TBV: Ertragsschätzung aus den Regionen

08.08.2018

© Sabine Rübensaat

Die letzten Monate haben auch in Thüringen gleich mehrere Rekorde aufgestellt, die in Erinnerung bleiben werden: die geringsten Niederschläge, die meisten Feldbrände und der früheste Erntebeginn. Bereits Mitte Juli waren die ersten Betriebe mit der Ernte fertig. 

 

Abschließende Zahlen zu Erträgen liegen noch nicht vor. Die Kreisbauernverbände (KBV) schätzten anhand der Anfragen bei Mitgliedsbetrieben jedoch, dass die Wintergerstenernte mit einem Minus von 20 % gegenüber dem Vorjahr gedroschen wurde. Trotz der Verluste bleibt sie damit die ertragreichste Frucht in diesem Jahr. Beim Winterweizen wird mit einem Minus von 30 % gerechnet, einzelne Schläge in Nordthüringen haben sogar nur die Hälfte des üblichen Ertrages gebracht. Ähnlich dürre Ernteergebnisse zeigen etwa Durum und Roggen. Für die Sommergerste wird aktuell ein Minus von 20 % erwartet. Der Winterraps enttäuscht am meisten: Wahrscheinlich werden keine 30 dt/ha erreicht. Das Ergebnis liegt damit 30 % unter Vorjahresniveau; 2017 fiel der Ertrag bereits unterdurchschnittlich aus. 

 

Insgesamt zeugen die Erntepar­tien bei Weizen und Raps von einem niedrigeren Tausendkorngewicht als 2017. Die sonstigen Qualitäten, so die Annahmen, sind aber gut und werden die Anforderungen des Handels weitestgehend erfüllen können. Verbunden mit den geringen Kornerträgen sind auch wesentlich geringere Stroherträge absehbar. Auf Flächen im Eichsfeld wurden zum Beispiel mitunter nur drei bis fünf Strohballen pro Hektar gepresst – zehn Ballen wären normal.

 

Die regionalen Unterschiede innerhalb Thüringens sind beträchtlich: Die höchsten Ertragseinbußen zeigen sich im Kreis Nordhausen, im Kyffhäuserkreis, im Eichsfeld sowie in Teilen des Unstrut-Hainich-Kreises und dem nördlichen Thüringer Becken. In diesen Regionen gab es seit April keine nennenswerten Niederschläge mehr. 

 

Laut dem agrarmeteorologischen Messnetz der TLL liegen aufgrund dessen die Salden der Klimatischen Wasserbilanz für den Zeitraum April bis Juli zwischen –260 und –450 mm. Damit ist vielerorts der permanente Welkepunkt erreicht. Das wirkte sich nicht nur negativ auf die Ernteergebnisse bei Getreide und Raps aus, sondern lässt auch die Erträge bei Zuckerrüben und Futter schrumpfen. Die Rüben leiden unter dem extremen Stress und zeigen aktuell keinen Massenzuwachs. Auch der Mais ist eine Woche eher als üblich in die Blüte gegangen. Die Bestände sind sehr klein. Das Wachstum wurde bereits eingestellt und die Bestände zeigen einen geringen Kolbenansatz. Es ist davon auszugehen, dass damit die Silagen nur einen geringen Energiegehalt aufweisen werden. Der Zweitfruchtmais hatte dieses Jahr gar keine Chance. Ackerfutter und Grünland konnten weitestgehend einen ersten guten Schnitt aufweisen. Aber vielerorts ernteten die Landwirte beim zweiten Schnitt kaum die Hälfte oder er fiel komplett aus. An einen dritten Schnitt war gar nicht zu denken. Die Ertragseinbußen beim Raufutter werden vor allem für den Raum Nordthüringen zwischen 50 bis 60 % gegenüber dem Vorjahr geschätzt. Die Futtersituation ist damit extrem angespannt und manche Betriebe denken bereits über einen Abbau der Viehbestände nach.

 

Die Bodenbearbeitung und Vorbereitung für das Saatbett der Winterungen stellt angesichts knochentrockener Böden eine Herausforderung dar. Die erste zu bestellende Kultur ist der Winterraps. Aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte ist die Herstellung eines vernünftigen Saatbettes aktuell kaum möglich und selbst die Direktsaat ist unter diesen Bedingungen keine Option. 

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