Thüringer Braugerstentagung in Stadtroda

11.12.2014

© Frank Hartmann

Sieger im Braugerstenwettbewerb bei den Erzeugern (v. l.): Den 1. Preis nimmt Hans-Joachim Berbig für die ­Agrar GmbH Trebra entgegen (Sorte Quench; Rohprotein: 9,6 %; Vollgerste: 99,8 %). Den Landessieg empfängt Gerd Hallbauer für die Teichwolframsdorfer Agrar GmbH (Quench; RP: 9,4 %; VG: 99,9 %). Und den 2. Preis erringt die Agrargesellschaft Hirschberg mbH in Ullersreuth, die im Schützenhaus zu Stadtroda von Reiner Hartmann vertreten wurde (Grace; RP: 10,0 %; VG 99,3 %).

In kaum einem anderen Bereich der Landwirtschaft finden sich Händler, Verarbeiter und Anbauer in einem so engen fachlichen und kollegialen Austausch wie bei der Braugerstengemeinschaft. Liebe ist daraus aber längst nicht erwachsen. Denn wie in jedem anderen Bereich auch hört hier beim Geld die Freundschaft auf.

Gewohnt konstruktiv und kritisch ging es daher bei der jüngsten, nunmehr schon 24. Thüringer Braugerstentagung in Stadtroda zu. Die Veranstalter, Braugerstenverein und TLL,  hatten die N-Düngung zum Schwerpunkt gemacht. Zum einen, weil die Anbauer immer häufiger zu niedrige Rohproteinwerte im Erntegut finden, was bis zur Ablehnung von Partien führen kann. Zum anderen, weil Mälzer und Brauer den RP-Gehalt als wichtiges Qualitätsmerkmal hervorheben, das mit in die Preisfindung einfließt. Neben der Wahl der besten ­derzeit zur Verfügung stehenden Sorten ist der RP-Gehalt eines der wenigen Kriterien, die der Landwirt beeinflussen kann.

Dr. Bertram Sacher vom Lehrstuhl für Brautechnologie der TU München erläuterte die negativen Folgen eines zu hohen bzw. zu niedrigen Eiweißgehaltes auf das Braumalz und damit für die Brauer. Sacher behauptete, dass das entsprechende Eiweißniveau brautechnologisch einwandfrei begründbar sei. Als optimalen Wert aus Sicht der Verarbeiter nannte er einen RP-Gehalt der Braugerste von etwa 10,5 bis 11,5 %.

Die „Qualitätselastizität“, wie es Dr. Martin Farack, Geschäftsführer des hiesigen Braugerstenvereins, nannte, bleibt für die Landwirte dabei von entscheidender Bedeutung. Die Stoßgrenzen, also das RP-Niveau, bei dem das Erntegut nicht mehr als Braugetreide vermarktet werden kann, liegen derzeit bei unter neun und über zwölf Prozent. In dieser Spanne entwickelt, so nehmen es jedenfalls die Anbauer wahr, die aufnehmende Hand willkürliche Preisabschläge. Farack forderte daher von der Brauindustrie, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, dass die praktizierten Qualitätskriterien gerechtfertigt sind, vor allem was die Obergrenze betrifft. In knappen Jahren, so lehre es die Erfahrung, wurden schon andere Qualitäten akzeptiert.

Auch wenn die gegenwärtigen Modelle zur Düngeberatung die regionalen Besonderheiten berücksichtigen würden, warb Farack für eine Überprüfung dieser Modelle hinsichtlich der Sommergerste. Dr. Wilfried Zorn von der TLL konnte aufgrund der diesjährigen niedrigen RP-Gehalte eine generelle Erhöhung der N-Düngung im Jahr 2015 nicht empfehlen. Dies berge das Risiko zu hoher Rohproteingehalte. Eine angemessene N-Düngung fuße auf dem Nmin-Gehalt des Bodens und der Ertragserwartung.

Egbert Hammernick oblag es als Vorsitzender des Braugerstenvereins und Vertreter des Agrarministeriums, die Sieger des Braugerstenwettbewerbs auszuzeichnen. Mit 38 Mustern hatten sich Erzeuger und Händler daran beteiligt. Landessieger wurden die Teichwolframsdorfer Agrar GmbH und die Thüringen Malz GmbH in Clingen. Hammernick brachte am Ende seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Sommergerstenfläche im Jahr 2015 wieder die Marke von 30 000 ha knackt.    

Terminhinweis: Die Braugerstenrundfahrt 2015 findet am 30. Juni im Landkreis Greiz statt.


Ernte 2014:
Bei der Sommergerste konnte 2014 im Landesmittel ein Rekordertrag von 63,4 dt/ha eingefahren werden. Die RP-Gehalte lagen bei 10,5 %, wobei ein knappes Drittel der Partien RP-Werte von 9,5 % und darunter aufwies. Der Vollgerstenanteil erreichte 95 %.

Sorten für 2015 in Mitteldeutschland:
Der Thüringer Braugerstenverein empfiehlt auf Grundlage der LSV der Landesanstalten in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie des Berliner Programms für 2015 folgende Sorten: Lößstandorte: Catamaran, Quench, Grace (auslaufend); Verwitterungs­standorte: Catamaran und Grace. Die Sorte Solist erhält für beide Standorte eine vorläufige Anbauempfehlung.

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