Stromtrassen

18.10.2016

Stromtrassen © Sabine Rübensaat

Ende September haben die Netzbetreiber Tennet und 50Hertz ihre Vorschläge zum Verlauf der Stromtrassen vorgestellt, die den Windstrom aus dem Norden der Republik zu den Verbrauchsstellen im Süden bringen sollen. Wie aus den Plänen hervorgeht, sollen die neuen Leitungen deutlich weiter im Osten Deutschlands verlegt werden als bislang vorgesehen. Beide Varianten verlaufen als Erdkabel längs durch Thüringen: im Westen (SüdLink) und im Osten (SüdOstLink).


Aus Sicht des TBV wird Thüringen, das immer gern als „Grünes Herz“ Deutschlands bezeichnet wird, dadurch immer mehr zum Transitland mit fraglichem Nutzen. Für den Bau der Stromtrassen wird bevorzugt auf landwirtschaftliche Flächen zurückgegriffen, was Auswirkungen auf die Landwirte entlang der Route haben wird. Diese sind aus Sicht des TBV umso größer, da der Bundesgesetzgeber im letzten Jahr beschlossen hat, dass die immer wieder in ihrer Notwendigkeit beteuerten Leitungsvorhaben nicht als Freileitungen, sondern als Erdkabel zu verlegen sind. Welche Folgen die Erdkabelverlegung tatsächlich hat, kann niemand vorhersagen. Keinerlei Erfahrungen gibt es zum Verhalten des Bodens und des Wasserhaushaltes, wenn die Kabel im Boden liegen. Zwar entwickeln die jetzt geplanten Gleichstromleitungen weniger Wärme als vergleichbare Wechselstromleitungen. Was jedoch oben ankommt, ob die Flächen nach der Verlegung tatsächlich weiter wie bisher bewirtschaftet werden können, ist unklar.


Für den TBV ist es daher unabdingbar, dass in der öffentlichen Diskussion über den Bau der Trassen auch die Interessen der betroffen Landwirte berücksichtigt werden. Der TBV braucht aber eine breite Unterstützung. Alle Landwirte sollten sich in den Infoveranstaltungen und Antragskonferenzen, die es zu den Leitungsvorhaben geben wird, einbringen und die Bedenken bezüglich der Auswirkungen auf den Boden darstellen. Immer wieder muss die Forderung nach einer bodenfachlichen Baubegleitung aufgestellt werden. Die Landwirtschaft darf nicht zusätzlich durch naturschutzfachliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen belastet werden. Die Schäden, die am Boden entstehen, sind Eigentümern und Bewirtschaftern dauerhaft zu entschädigen. Bisher ist es so, dass nur in Ausnahmefällen Kommunen verlangen können, Abschnitte als Freileitungen zu verlegen. Das wird etwa in der Magdeburger Börde gefordert, wo die Leitung auf vorhandene Freileitungen aufgesattelt werden kann und so der Boden nicht angegriffen werden soll. Für die Landwirtschaft bedeuten Freileitungen den weniger belastenden Eingriff.


Die Vorschläge der Netzbetreiber werden gegenwärtig von der Bundesnetzagentur geprüft. Auf Basis der ausgearbeiteten Vorschläge wird dann bis 2017 der exakte Verlauf festgelegt. Im Jahr 2025 sollen die Leitungen fertig gebaut sein.

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