Thüringer Braugerstentagung

09.12.2016

© Frank Hartmann

Ministerin Keller und Egbert Hammernick (r.) als Vorsitzender des Braugerstenvereins mit den Siegern des Braugerstenwett- bewerbs bei den Erzeugermustern (v. l.): Jan Plümecke (Josef Breun), Dietmar Leydolph (Pfiffelbach) und Theo Stephan (Mülverstedt).

Entgegen dem diesjährigen Bundestrend konnten die Landwirte im Freistaat eine stattliche Getreideernte einfahren. Das schloss auch die Sommergerste ein, die im Landesdurchschnitt einen Ertrag von 60,35 dt/ha brachte, was zugleich die bundesweite Spitze darstellte (Sachsen-Anhalt: 58,9 dt/ha; Sachsen: 54,7 dt/ha). Auf der 26. Braugerstentagung, die der Braugerstenverein stets gemeinsam mit der TLL veranstaltet, wurden in der vorigen Woche die Ergebnisse detailliert vorgestellt.


Wie Dr. Volkmar König (TLL) informierte, lag der Vollgerstenanteil im Jahr 2016 mit 89,5 % unter dem sechsjährigen Mittelwert (93,5 %). Dennoch: 60 % der von der TLL untersuchten Proben wiesen einen Vollgerstenanteil von 91 % und darüber aus. Der mittlere Rohproteingehalt von 11,3 % stellte zufrieden, wobei 50 % der Proben in der Spanne zwischen 10,6 und 11,5 % lagen. Ein hohes Niveau erreichte die Keimfähigkeit: 98 % der untersuchten Partien wiesen hier Werte von über 90 % aus. Der Theorie nach erreichten unterm Strich 65 % der Partien Braugerstenqualität, nach über 80 % in den  beiden Vorjahren. In der Praxis sieht das freilich anders aus.


Diese Bilanz wird allerdings vom fortschreitenden Rückgang der Anbaufläche getrübt. Mit rund 25 000 ha standen hierzulande 14 % weniger Braugerste im Feld als noch 2015. Betrug ihr Anteil an der Getreidefläche vor sechs Jahren noch 10 %, waren es 2016 gerade einmal 7 %. Preisliche Anreize, die die Vorzüglichkeit des Weizens gegenüber der Sommerbraugerste schmälern, fehlten in der Vergangenheit all zu oft.


Ob im Zuge der neuen Düngeverordnung die Thüringer Agrarpolitik (wieder) Anreize für den Anbau der Sommerung setzt, ließ Fachministerin Birgit Keller in der Diskussion offen. Mälzer und Brauer mochten nicht über Preise reden, versicherten aber den heimischen Anbauern ihre Partnerschaft.


In ihrem Grußwort würdigte Keller die 25 Jahre währende Tätigkeit des Braugerstenvereins. Am 29. Oktober 1991 hatten 30 Vertreter aus Züchtung, Landwirtschaft und Handel, Mälzer, Brauer und Mitarbeiter der Agrarverwaltung im Erfurter Malzwerk den Thüringer Braugerstenverein aus der Taufe gehoben. Als Schirmherrin des Braugerstenwettbewerbs nahm Keller in Stadtroda die Auszeichnung der diesjährigen Sieger vor. Der Geschäftsführer des Braugerstenvereins, Dr. Martin Farack („Mr. Braugerste“), lud in diesem Zuge die Ministerin zur nächsten Braugerstenrundfahrt am 4. Juli 2017 nach Mülverstedt ein.


Ein Jubiläum epochalen Ausmaßes stellte Dr. Hans-Georg Eils in den Mittelpunkt seines Vortrags. Der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes erinnerte an das Deutsche Reinheitsgebot, auf das sich die Branche seit nunmehr 500 Jahren beruft und das als das weltweit älteste, heute noch gültige Lebensmittelgesetz gilt. Und ein Gesetz, so Eils, das die Menschen schätzen, was wohl für die wenigsten Rechtssetzungen gelten dürfte. Trotz stagnierendem Bierabsatz in Deutschland würde heute die Braubranche boomen. Ein Ende sei nicht in Sicht, wie es der Trend zu regionalen Bierspezialitäten und neuen Craftbieren belegen würde.

 

 

 

Sieger Braugerstenwettbewerb 2016
Erzeuger: Landessieger: Agrar eG Mülverstedt (Sorte: Ventina; Rohprotein: 9,7 %; Vollgerste: 99,2 %); 1. Preis: Agrar GmbH Pfiffelbach (RGT Plant; RP 9,2 %; VG 100 %); 2. Preis: Josef Breun Morgenrot  GmbH Quedlinburg (Avalon; RP 9,5 %; VG 99,4 %).

Händler: Landessieger: Erfurter Malzwerke/Agrar GmbH Neunheilingen (Quench; RP 9,5 %; VG 97,8 %); 1. Preis: IRUSO Weißensee/Agrar eG Weißensee (Quench; RP 9,8 %; VG 99,8 %); 2. Preis: IRUSO Schleiz-Heinrichsruh/Daum-Daum Lautenschläger GbR Hohenleuben (Quench; RP 9,3 %; VG 99,9 %).

Sorten für 2017
Der Thüringer Braugerstenverein empfiehlt folgende Sorten für den Anbau 2017:
Löß: Avalon und Quench; RGT Planet ausschließlich im Vertragsanbau;
V: Avalon und Solist; RGT Planet ausschließlich im Vertragsanbau;
Probeanbau: Cervinia.

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