TBV: Kritik am Management des Umweltressorts

01.11.2017

© Sabine Rübensaat

Seit Juli 2017 hält eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf viele Thüringer Beamte und Mitarbeiter des Umweltministeriums, der Oberen und Unteren Naturschutzbehörden, des Landwirtschaftsministeriums, des Bundesforstes, der Bundeswehr und der Natura-2000-Stationen stetig auf Trapp. Neben Rissgutachtern, Wissenschaftlern und Politikern aller Parteien sind auch zahllose Natur- und Artenschützer, Medienvertreter und sowie die Mitarbeiter der Landesjagd-, Schaf-, Ziegen-, Pferde- und Rinderzuchtverbände, des TBV sowie die betroffenen Nutztierhalter intensiv mit ihr befasst. Hinzu kommt noch eine stetig steigende Zahl selbsternannter Wolfsexperten, die in den sozialen Medien rund um die Uhr alle Aspekte des Themas mehr oder weniger fachkundig ausleuchten.


Die angesprochene Wölfin wurde am 11. Mai 2014 erstmalig auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf fotografiert. Ab diesem Zeitpunkt geschah zunächst nichts Auffälliges, sodass ihr Tun überwiegend im Dunkeln blieb. Eine zweite Wölfin wurde am 12. März 2016 auf der Bundesautobahn 71 nahe Sömmerda überfahren. Wieder schien das Thema Wolf in Thüringen beerdigt.


2017 änderte sich jedoch die Lage: Seit dem 9. Juli wurden über 80 Schafe und Ziegen in der Nähe von Ohrdruf gerissen. Seither stehen die dortigen Schäfer vor einem ernsten Problem. Allein in den Monaten Juli und August wurden im Wolfsgebiet 66 Tiere getötet. Zwischenzeitlich gab es eine Krisensitzung im Umweltministerium. Im Ergebnis erhielten betroffene Schäfer leihweise höhere Zäune und leistungsstärkere Schlaggeräte.


Da alle Maßnahmen nicht fruchteten, forderten die betroffenen Tierhalter den Abschuss. Umweltministerin Anja Siegesmund stellte daraufhin am 1. September in  ihrer Regierungserklärung fest, dass man damit zu einer Straftat aufriefe, was eben der Abschuss des Wolfes sei. Ende September jedoch erwog laut MDR ihr Grünen-Parteikollege, Staatssekretär Olaf Möller, den Abschuss der Wölfin als Möglichkeit, sollte sie die 120 cm hohen Schutzzäune mindestens zweimal überwinden. Eine Woche später stellt das Umweltministerium wiederum fest, dass eine Tötung nicht die Voraussetzungen des § 45 Abs. 7 des Bundesnaturschutzgesetzes erfülle, der es gestatte, den Wolf zu entnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 65 Schafe und 14 Ziegen gerissen worden. Währenddessen hatte man die Schäfer geschult, wie ein Zaun zu bauen ist, damit er dauerhaft die geforderte Höhe von 120 cm hält.


Den größten Wissenszuwachs hatte das Umweltministerium dann Anfang Oktober. Wie es am 10. Oktober informierte, führt die allein geglaubte Wölfin insgesamt sechs Welpen aus einer Paarung mit einem Haushund. Dies sei zweifelsfrei nachgewiesen. Bislang unbestätigt ist die Vaterschaft eines schwarzen Labrador-Rüden. Wie soll jetzt mit den Welpen verfahren werden?

 

Die Empfehlung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) lautete, Hybriden aus Wolf und Hund zum Schutz der Wolfspopulation zu entnehmen. Während sich der NABU am 23. Oktober überraschend hinter die Experten des DBBW stellte, warnten die selbsternannten Tierrechtler des Vereins PETA das Umweltministerium  vor „der strafrechtlichen Relevanz einer etwaigen Tötung der Thüringer Welpen“.


Laut NABU stammt die Thüringer Wölfin aus Sachsen, wo ihre  Großtante einst ebenfalls Welpen aus einer Hund-Wolfs-Paarung zur Welt brachte. Diese wurden dem Umweltministerium zufolge in der freien Wildbahn gefangen, litten aber in Gefangenschaft so sehr, dass sie letzten Endes getötet werden mussten. Unterdessen bieten nicht entkräftete Beobachtungen Anlass zu Spekulationen. So seien mit dem Auftreten des Wolfes in Ohrdruf auch Bentheimer Landschafe auf dem Standortübungsplatz festgestellt worden.

 

Woher kommen die Bentheimer Landschafe? Im direkten Umfeld gibt es weder Halter noch Züchter dieser Rasse. Was sollen die fremden Schafe bezwecken?
Fakt ist, dass die eine Wölfin Heerscharen von Menschen beschäftigt und neben den Tieren schon eine Menge Steuergeld verschlungen hat. Der bereits Jahre vor dem Auftauchen des ersten Wolfes verabschiedete Managementplan hat versagt. Durch ein strikteres und ernsthaftes Monitoring und Management sowie einer zeitigen Entnahme der Problemtiere hätte der Tod von mehr als 80 Schafen und Ziegen verhindert werden können.


Der TBV hält seine Forderungen gegenüber dem Umweltministe­rium aufrecht, dass alle durch den Wolf und seine Hybriden entstandenen Schäden und Aufwendungen der Tierhalter vollumfänglich, inklusive aller Folgeschäden und Folgekosten, entschädigt werden müssen. Darüber hinaus fordert der TBV eine praxistaugliche Verbesserung des Thüringer Wolfmanagementplans, der ein schnelles Eingreifen ermöglichen muss. Die Leidtragenden sind die Schafhalter und die Steuerzahler des Freistaates, die für das „Wolfs-Missmanagement“ bezahlen.

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