualitätsmilch GbR; Harri Flach, Zeulenroda-Triebes/OT Büna; Hubert Schmidt, Meiningen/OT Dreißigacker; Ronny Lätzer, Auma-Weidatal/OT Staitz. Folgende Molkereien und Direktvermarkter wurden für herausgehobene Produkte geehrt: DMK, Werk Erfurt (Frischkäse, saure Sahne); Bayerische Milchindustrie eG, Betrieb Obermaßfeld (Konsummilch, saure Sahne); Herzgut Landmolkerei Schwarza eG (saure Milcherzeugnisse); Käserei Altenburger Land GmbH & Co. KG Lumpzig/OT Hartha (Landrahm/Brotaufstrich); Pfaff GbR, Dermbach (Bauernhofeis ­– Vanille Madagaskar, Sorbet); Schuchert’s Bauernhof, Steinberg/Rhön (Bauernhofeis der Sorten Nougat und Haselnuss).

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