TBV: Die Lage ist sehr ernst

06.08.2018

© Axel Horn/TBV

TBV-Präsident Wagner erläuterte Medienvertretern in Oldisleben die Situation.

Der Thüringer Bauernverband hat die Landesregierung aufgrund der dramatischen Dürre­situation in vielen Regionen des Freistaates um Unterstützung ersucht und gebeten, die Möglichkeit von Dürrebeihilfen zu prüfen. Auch ein Vorziehen der Auszahlung der Direktzahlungen wäre aus Sicht des TBV hilfreich, um den Verkaufsdruck aus Liquiditätsgründen zu mindern und den betroffenen Landwirten zu helfen.

 

Die bisherigen Ernteergebnisse liegen noch unter den bereits pessimistischen Vorhersagen der letzten Wochen, weshalb der TBV seine Ernteschätzung beinahe täglich nach unten korrigieren müsse, erklärte TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner während eines Besuches am 26. Juli in Oldisleben –  einem der trockensten Orte in Thüringen. Hier, wie in allen von der Trockenheit besonders betroffenen Orten, liegen die Ernteergebnisse teilweise 50 % unter denen des Vorjahres. Uwe Erl, Betriebsleiter der Agrar GmbH und der Adrabrunnen GmbH in Oldisleben, zeigte exemplarisch die Schäden auf seinen Sonnenblumen- und Maisfeldern. Hier musste eine Sonnenblume seit April im Durchschnitt mit einem Schnapsglas Wasser pro Tag auskommen, so Erl. Die Folge ist, dass kaum etwas geerntet werden kann. Dies gelte hier für nahezu alle Fruchtarten: 50 % weniger Raps, 43 % weniger Winterweizen, 41 % weniger Wintergerste und 60 % Verlust bei Sonnenblumen. Insgesamt würde  laut Erl 40 % weniger geerntet, was allein für sein Unternehmen Verluste im Millionenbereich erwarten lässt.

 

TBV-Präsident Wagner hofft aber auch darauf, dass durch die derzeitig dramatische Situation die Diskussion um die EU-Direktzahlungen wieder ein Stück vom Kopf auf die Füße gestellt wird: „Die aktuelle Dürre zeigt es überdeutlich: Ohne die einkommenswirksamen Direktzahlungen können Landwirtschaftsbetriebe in Zeiten der durch den Klimawandel bedingten Wetterextreme nur schwerlich überleben. Sie sind der Stabilitätskern für unsere landwirtschaftlichen Betriebe“, stellte Wagner heraus. Eine Kürzung dieser Zahlungen durch Kappung und/oder Degression oder eine Umverteilung von der Ersten in die Zweite Säule, wie sie in den aktuellen Vorschlägen von EU-Kommissar Phil Hogan zur GAP nach 2020 enthalten ist, lehnt der TBV daher vehement ab. Die Landwirtschaftsbetriebe benötigen eine stabile und verlässliche Einkommensquelle, wenn sie langfristig überleben wollen, so Wagner.

 

Insgesamt werden die Ernteerträge in Thüringen aufgrund der Dürre in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen, sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum mehrjährigen Durchschnitt. Die Ernteschätzungen zeigen teilweise hohe Mindererträge im Vergleich zu 2017: -25 % bei Wintergerste, -30 % bei Winterraps und -15 % bei Winterweizen. 

 

Sorge bereitet zudem die knappe Futterernte. In manchen Regionen konnte lediglich ein erster Schnitt auf dem Grünland bzw. auf den Ackerfutterflächen geerntet werden. Die Niederschläge vor zwei Wochen haben bei weitem nicht ausgereicht, das Grünland, das Ackerfutter und die Zuckerrüben ausreichend zu versorgen. Der TBV geht davon aus, dass die Futtersituation in den nächsten Wochen kritisch wird. Viele viehhaltende Betriebe suchen derzeit nach Alternativen, um ihre Tiere ausreichend versorgen zu können oder planen, den Tierbestand zu reduzieren. 

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