Stromnetze

19.02.2018

© Grafik: 50Hertz Transmission GmbH

Für das Gelingen der Energiewende, wie sie in den letzten Jahren bundespolitisch vorangetrieben wurde, spielt die Weiterentwicklung des Stromnetzes eine entscheidende Rolle.

 

Thüringen fällt  durch seine zentrale Lage die Rolle eines Durchgangslandes zu. Der Netzentwicklungsplan 2030 beschreibt entsprechende Vorhaben. Nach der bereits gebauten sogenannten Südwest-Kuppelleitung von Lauchstädt über Vieselbach durch den Thüringer Wald nach Bayern, die im letzten Thüringer Abschnitt noch erweitert werden soll, kommen noch weitere Projekte auf Thüringen zu. Schwerpunkte bilden die Maßnahmen von Pulgar (bei Leipzig) nach Vieselbach, von Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) über Wolkramshausen nach Vieselbach, von Vieselbach nach Mecklar (Hessen), das Vorhaben Sued­OstLink von Wolmirstedt (bei Magdeburg) nach Isar (bei Landshut) und die stark kritisierte SuedLink-Trasse von Wilster (Schleswig-Holstein) nach Grafenrheinfeld (Bayern). Während die beiden letztgenannten Maßnahmen als Gleichstromtrassen (HGÜ-Leitung) geplant sind und als Erdverkabelung in völlig neuen Trassen verlaufen sollen, sind die anderen 380-kV-Wechselstromleitungen, mit denen das Netz verstärkt werden soll.


Für die Maßnahme von Pulgar nach Vieselbach (siehe Karte) hat der Netzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH bei der Bundesnetzagentur den Antrag auf Bundesfachplanung gestellt. Damit ist ein weiterer Schritt im Genehmigungsverfahren eingeleitet. Mitte Januar fand für den Abschnitt IV (Bad Sulza – Vieselbach) die Antragskonferenz statt. Zwei weitere Antragskonferenzen für die vorangehenden Abschnitte hatte die Bundesnetzagentur bereits im November 2017 durchgeführt. Ziel einer Antragskonferenz ist es, von Behörden, Verbänden, Institutionen, aber auch Privatpersonen Informationen zu erhalten, die für den Trassenverlauf relevant sind. Dies sind unter anderem Raumwiderstände, wie bebaute Gebiete, geografische Verhältnisse und Art der Flächennutzung, aber auch Fragen des Umwelt- und Naturschutzes.


Im Rahmen der Veranstaltung stellte 50Hertz die geplante Maßnahme vor und unterbreitete verschiedene Varianten für den Trassenverlauf. Die von 50Hertz bevorzugte Variante (Vorschlagsvariante) sieht vor, die neue Leitung im Korridor der bestehenden Trasse zu bauen. Eine Ausnahme soll es aber geben: Am Kreuzungspunkt mit der 380-kV-Leitung Lauchstädt – Vieselbach und der ICE-Schnelltrasse knickt der Trassenkorridor nach Südwesten ab und folgt bis zum Endpunkt beim Umspannwerk Vieselbach. Nach Inbetriebnahme der neuen 380-kV-Freileitung will 50Hertz die bestehende zurückbauen, sodass weiterhin nur eine Leitung in der Trasse verläuft. Zum Einsatz sollen leistungsfähigere Hochstrom-Leiterseile kommen, die die Übertragungskapazität um bis zu 40 % erhöhen. Die Masten werden vorwiegend als sogenannte Donaumasten geplant. Diese sind ca. 50 bis 70 m hoch. Der Bodenabstand der Seile beträgt zwölf Meter. Damit wird die neue Leitung etwa fünf Meter höher sein als die Bestandsleitung, was für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen von Vorteil ist.


Der Zeitplan sieht vor, Ende 2018 bzw. Anfang 2019 die Bundesfachplanung abzuschließen. Das Planfeststellungsverfahren wird je nach Abschnitt voraussichtlich 2020 eröffnet werden. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für 2024 angestrebt. Im Rahmen der Antragskonferenz wurden Hinweise besonders zum Ausbau des Umspannungswerkes Vieselbach und zu einem bestehenden Vogelschutzgebiet, das von der Trasse durchquert wird, diskutiert.


Ob und wenn ja, welche neuen Vereinbarungen für den gesamten Trassenverlauf mit den Grundstückseigentümern getroffen werden, ließ 50Hertz zur Antragskonferenz noch offen. Inwieweit eine neue dingliche Sicherung gegenüber der 1982 gebauten Leitung erforderlich sei, wolle man im Einzelfall prüfen. Fakt ist: Die Trasse wird, gleichwohl im identischen Verlauf bzw. mit geringen Abweichungen, mehr Platz beanspruchen. Rahmenvereinbarungen, das zeigen die Erfahrungen, favorisieren die Netzbetreiber nicht.  Ebenfalls wird es erforderlich sein, die Ansprüche der Flächennutzer hinsichtlich der Bewirtschaftungserschwernisse in die Planungen einzubeziehen, da diese bei der bestehenden Leitung keine Berücksichtigung fanden.

 

Über aktuelle Entwicklungen zur SuedLink-Trasse berichten wir in einer der nächsten Ausgaben.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr